Zum Tag der Endometriose

Endometriose: Warum der Weg zur Diagnose oft so lang ist

Ein unerfüllter Kinderwunsch brachte Julia Ebner aus dem Remstal die Antwort, warum sie lange unter diffusen Symptomen litt: Im Esslinger Endometriose-Zentrum fand sie Hilfe.

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Von Autor/in Christine Bilger, Bernice Tshimanga

Eine weit verbreitete Krankheit bleibt oft unentdeckt: Von Endometriose betroffene Frauen leiden oft jahrelang, bevor ihnen geholfen wird. Der Tag der Endometriose soll helfen, das Bewusstsein für diese chronische Erkrankung zu steigern.

Tag der Endometriose macht auf Krankheit aufmerksam

Das Beispiel von Julia Ebner aus Stetten im Remstal (Rems-Murr-Kreis) verdeutlicht, wie lang der Weg zur Diagnose - und vor allem zur richtigen Behandlung - oft ist. Jahrelang litt sie unter Schmerzen während ihrer Periode. Doch nicht nur während dieser Tage hatte sie Symptome. Müdigkeit und Abgeschlagenheit machten sich im Alltag bemerkbar.

Bei Endometriose kommt Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, außerhalb des Uterus vor. Betroffen ist meist der untere Bauchraum, an der Außenseite der Gebärmutter oder an den Eierstöcken. Schätzungen zufolge sind etwa 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen.

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Kinderwunsch führt zum Endometriose-Zentrum

Eine von ihnen ist Julia Ebner. Erst als sie verheiratet war und sich mit ihrem Mann Marian ein Kind wünschte, kam sie nach eineinhalb Jahren unerfülltem Kinderwunsch der Krankheit auf die Spur. "Ich habe dann verschiedene Ärzte aufgesucht, weil ich dachte, irgendwas muss doch sein", berichtet die 33-Jährige. Aber immer hieß es nur: "Sie sind jung und gesund, Ihnen fehlt nichts."

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Dann wechselte Julia Ebner zu einer neuen Frauenärztin. "Hat man bei Ihnen schon mal über Endometriose gesprochen?", habe diese gefragt. Und fand lauter Endometriose-Zysten im Bauch. Im Klinikum Esslingen erfolgte dann im zertifizierten Endometriosezentrum die genaue Diagnose - und wenig später eine Operation. Dann das kleine Wunder: Im August kam ihr Sohn zur Welt.

Antientzündliche Ernährung hilft

Bei der Operation wird das betroffene Gewebe minimalinvasiv entfernt. Nicht allein die Operation habe die Wende gebracht. Julia Ebner setzte zudem auf eine Ernährungsumstellung: Antientzündlich und vegan habe sie sich ernährt. Kein Kaffee mehr, kein Zucker. Das bezeichnet sie als den "Gamechanger".

Die Leidensgeschichte von Julia Ebner hat ein Ende. Aber viele Frauen suchen immer noch Hilfe, weil die Krankheit nicht einfach zu diagnostizieren ist. Karin Pethke, die Leiterin des Endometriosezentrums am Klinikum Esslingen, erklärt, warum das so ist: "Das Riesenproblem bei der Endometriose ist diese diffuse Symptomatik", sagt die Ärztin. Das könnten Schmerzen bei der Periode bei einer Frau sein, eine unspezifische Verdauungsproblematik bei einer anderen.

Bei manchen gehe es auch mit einem Fatigue-Syndrom einher, der chronischen Erschöpfung. Deswegen komme man oft nicht gleich auf die richtige Diagnose. Hinzu komme, dass Ausmaß und Beschwerden nicht korrelieren würden: Nicht zwangsläufig habe eine Frau starke Symptome, die massiv betroffen sei - und umgekehrt.

Karin Pethke stellt fest, dass das Bewusstsein für die Krankheit gestiegen ist: "In den letzten zehn Jahren hat sich wahnsinnig viel getan", sagt sie. Da habe auch Social Media geholfen, das Thema bekannter zu machen. "Und trotzdem haben wir in der Sprechstunde ganz viele Patientinnen, die immer noch nicht wissen, was Endometriose ist." Außerdem herrsche in der Gesellschaft immer noch die Meinung vor, Regelschmerzen seien normal. Daher hat sie eine klare Botschaft: "Nimm deine Beschwerden ernst und hole dir qualifizierte Hilfe."

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Ärztin fordert mehr Endometriose-Forschung

Zur Linderung des Leidens könnten Frauen unter anderem die Ernährung umstellen - so wie es Julia Ebner getan hat - auf antientzündliche Lebensmittel. Bei dieser verzichtet man auf Weißmehl, rotes Fleisch und hoch verarbeitete Lebensmittel. Gemüse, Beeren und Hülsenfrüchte gehören dazu. Yoga und Bewegung können gegen die Schmerzen helfen, auch Wärme, Physiotherapie oder Osteopathie.

Entscheidend sei aber, eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt zu haben mit Fachkenntnis zur Endometriose. Zwar würden sich mehr Zentren und Kliniken etablieren, die wie das Esslinger Klinikum zertifiziert seien. "Aber es bedarf einfach noch mehr - vor allem mehr Forschung." Und das sei auch ein politisches Thema: "Es sollten mehr Fördergelder in die Forschung fließen", sagt Karin Pethke.

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