Während der Fußball-EM 2024 war ein Motorrad-Polizist ums Leben gekommen - angefahren durch eine Autofahrerin. War es ein Fahrfehler der zur Tatzeit 69-Jährigen? Das ist die Sicht der Staatsanwaltschaft. Oder hat die Polizei eine Kreuzung in Degerloch nicht ausreichend abgesperrt? Letzteres ist die Sicht der Frau und ihrer Verteidiger gewesen. Darum geht es von Dienstag an wieder vor Gericht. Denn gegen das im Dezember 2025 verhängte Urteil von einem Jahr und drei Monaten sind sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Beschuldigte in Berufung gegangen.
Tragisch: Polizist häte damals schon in Pension sein können
Der Unfall war ein Schock für die Stuttgarter Polizei: Ihr Kollege, ein erfahrener 61-jähriger Motorradpolizist, hatte extra für die Fußball-Europameisterschaft seinen Dienst verlängert - er hätte schon im Ruhestand sein können. Der Tuning-Experte fuhr am Tag des Unfalls mit in der Motorradeskorte für den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Er war für das Spiel der ungarischen Nationalmannschaft nach Stuttgart gekommen.
Unfall während Europameisterschaft Detektive suchen Zeugen nach Tod von Motorradpolizist in Stuttgart
In mehreren Anzeigenblättern sucht eine Detektei Menschen, die im Juni bei der EM den tödlichen Verkehrsunfall eines Polizisten gesehen haben.
Auf dem Weg des Trosses zum Flughafen sperrten Einsatzkräfte am 24. Juni 2024 in Degerloch die Kreuzung der Rubens- und der Löffelstraße. Die Autofahrerin stand in der Rubensstraße und wollte in Richtung Innenstadt auf die Bundesstraße 17 einbiegen. Vor ihr sollen mehrere Autos gestanden haben, die bei Grün zeigender Ampel nicht losgefahren sein sollen.
Sie soll auf der zweiten Abbiegespur an den Wartenden vorbeigefahren sein und dabei das Motorrad des 61-Jährigen erfasst haben, so der Vorwurf der Anklage. Es wurde gegen das Motorrad eines anderen Beamten geschleudert, der auf der Kreuzung stand, um diese abzusichern. Der zweite Beamte erlitt schwere Verletzungen.
70-jährige Unfallverursacherin verurteilt Tödlicher Unfall bei Orbán-Besuch in Stuttgart: Strafe fällt gering aus
Während der Fußball-EM 2024 in Stuttgart ist ein Polizist tödlich verletzt worden. Die Unfallverursacherin wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Das Amtsgericht verurteilte die Frau im Dezember 2025 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Sie hatte bei der Urteilsverkündung einen denkwürdigen Auftritt: "Ich habe keinen Fehler begangen", sagte sie. Eine Absperrung habe sie nicht gesehen. Die Beweisaufnahme des Amtsgerichts ergab, dass die Absperrung ausreichend gewesen sein soll.
Angeklagte und Staatsanwaltschaft legen Berufung ein
Gegen das Urteil haben sowohl die Frau als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt: Die Frau, weil sie sich zu unrecht verurteilt fühlt und sich nicht schuldig findet. Die Anklagebehörde, weil sie eine höheres Strafmaß gefordert hatte, nämlich ein Jahr und sechs Monate Haft. Auch diese hätte zur Bewährung ausgesetzt werden können.
Für das Berufungsverfahren sind drei Termine bis Ende Oktober vorgesehen.