Häufig Mehraufwand für Patienten und Ärzte

Probleme mit dem E-Rezept: Störungen sorgen für Frust in Apotheken

Das elektronische Rezept läuft nicht rund. Apotheken in BW kämpfen mit Störungen und Totalausfällen. Auch Patienten haben einen größeren Aufwand - besonders schwierig wird es am Wochenende und nachts.

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Von Autor/in Samantha Ngako

Seit 2024 ist das E-Rezept für verschreibungspflichtige Medikamente bei gesetzlich Versicherten verpflichtend. Es soll mehr Komfort bieten und Wege in die Arztpraxis sparen. Zum Beispiel, indem Folgerezepte ausgestellt werden können, ohne dass man zum Arzt geht. Was in der Theorie praktisch klingt, erweist sich in der Praxis immer wieder als Problem. Denn Apothekerverbände beklagen, dass das E-Rezept-System öfter ausfällt oder instabil läuft.

E-Rezept: Häufig Komplettausfälle und Störungen

Thomas Preis, Chef der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände berichtet von häufigen Komplettausfällen oder erheblichen Beeinträchtigungen. Damit hat auch Rudi Grünbauer zu kämpfen, er ist Apotheker in Remseck am Neckar (Kreis Ludwigsburg). Wenn das System ausfällt, müssten sie zum Teil Kundschaft auch wegschicken - denn es kann dann nichts ausgelesen werden. "Die Technik funktioniert nicht. Und dann sind wir gezwungen, die Leute entweder zu vertrösten, dass sie später nochmal kommen, oder am nächsten Tag. Wir wissen aber auch nicht, wie lange sich so ein Ausfall hinzieht", so Apotheker Grünbauer.

Über den Apotheker Rudi Grünbauer und seine Probleme im Arbeitsalltag mit dem E-Rezept hat auch die Tagesschau am 8.8.2025 berichtet:

Was passiert, wenn man das E-Rezept nicht einlösen kann

Was bei so einer Störung genau passiert, erklärt der Landesapothekerverband Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage. Es komme beim E-Rezept immer wieder zum Ausfall "einzelner Komponenten der Telematik-Infrastruktur (TI)". Über diese laufe die sichere Datenübermittlung beispielsweise zwischen Arztpraxen und Apotheken. "Wenn einzelne Komponenten ausfallen, können beispielsweise in Praxen keine E-Rezepte ausgestellt und in der TI abgelegt werden. Ebenso ist es dann für Apotheken nicht möglich, auf diese Rezepte der Patienten zuzugreifen", so der Landesapothekerverband. Denn, das ist in dem Zusammenhang wichtig zu wissen: Das E-Rezept ist nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte der Versicherten gespeichert. "Die elektronische Gesundheitskarte ist vielmehr nur der Schlüssel, dass die Apotheke auf das Rezept im Datensafe der TI zugreifen kann", teilt der Landesapothekerverband mit.

Apothekerverband BW findet Ausfälle "nicht hinnehmbar"

Und wenn der Schlüssel das Rezept nicht öffnet - bedeutet das für Patienten mitunter, dass sie doppelte Wege in Kauf nehmen müssen. Nämlich zurück in die Praxis, um ein Rezept auf Papier zu holen. "Bei gebrechlichen Menschen ist das eine Schwierigkeit", betont der Landesapothekerverband. Dass immer wieder entscheidende Komponenten rund um das E-Rezept ausfallen, findet der Verband nicht hinnehmbar.

Es geht um die Gesundheit und da kann es mitunter schwierig werden, denn Apotheken dürfen laut Verband "kein verordnetes Medikament abgeben, wenn das Rezept nicht vorliegt". Daher können bei Ausfällen auch dringend benötige Arzneimittel nicht sofort zum Patienten oder zur Patientin gelangen, wenn das E-Rezept nicht funktioniert. Der Landesapothekerverband berichtet darüber hinaus, dass die Störungen auch zu Verunsicherungen führen könnten: "Gerade in der Gesundheitsversorgung ist es wichtig, dass man sich als kranker Mensch - wie auch die Angehörigen der verschiedenen Heilberufe im Gesundheitswesen - auf die Prozesse zu 100 Prozent verlassen kann."

Apotheker fordern Regelung für unbürokratische Hilfe

Besonders in Randzeiten ist eine Störung beim E-Rezept für Apotheken herausfordernd. Der Chef der Apothekerverbände, Thomas Preis betont: "Gerade an so einem Tag wie zum Wochenende oder im Notdienst hängt die Versorgung der Patientinnen und Patienten wirklich am seidenen Faden". Apothekerinnen und Apotheker müssten dann ihm zufolge "sehr viel improvisieren und telefonieren", um eine Rückbestätigung für die Verordnung zu bekommen.

Preis fände es hilfreich, wenn Apotheken hier "mehr Handlungsfreiheiten" hätten, damit die Patientinnen und Patienten schnell und unbürokratisch versorgt werden könnten. Das würde zum Beispiel bedeuten, einem "Dauerpatienten, der immer schon ein Blutdruckmittel bekommt, eben übers Wochenende über ein paar Tage zu helfen", so Preis. Die Idee ist also die Möglichkeit, bekannten Personen ein Medikament aushändigen und danach sicher abrechnen zu können.

Digitalagentur Gematik kommuniziert Störungen in einem Portal

Auf die Frage, wie viele Ausfälle und Störungen es in letzter Zeit in Baden-Württemberg gegeben hat, verweist die zuständige bundeseigene Digitalagentur Gematik auf SWR-Anfrage auf das Fachportal, in dem Störungen kommuniziert würden. Eine spezifische Auswertung für Baden-Württemberg liege nicht vor.

Gematik betont, dass es nur selten Probleme hinsichtlich der Gesamtinfrastruktur beim E-Rezept gebe. "Störungen in der TI entstehen häufig durch Beeinträchtigungen von einzelnen Komponenten oder Diensten, die von unterschiedlichen Herstellern betrieben werden. Diese Anbieter unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben - etwa hinsichtlich Verfügbarkeit, Reaktions- und Lösungszeiten sowie Dokumentationspflichten bei Störungen", teilt Gematik dem SWR mit. In der Regel könnten Störungen durch den jeweiligen Dienstleister oder Hersteller meist zügig behoben werden. In komplexeren Fällen könne die Störungsbehebung jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Ärzte wollen sich auf E-Rezept verlassen können

Niemand bezweifle die grundsätzliche Sinnhaftigkeit des E-Rezepts oder die Vorteile, die aus dem E-Rezept entstehen können, "Ärztinnen und Ärzte sind keine Digitalisierungsgegner", betont die Landesärztekammer Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage. Sie müssten sich aber auf die gesetzlich eingeführten Tools verlassen können. Die Landesärztekammer verweist darauf, dass "ständige Funktionsausfälle und darauf basierende häufige Rückfragen von Patienten" vielfach den Praxisbetrieb lähmten.

Die Ärzteschaft bedauert, dass die eigentlich gute Idee der elektronischen Verordnung und Vernetzung nur lückenhaft anwendbar ist, was unterm Strich größeren Aufwand für alle Beteiligten bedeutet.

Das E-Rezept sei in der breiten Masse der Arztpraxen angekommen, so die Landesärztekammer. In Kliniken und im Ärztlichen Bereitschaftsdienst sei die Verfügbarkeit aber noch immer sehr lückenhaft. Die Landesärztekammer fordert, dass E-Rezepte nach dem Ausstellen sofort in der TI verfügbar sind, "damit keine Wartezeiten für Patienten entstehen und keine Nachfragen aufkommen, die den Praxisbetrieb lähmen können".

Heil- und Hilfsmittel können nicht digital verordnet werden

Viele Ärztinnen und Ärzte störe außerdem, dass sie derzeit ausschließlich rezeptpflichtige Medikamente elektronisch verordnen dürfen. "Heil- und Hilfsmittel, also beispielsweise Physiotherapie oder auch Gehstützen und Katheter, können noch nicht digital verordnet werden. Folge ist, dass man ständig zwischen den Rezepterstellungsabläufen hin und her springen muss", so die Landesärztekammer. Das Gleiche gelte für Betäubungsmittel-Rezepte, die noch nicht als E-Rezept ausgestellt werden könnten.

Vor einigen Tagen hat Thomas Preis von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände angeprangert, dass das elektronische Rezept der Deutschen Bahn in Sachen Unzuverlässigkeit den Rang ablaufe. Apotheker wie Rudi Grünbauer aus Remseck am Neckar machen täglich den Praxistest - zusammen mit den Patientinnen und Patienten.

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SWR4 BW am Samstagmorgen SWR4 Baden-Württemberg

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Samantha Ngako
SWR-Redakteurin Samantha Ngako

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