1.000 Euro Prämie zusätzlich und steuerfrei? Was für Beschäftigte gut klingt, könnte für Unternehmen schwierig werden. Gerade kleine und mittelständische Betriebe in Baden-Württemberg könnten Probleme haben, sie zu zahlen. Selbst große Unternehmen zeigen sich zurückhaltend.
1.000 Euro seien "viel zu wenig"
"Ich finde es richtig und wichtig, dass die Bundesregierung sich um uns und die Bürger kümmert. Die Entlastung muss spürbar werden", sagt Jochen Baier, der die Bäckerei Baier in sechster Generation führt. Drei Fachgeschäfte in Herrenberg und eins in der Markthalle in Stuttgart und 165 Mitarbeitende gehören zu seinem Betrieb.
"Ich finde 1.000 Euro viel zu wenig, das hilft kaum jemanden, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt er. Die Menschen in Deutschland bräuchten Kaufkraft und es brauche ein Modell, dass sie wieder Kaufkraft bekämen.
Um die Prämie auszuzahlen, muss sie erst erwirtschaftet werden
Bei manchen seiner Mitarbeitenden sei es so angekommen, als sei die Prämie selbstverständlich und sie würden jetzt 1.000 Euro geschenkt bekommen - die Frage von wem, ob "vom Bundeskanzler oder vom Chef" sei ihnen aber unklar gewesen.
Baier wird nicht in der Lage sein, seinen Mitarbeitern die Prämie zu bezahlen. "Das wären 165.000 Euro und das ist unmöglich", sagt er. Denn: Um den Mitarbeitenden die Prämie auszahlen zu können, müsste das Geld erst erwirtschaftet werden.
Kleine Unternehmen können sich Prämie nicht leisten
Für Britta Tenhagen, Chefin des Pflegedienstes Stuttgart West, ist die Idee "relativ lachhaft". Der Pflegedienst gehört ihr seit mehr als sieben Jahren, sie beschäftigt neun Festangestellte und elf Aushilfen.
Jedem ihrer Mitarbeiter 1.000 Euro als Prämie zahlen? "Das könnte ich mir auf gar keinen Fall leisten", sagt sie. "Das könnten wir monatlich nicht stemmen, nicht mal, wenn wir es in Raten auszahlen könnten. So viel Geld kommt gar nicht rein, dass wir da im Plus bleiben und überleben könnten."
Autozulieferer Mahle zahlt keine Prämie
Doch auch bei größeren Unternehmen trifft die Prämie nicht auf Zuspruch. Beim Autozulieferer Mahle, der sowieso schon unter Druck steht, wird es keine Prämie geben. Aktuell versucht das Unternehmen, seine Personalkosten zu reduzieren.
"Wir brauchen Kostenreduzierung und keine Kostenerhöhungen", sagte Mahle-Chef Arnd Franz dem SWR. Aus Verbraucher- und Mitarbeitersicht sei die Maßnahme nachvollziehbar. "Aber als Unternehmen können wir uns das nicht leisten."
Bosch zögerlich, Trigema skeptisch
Der Technologiekonzern Bosch aus Gerlingen bei Stuttgart positioniert sich noch nicht klar zu der Frage, ob er bereit wäre, die Prämie zu zahlen, da das geplante Vorhaben einer freiwilligen Entlastungsprämie vonseiten des Gesetzgebers noch nicht konkret genug formuliert sei. Eine mögliche Anwendung müsse zunächst analysiert werden.
Ähnlich antwortet der Energiekonzern EnBW, die Schwarz-Gruppe prüft die Beschlüsse derzeit intern. Das Technologieunternehmen SAP und der Kettensägenhersteller STIHL äußern sich dazu nicht.
Die Co-Chefin des Textilunternehmens Trigema aus Burladingen, Bonita Grupp, zeigte sich gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" skeptisch zu einer steuerfreien Prämie. Trigema müsse seine Kosten im Blick behalten, insbesondere in diesen krisenhaften Zeiten.
Soziale Unzufriedenheit in der Bevölkerung?
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände geht laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung davon aus, dass nur wenige Arbeitgeber eine steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro an Beschäftigte auszahlen werden.
Bäcker Baier freut sich nicht über den Vorschlag der Bundesregierung. "So eine Ankündigung schürt natürlich Erwartungen und wenn das nicht erfüllt wird, führt das zu sozialer Unzufriedenheit - nicht nur in Betrieben, sondern in der Bevölkerung."
Bäcker Baier und Pflegedienstchefin Tenhagen nennen denselben Alternativvorschlag: Statt 1.000 Euro zusätzlich zu bezahlen, könnten bis zu 1.000 Euro aus dem bestehenden Lohn steuerfrei oder steuervergünstigt werden. "Das wäre keine Mehrbelastung, sondern eine Entlastung und unsere Mitarbeiter hätten mehr in ihrem Geldbeutel", sagt Baier.