Wie viel Verzicht steckt hinter einer Karriere im Fußball? Und was brauchen junge Talente neben sportlichem Können, um ihren Weg zu gehen? Um diese Fragen ging es beim Talk "Ein Leben für den Sport" im SWR PopUp Studio in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis).
Mit dabei waren die Kapitänin der U20-Frauen-Mannschaft der TSG Hoffenheim und U20-Nationalspielerin Leni Wileschek, der Torwart der U19-Junioren-Mannschaft der TSG Hoffenheim Henri Eckelmann, Hoffenheim, U19-Co-Trainer Johannes Bender und Simone Born von "Anpfiff ins Leben".
"Haltung macht oftmals den großen Karrieresprung aus."
Für Simone Born von "Anpfiff ins Leben" steht nicht allein die sportliche Entwicklung junger Menschen im Mittelpunkt. Der Verein "Anpfiff ins Leben" möchte diese auch als Persönlichkeiten weiterentwickeln. Die Förderung verbindet Sport mit Schule, beruflicher Orientierung und sozialer Entwicklung. Die Sozialkompetenz soll gestärkt werden, Trainer können Vorbilder sein und Vereine zu Bildungsorten werden. Talent allein reiche dabei nicht, sagte Born.
Haltung macht oftmals den großen Karrieresprung aus.
Auch Sportvereine sollten sich ihrer Bedeutung für die Gesellschaft bewusst sein.
Schule, Fußball und kaum Zeit für anderes
Dass Leistungssport für Jugendliche auch Verzicht bedeutet, haben die TSG-Nachwuchsspieler Henri Eckelmann und Leni Wileschek berichtet. Beide beschrieben vor allem die Prüfungsphasen in der Schule als stressig. Neben Schule und Fußball bleibe dann kaum Zeit für andere Veranstaltungen oder Aktivitäten.
Eckelmann, der als Torwart bei der TSG spielt und mit 16 Jahren sein Abitur gemacht hat, beginnt jetzt ein Studium der Sportwissenschaft in Heidelberg. Er geht inzwischen in seine zweite Saison im Internat und beschreibt sich auf dem Platz als Lautsprecher, der seine Mitspieler gerne pusht. Gerade als Torwart sei ein guter Draht zur Mannschaft wichtig, auch um nach Fehlern aufgefangen zu werden.
Auch Wileschek ist früh ihren Weg im Fußball gegangen. Sie spielt in der U20 der TSG, ist seit dieser Saison Kapitänin und seit ihrem 16. Lebensjahr Nationalspielerin. Bereits mit 15 sei sie von zu Hause ausgezogen, um Profi zu werden. Die Fußballerin beschreibt sich selbst als Führungsspielerin und als eher laute Spielerin auf dem Platz. Ihre Karriere hänge letztlich von ihr selbst ab, sagte sie – und sie stecke dafür alles hinein, was sie habe.
Ein Leben nach der Karriere
Für Johannes Bender, Co-Trainer der TSG-U19, gehören Talent und Haltung zusammen. Beides sei wichtig, um erfolgreich zu sein. Bender, seit 2013 bei der TSG, war selbst Spieler in der TSG-Akademie. Heute versucht er, mit seinen Spielern auf einer Wellenlänge zu sein. Weil er selbst im Internat gelebt hat, möchte er seine Erfahrungen weitergeben und nah an den Jugendlichen dran sein.
Es gibt auch ein Leben nach der Fußballkarriere.
Gleichzeitig solle die sportliche Karriere nicht den Blick auf die Zukunft verstellen. "Die Jungs sollten einen Schulabschluss machen, denn es gibt auch ein Leben nach der Fußballkarriere", sagte Bender.
Fußballspielen bringt viele schöne Momente
Torhüter Eckelmann findet es nicht schlimm, auf Dinge verzichten zu müssen für den Sport. Er habe den Verzicht nie bereut, weil ihm der Fußball viele schöne Momente gebracht habe. Die Erfahrungen, die er dabei sammle, würden ihn ein Leben lang prägen. Auch Wileschek sieht das ähnlich: Der Fußball habe ihr in ihrem bisherigen Leben schon sehr viel gegeben.