Für Grabdiebe ist der Friedhof ein Ort mit wertvollen Rohstoffen. Sie haben es vor allem auf Metall abgesehen. Insbesondere Kupfer und Bronze werden in der Industrie dringend benötigt und erzielen entsprechend hohe Erlöse. Deswegen gibt es immer wieder auch Meldungen, dass Kupferkabel bei der Bahn und sogar Dachrinnen von Kirchen geklaut werden. Schlagen Kriminelle auf Friedhöfen zu, hinterlässt das auch fast immer Spuren bei den Hinterbliebenen.
Raub auf Schriesheimer Friedhof macht Angehörige fassungslos
So auch bei der Familie Hartmann/Majer. Seit 1929 zierte ein massiver Bronze-Engel das Grab des im Alter von sieben Jahren verstorbenen Karl Hartmann in Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis). Es war ein Ort, an dem die Familienmitglieder bis heute zusammenkommen, um gemeinsam zu gedenken. Im April wurde der Engel von Unbekannten aus dem Sockel gerissen.
Auf alles wäre man gekommen, aber dass man sich da vergreift, hätte keiner gedacht.
Schon einige Monaten zuvor haben Unbekannte in Schriesheim zugeschlagen und sich am Grab von Sabine Koschorrecks Ehemann vergriffen. Die Diebe hatten es offenbar auf einen Regenbogen aus Metall abgesehen, der auf einem Grabstein montiert ist. Sabine Koschorreck vermutet, dass die Unbekannten gestört wurden und deswegen von dem Regenbogen abgelassen haben. An dem Regenbogen blieben Schäden zurück.
Für die ist es nichts als Geld. Für die Angehörigen ist es etwas Emotionales.
Grabraub: Polizei rät Betroffenen zur Anzeige
Die beiden betroffenen Familien haben die Vorfälle bei der Polizei gemeldet. Ob die Anzeigen zu einem Ermittlungserfolg führen, ist allerdings fraglich. Denn: Nur selten lassen sich Metalldiebstähle auf Friedhöfen aufklären.
Wie das Polizeipräsidium Mannheim auf SWR-Anfrage mitteilte, sind gerade Friedhöfe für Metalldiebe "attraktiv". Sie seien schwer einsehbar, würden nicht videoüberwacht und seien leicht zugänglich. Ein großes Problem für die Ermittler ist der Faktor Zeit. Weil Diebstähle oft erst Tage oder Wochen später bemerkt werden, sei die Spurensicherung oft schwierig. Die Polizei appelliert daher dringend an alle Betroffenen, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen, um regionale Zusammenhänge und mögliche Tätermuster besser erkennen zu können.