Krankenhäuser in Mosbach und Buchen mit jährlichen Millionen-Defiziten

Drei Jahre Bestandsgarantie für Neckar-Odenwald-Kliniken

Die Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken stand am Mittwoch auf der Tagesordnung des Kreistags. Der hat nun nach emotionalen Diskussionen eine Tendenzentscheidung getroffen.

Teilen

Stand

Nach mehrstündiger, emotional geführter Debatte hat der Neckar-Odenwälder Kreistag bei seiner Sitzung am Mittwoch in Mudau die vorläufigen Weichen für die Zukunft der beiden Krankenhäuser in Mosbach und Buchen gestellt. Demnach bleibt zunächst alles beim Alten: Die beiden Häuser sollen trotz Millionen-Defizit für die kommenden drei Jahre unverändert weiterbestehen, eine endgültige Entscheidung soll frühestens also 2029 getroffen werden.

Die Neckar-Odenwald-Klinik in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).
Die Neckar-Odenwald-Klinik in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis).

Interfraktioneller Antrag bekommt mehrheitlich Zustimmung

Die kommenden drei Jahre sollen genutzt werden, um die Belegungszahlen deutlich zu erhöhen: von derzeit knapp 50 Prozent auf dann mindestens 60 Prozent. Parallel dazu sollen grundsätzlich "Überlegungen zur Etablierung moderner Versorgungsformen" angestellt werden, heißt es in dem Antrag – auch und besonders mit Blick auf die Auswirkungen der bundesweiten Krankenhausreform. Mit seiner Entscheidung folgte der Kreistag nach emotionalen Diskussionen einem Antrag von Mosbacher Kreisrätinnen und Kreisräten aus mehreren Fraktionen.

Der Vorschlag der Kreisverwaltung wird abgelehnt

Die Kreisverwaltung hatte den Kreisräten ein anderes Vorgehen vorgeschlagen. Geht es nach ihr, hätte der Kreistag den Weg für die zeitnahen Planungen eines Regionalen Gesundheitszentrums Neckar-Odenwald freigemacht. Für ein solches Gesundheitszentrum hätte das Krankenhaus in Buchen ausgebaut, das Haus in Mosbach zu einer "sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung" (süv) umgewandelt werden sollen. Außerdem sollte geprüft werden, ob und wie in Mosbach ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum gegründet werden könnte, mit Haus- und Fachärzten, die an sieben Tagen in der Woche für Patienten erreichbar sind. Diesem Vorschlag, für den Landrat Achim Brötel (CDU) zu Beginn der Sitzung eindringlich geworben hatte, wollte die Mehrheit der Kreisräte am Mittwoch nicht folgen.

Ein Krankenhausflur in den Neckar-Odenwald-Kliniken am Standort Buchen

Die Diskussionen um die Zukunft der beiden Krankenhäuser in Mosbach und Buchen werden schon seit Monaten geführt. Hintergrund ist die finanzielle Lage der kreiseigenen Kliniken: Beide Häuser machen zusammen jährlich inzwischen rund zwölf Millionen Euro Defizit, Tendenz steigend - ein Zustand, der so nicht mehr tragbar sei, heißt es bei der Kreisverwaltung. Auch viele Kommunen ächzen unter der Last der Krankenhaus-Defizite, die sie über die Kreisumlage finanzieren müssen.

Proteste im Raum Mosbach

Die Diskussionen angefacht hatte ein Gutachten im Auftrag der Kreisverwaltung: Die Gutachter schlugen unter anderem vor, das Mosbacher Haus zu verkleinern, das Buchener Krankenhaus zu erweitern. Besonders im Raum Mosbach regte sich dagegen massiver Widerstand.

Menschen auf dem Mosbacher Marktplatz
Großer Zulauf bei der Demonstration zum Erhalt des Mosbacher Krankenhauses Anfang des Jahres.

Mit dem jetzt gefassten "Tendenzbeschluss" sollen die Neckar-Odenwald-Kliniken wie mit einer Bestandsgarantie zunächst unangetastet bleiben, während gleichzeitig die Zahl der Patienten gesteigert und nach weiteren Einspar- und Entwicklungsmöglichkeiten gesucht werden soll. "Wir müssen uns die Zeit nehmen für eine verantwortungsvolle Entscheidung", so die Befürworter des Mosbacher Antrags. Zudem gebe es noch zu viele offene Fragen, auch zu künftigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, deren Beantwortung Zeit brauche. Die Kreisverwaltung hatte ihrerseits immer wieder betont, dass die Zeit aufgrund der Defizite dränge.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!