Von einem "Befreiungsschlag" bis hin zu Besorgnis

Nahost-Krieg: So schauen Iranerinnen und Iraner aus der Rhein-Neckar-Region auf den Konflikt

Am vergangenen Wochenende haben die Angriffe der USA unter Trump und Israels gegen den Iran begonnen. Wie Iraner aus der Rhein-Neckar-Region auf den Konflikt schauen.

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Die USA und Israel haben am Samstag Ziele im Iran angegriffen. Seitdem reagiert auch der Iran mit Gegenangriffen auf Israel sowie weitere Länder, insbesondere dort, wo US-Militär stationiert ist. Wie schauen Iranerinnen und Iraner aus der oder mit Bezug zur Rhein-Neckar-Region auf den Konflikt? Vier verschiedene Perspektiven.

Raha Rezaei aus Mannheim: "Es ist ein Krieg für den Iran"

Raha Rezaei ist 45 Jahre alt, verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Mannheim. Sie ist mit 20 Jahren für ihr Studium nach Deutschland gekommen. Die 45-Jährige hat noch Verwandte im Iran. Dass das herrschende Regime aus dem Ausland angegriffen wird, begrüße sie. Auch ihre Bezugspersonen im Iran seien optimistisch. Für Raha Rezaei ist es kein Krieg gegen den Iran. "Es ist ein Krieg für den Iran", erzählt die Mannheimerin im Interview mit dem SWR.

Absolut positiv. […] Ich kann nur hoffen, dass der stärkste Oppositionelle, den wir aktuell wahrnehmen, Pahlavi, die Transitionsphase zu einer Demokratie wirklich übernimmt.

Porträt von Raha Rezaei
Raha Rezaei, Mannheimerin aus dem Iran

Damit meint sie Reza Pahlavi, den Sohn des letzten Schahs, der in den USA lebt und in den gerade viele Exil-Iraner große Hoffnungen setzen. Die Transitionphase, so die Mannheimerin Raha Rezaei weiter, müsse jetzt sehr schnell kommen, "dass keiner die Situation ausnutzt, wie das 1979 passiert ist". 1979 endete die Herrschaft des Schahs im Iran durch die Islamische Revolution.

Reza Shari: "Wir erleben gerade die letzten Atemzüge des Regimes"

Reza Shari ist als Teenager mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In der Mannheimer Innenstadt betreibt er einen Schönheitssalon. Bei einem Besuch in seiner Heimat wurde er 2023 als Regimekritiker verhaftet. Ihm gelang jedoch die Flucht. Zur Lage im Iran äußert sich Shari immer wieder öffentlich. Im Zuge der Proteste im Januar hatte er bereits gehofft, dass die USA militärisch eingreifen würde. Der Angriff vom Samstag sei für ihn ein "Befreiungsschlag" gewesen.

Ich weiß, es ist unerklärlich, warum man sich so einen Angriff auf das Heimatland wünscht. Aber das kann man nur verstehen, wenn man 47 Jahre unterdrückt worden ist, wenn man 47 Jahre Tyrannei erlebt hat, wenn man 47 Jahre die eigene Bevölkerung massakriert hat. Das war ein Befreiungsschlag.

Der Deutsch-Iraner Reza Shari in Mannheim
Reza Shari, Mannheimer Unternehmer aus dem Iran

Er gehe davon aus, dass das Regime fallen und das "Land enorm schnell und gut aufblühen wird".

Bahare Beverungen: "Man darf nicht vergessen, dass Krieg Krieg ist"

Bahare Beverungen ist 47 Jahre alt und lebt in Mannheim. Sie ist Mitbegründerin der Initiative "Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar", die die Freiheitsbewegung im Iran seit 2022 unterstützt. Sie blickt mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle Situation.

Ich bin persönlich sehr besorgt. Man darf nicht vergessen, dass Krieg Krieg ist.

Porträt von Bahare Beverungen
Bahare Beverungen, Mitbegründerin der Initiative "Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar" privat

Sie und andere aus der Initiative hätten noch Verwandte zum Beispiel in Teheran, wo die Lage unsicher sei.

Wünschen würde ich mir natürlich einen freien Iran, wo ein kompletter Machtwechsel stattfinden würde, wo die Menschen ihre Politik selbst bestimmen können, wo Teilhabe aller ethnischen Minderheiten, die auch im Iran zusammenkommen, stattfinden würde.

Siamak Poursharif: "Dieser Krieg wird keinen Frieden bringen"

Siamak Poursharif ist Filmschaffender. Er lebt in Frankfurt am Main und organisiert unter anderem das Iranische Filmfestival im Heidelberger Karlstorbahnhof. Es findet vom 6. bis zum 13. März statt. Auf dem Festival werden nur Filme gezeigt, die im Iran gedreht worden sind. Darunter: Filme ohne offizielle Genehmigung. Wegen des aktuellen Konflikts können drei Regisseurinnen aus dem Iran nicht anreisen, weil es keine Flüge gibt. Er gibt zu, dass der amerikanisch-israelische Angriff zuerst ein bisschen Euphorie ausgelöst habe. Aber das sei schon fast vorbei. Die Kontakte, die er im Iran hat, erzählen davon, dass sie die Großstädte verlassen, vor allem Teheran. Die Menschen hätten Angst.

Die Menschen wissen nicht, wie das weitergeht. [...] Dieser Krieg wird keinen Frieden bringen, auch keine Demokratie.

Siamak Poursharif
Siamak Poursharif, Leiter des Iranischen Filmfestivals in Heidelberg privat

Von dem Filmfestival erhofft er sich, dass es zum Ort eines offenen Austauschs und der internationalen Solidarität wird.

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SWR

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