Partnerschaft zu Isfahan und Tel Aviv

Freiburgs Partnerstädte mitten im Irankrieg: "Sie haben Angst, aber auch Hoffnung"

Die Lage im Nahen Osten rund um den Irankrieg beschäftigt auch Südbaden - sowohl wirtschaftlich als auch politisch, wie die Stadt Freiburg mit ihren Städtepartnerschaften zeigt.

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Stand

Von Autor/in Nikolaus Rhein

Die jüngsten Angriffe von Israel und den USA auf den Iran und dessen darauffolgende Angriffe auf Nachbarstaaten in der Golfregion beschäftigen auch die Stadt Freiburg. Seit dem Jahr 2000 unterhält Freiburg eine Städtepartnerschaft mit der iranischen Großstadt Isfahan. Seit 2023 ist diese Beziehung wegen der massiven Verletzung der Menschenrechte im Iran offiziell eingefroren.

Freiburgs OB Horn: "Belastende Situation für die Zivilbevölkerung"

Am Dienstagabend ging es im Freiburger Gemeinderat wieder einmal um die immer schon viel diskutierte und kritisierte Städtepartnerschaft mit Isfahan. Auf der politischen Ebene findet aktuell zwar kein Austausch statt - mit der Zivilbevölkerung in Isfahan allerdings schon, vor allem über den Freundeskreis Freiburg-Isfahan.

Die Nachrichten aus Tel Aviv und Isfahan seien erschütternd, sagte Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) dem SWR. "Die Situation für die Zivilbevölkerung ist sehr belastend. Die Menschen haben Angst vor einer weiteren Eskalation." Zudem sei es schwierig, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu bleiben, "weil die Internetverbindung die meiste Zeit nicht gegeben ist", so Horn. Und wenn doch Nachrichten von Menschen aus dem Iran ins Ausland dringen, seien diese aus Sorge vor dem Regime und seinen Geheimdiensten oft verklausuliert.

Anke Wiedemann: "Austausch liegt uns nach wie vor am Herzen"

Trotz der schwierigen Lage will Freiburg den Kontakt in den Iran nicht abreißen lassen, wie Horn betont: "Wir als Stadt machen keine Außenpolitik. Durch Städtepartnerschaften versuchen wir Menschen zu vernetzen und zusammenzubringen." Anke Wiedemann (Grüne) pflichtet dem OB bei. Als Leiterin des "Team Internationales" ist Wiedemann zuständig für die Städtepartnerschaften. Sie sagt:

Der Sinn von Städtepartnerschaften ist es, dass wir Brücken bauen können, dass wir im Austausch miteinander stehen, dass wir Dialogräume schaffen können. Es geht um den Austausch mit der Zivilbevölkerung, und der liegt uns nach wie vor stark am Herzen.

Wappen der Stadt Isfahan auf dem Boden vor dem Rathaus in Freiburg
Seit 2023 ist die Freiburger Städtepartnerschaft mit Isfahan eingefroren.

Drei von zwölf Partnerstädten befinden sich im Krieg

Freiburg und seine Partnerstädte - das ist aktuell wieder ein schwieriger Spagat für die Stadt. Wiedemann spricht von "herausfordernden Zeiten". Mit der ukrainischen Stadt Lviv sowie Tel Aviv und Isfahan befinden sich derzeit drei von zwölf Freiburger Partnerstädten im Krieg. Zählt man die US-amerikanische Partnerstadt Madison mit, sind es sogar vier.

Wiedemann und ihr Team versuchen so gut es geht, mit Menschen im Iran in Kontakt zu sein. "Am Samstag hat mir eine junge Frau aus Isfahan geschrieben: Ihrer Familie geht es aktuell gut. Sie haben Angst, aber auch Hoffnung." Seitdem habe sie nichts mehr von der Frau gehört. "Es sind keine Nachrichten mehr durchgekommen."

Von einer Person aus Teheran habe Wiedemann am Montag gehört, "dass sie große Angst davor haben, dass die Stadt bombardiert wird. Dass es die ganze Zeit zu Erschütterungen kommt, und dass sie nicht mehr wissen was sie tun sollen." Es gelte nun, den Kontakt nicht abreißen zu lassen und "auch zu schauen: Können wir irgendwie unterstützen, können wir irgendwie helfen?"

In Isfahan gibt es anders als in Tel Aviv keine Schutzräume

Auch mit Tel Aviv sei man aktuell in engem Austausch. "Am Samstag haben wir Eins zu Eins mitbekommen, wie es Raketenalarm gab und die Menschen in die Schutzräume gegangen sind." Auch in Tel Aviv hätten die Menschen Angst und wüssten nicht, wie es weitergeht. Anders als im Iran gibt es in Israel immerhin Schutzräume und Bunker, wo die Menschen bei Angriffen Zuflucht suchen können. "Im Iran gibt es das nicht: Dort sind die Menschen den Geschehnissen schutzlos ausgeliefert", so Wiedemann.

Auch Südbadens Wirtschaft vom Irankrieg betroffen

Der Krieg im Nahen Osten wirkt sich auch negativ auf die Wirtschaft in Südbaden aus. Dabei hätten Unternehmen in der Region ihre Handelsbeziehungen mit dem arabischen Raum gerade erst intensiviert, wie Uwe Böhm, Leiter des Geschäftsfelds International bei der IHK Hochrhein-Bodensee, sagt:

Einer der attraktivsten Märkte ist gerade die arabische Region, weil dort noch sehr viel investiert wird. Wir waren vor drei Wochen noch in Riad und haben erste Kontakte geknüpft. Aber das ist jetzt mit Sicherheit erstmal wieder ausgebremst.

Auch der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib) zeigt sich besorgt. Die Lage im Nahen Osten sei ein "externer Schock", sagt Hanna Böhme, Hauptgeschäftsführerin des wvib Schwarzwald. Der Konflikt würde die bereits strauchelnde südbadische Wirtschaft zusätzlich belasten. Steigende Öl- und Gaspreise würden unter anderem Produktion und Transport teurer machen - was letzten Endes zu höheren Verbraucherpreisen führe. Man müsse sich "auf eine neue Phase erhöhter Unsicherheit einstellen", so Böhme.

Freiburger Islamwissenschaftler: Regime-Wechsel im Iran unwahrscheinlich

Wie geht es nach der Eskalation weiter im Iran und in der Golfregion? Der Freiburger Islamwissenschaftler Tim Epkenhans hält einen Fall des Regimes für unwahrscheinlich. Etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung würden schätzungsweise noch hinter der Regierung stehen und hätten nach wie vor großen Einfluss.

Das Regime ist weiterhin in der Lage, diesen Teil der Bevölkerung zu mobilisieren. Das ist Teil der Sicherheitsstrukturen und des Repressionsapparates. Und der ist ganz stark in der Fläche des Landes zu verorten, sodass ein gewaltsamer Regimewandel meines Erachtens sehr viel mehr Ressourcen erfordert als die jetzigen Luftangriffe.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.
Reporter/in
Christof Gerlitz
Damian Correa Koufen
Damian Correa Koufen

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