In der Rhein-Neckar-Region hat es im Neckartal schon öfter Hangrutsche an Bahnstrecken gegeben. Die Gefahrenkarte des Zentrums für Schienenverkehrsforschung zeigt, dass beispielsweise die Strecke zwischen Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) und Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) kritisch ist. Auch bei Neckargerach gibt es Abschnitte, an denen die Hänge nah an der Bahnstrecke liegen. Außerdem sind viele Gleise bei Heidelberg, Neckargemünd, Neckarsteinach und Hirschhorn (Kreis Bergstraße) am Neckar unmittelbar von Hängen umgeben.
Erdrutsche: Gefahr für Bahngleise und Straßen
Überall dort besteht eine höhere Wahrscheinlickeit, dass sich durch Regen oder Schneeschmelze Hangrutsche oder -muren entwickeln. Oft bewegen sich die Mischungen aus Wasser, Geröll und Schlamm schnell den Berg oder Hang hinab. Sie können dann auf Gleisen oder Straßen landen.
Durch den Klimawandel und Starkregen werden Erdrutsche oder Unterspülungen immer wahrscheinlicher. Der Fahrgastverband "Pro Bahn" fordert deshalb auch nach dem tödlichen Zugunglück bei Riedlingen Warnsysteme, um die Bahnstrecken überwachen zu können. Aus Sicht des Verbandes braucht es dafür technische Lösungen.
Bahn schützt Gleise mit Schutzzäunen und KI
Auf Nachfrage des SWR erklärte die Bahn, dass gefährdete Abschnitte mit speziellen Zäunen geschützt werden. Auf vielen Strecken würden außerdem seit 2020 Daten mithilfe von Sensoren im Gleis live erfasst.
Die Sensoren erfassen Geräusche entlang der Bahnstrecke mithilfe eines Glasfaserkabels. Auch durch Künstliche Intelligenz sei es möglich, bis auf zehn Meter genau zu erkennen, was auf der Strecke passiere. Dank des so genannten "Fiber Optic Sensing (FOS)" will die Bahn äußere Einflüssen wie Kabeldiebstähle oder Hangrutsche künftig noch besser erkennen und darauf reagieren. Auch der Zustand der Strecke, die Fahrzeuge, deren Ortung und Geschwindigkeit können laut Bahn so besser erfasst werden.
Erdrutsche auch Gefahr für Straßen
Die Gefahr von Hangrutschen besteht auch auf den Straßen. Das Neckartal mit seinen Seitentälern gehören zu den in Deutschland besonders gefährdeten Gebieten, sagt ein Sprecher des Rhein-Neckar-Kreis. Auf der Straße seien die Herausforderung vielleicht sogar noch größer, wegen des großen Verkehrsnetzes und des großen Verkehrsaufkommens, sagt der Leiter der Straßenmeisterei des Kreises Matthias Knörzer.
Ein Patentrezept, um einen Hangrutsch zu vermeiden, gibt es nicht.
Jede gefährdete Stelle müsse individuell betrachtet werden. Deshalb fahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rhein-Neckar-Kreises täglich bis zu 100 Kilometer. Auf verschiedenen Routen kontrollieren sie Straßen, Gehwege und vor allem die Böschungsbereiche.
Wenn sich konkrete Anzeichen für eine Gefahr ergeben, zum Beispiel Steinschlag oder Erdbewegungen, zieht der Kreis nach eigenen Angaben Experten hinzu. Sie kommen vom Landesamt für Geologie in Freiburg oder Ingenieurbüros in der Region.
Sicherheit: Bäume, Netze, Überlaufbecken
Auch Bäume in der Region werden regelmäßig untersucht. Dann wird laut Kreis entschieden, ob sie komplett gefällt oder nur gestutzt werden müssen. Dabei komme es immer auf die Baumart an. Denn manche Bäume helfen mit ihren Wurzeln, die Hänge zu sichern.
Zwischen Mückenloch und Dilsberg wurden vor wenigen Wochen Stahlnetze verbaut, ähnlich wie man es in den Bergen macht. Ähnliches gab es auch schon im Schriesheimer Tal. Außerdem wurden Gullis und Abflussrohre vergrößert. Sie können oft nicht so viel Regen aufnehmen können, wie es heute nötig wäre. Zudem werden größere Regenablaufrinnen oder Rückhaltebecken gebaut und Abläufe und Kanalisation regelmäßig gereinigt.
Niederschläge bringen Gefahren mit sich
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, sagt Matthias Knörzer. Kurze und zum Teil heftige Niederschläge könnten jederzeit Schotter aus dem Wald auf eine Straße spülen. Auch Bäume können umstürzen, wenn der Boden bereits aufgeweicht ist. Der zunehmenden Gefahr sei man sich bewusst, heißt es vom Rhein-Neckar-Kreis. Aber auch hier sei das Personal begrenzt. Großprojekte zur Verkehrssicherung würden in der Regel vom Regierungspräsidium beurteilt, geplant und finanziert.