Der Tag beginnt im Foyer des Familienzentrums in Fellbach. Die Männer stehen im Kreis mit ihren Kindern. Bevor die ersten Zwiebeln geschnitten werden, gibt es eine Frage, die viele hier so nicht gewohnt sind: "Wie fühlst du dich?" Michael Sudahl, einer der Organisatoren, macht den Anfang.
Wie fühlst du dich? Männercoach stellt eine für viele Männer ungewohnte Frage
"Also ich heiß Michael" sagt er. Und er sei total stolz, dass hier so viele Papas sind mit ihren vielen Töchtern, aber auch ein paar Jungs seien. Und ein bisschen Angst habe er auch, "weil wir das erst zum zweiten mal machen und ich noch keine Routine habe." Auch die Väter trauen sich, ehrlich zu sein.
Hansjörg ist mit seinen beiden Söhnen dabei. Auch er freue sich auf den Tag, gibt aber zu: "Ein bisschen Angst hab ich auch. Ich weiß ja noch nicht genau, was auf mich zukommt." Die Töchter von Marcus sind nochmal deutlich jünger. Er sagt mit einem Lächeln, dass er mit Aufregung hergekommen sei, aber jetzt überwiege die Freude, "weil die Kinder schon rumgerannt sind und Spaß hatten".
Kochen statt klassischem Männerkreis
Es ist ein anderer Einstieg als sonst, wenn Männer im Alltag aufeinandertreffen. Und genau das ist gewollt. Michael Sudahl und Rudolf Eulitz haben den Tag organisiert. Beide arbeiten als Männercoaches. Ihr Ziel mit Foodbrothers: Ein Austauschort für Männer, der auch die Mütter entlastet, erklärt Rudolf. "Wir machen jetzt nicht noch den nächsten Männerkreis, wo wir abends nicht da sind." Vielmehr würden sie das so verbinden, dass sie alle auch ihre Kinder mitnehmen können. Auch die Töchter und Söhne der beiden Coaches sind dabei.
Alle sind per du, Nachnamen spielen keine Rolle. In der Küche mischen sich Kinderstimmen mit klappernden Töpfen. "Erstmal Hände waschen", ruft Rudolf. Dann geht es los.
Schmorgurken und Johannisbeerkuchen: Kochen als Vater‑Kind‑Projekt
Heute gibt es Schmorgurken - ein Gericht, das viele hier zum ersten Mal kochen. Leonidas und sein Sohn stehen an der großen Arbeitsplatte, hacken Zwiebeln klein. Sie sind heute hier, weil Leonidas sich immer wieder Gedanken darüber macht, was er gemeinsam mit seinem Sohn unternehmen könnte.
Für Ben ist der Kochkurs vor allem ein Rahmen, um andere Väter zu treffen: "Ich fand die Idee cool. Zusammenkommen, eine gute Zeit haben und ein bisschen zu kochen." Marcus kennt Männergruppen bisher vor allem aus einem anderen Kontext: "Normalerweise gehe ich mit andern Männern ins Stadion" sagt er. Aber auch dort würde er mittlerweile gar nicht mehr so viel über Fußball reden, sondern eher besprechen, wie es mit der Familie läuft und was seine Freunde gerade bewege. Heute sind Marcus und Ben mit ihren Töchtern am Johannisbeeren zupfen - für den Nachtisch.
Kochkurs unter Männern: Warum sind keine Frauen mit dabei?
Während drinnen Schmorgurken und Johannisbeerkuchen entstehen, wird draußen der Tisch gedeckt. Zur Tischdeck-Gruppe gehört auch Coach Michael. Warum kochen hier keine Frauen mit?
"Gockelverhalten, das wir, glaube ich, alle kennen von Männern, das findet dann nicht statt", erklärt er. "Es gibt Situationen, wo wir Männer üben und lernen können, dass wir auch füreinander da sind. Da ist das Kochen ein super Beispiel. Das sind, glaube ich, acht Männer in der Küche. Und jeder hilft jedem."
Zwischen Zwiebeln und Kartoffelschälen wird gescherzt: "Ein Mann weint nur, wenn er Zwiebeln schält oder die Mannschaft beim Fußball verliert". Aber auch über ernstere Themen gesprochen. Über Stress, über Erwartungen, über das eigene Männerbild.
Was für ein Vater will ich sein?
Immer mit dabei: die Kinder. Mal konzentriert am Schneidebrett, mal spielend im Hof oder im Bastelraum. Zwischendurch spielen Väter und Kinder gemeinsam verstecken. "Hab euch!", ruft Rudolf, als er Marcus und seine Tochter unter einem Tisch entdeckt. Der stellt sich wie viele andere hier auch immer wieder die Frage: Was für ein Vater will ich sein? Seine Antwort: "So ein Vater, dass meine Kinder irgendwann sagen: 'Hey, das war ’ne schöne Zeit mit dir.'"
Es gehe nicht um ein bestimmtes Männerbild ergänzt er, sondern darum, einen eigenen Weg zu finden - zwischen Job, Familie und dem, was man den Kindern vorleben möchte. Hansjörg sagt: "Ich möchte kein Vorbild sein, das nur einen Haufen Geld verdient. Wichtiger ist, dass man für die Kinder da ist", sagt er.
Keine weitere Seilschaft - eher eine Gegenbewegung
"Zusammenhalten als Männer - aber offen sein für andere", so beschreiben Michael und Rudolf ihre Idee. Eine weitere Männerseilschaft, die sich nach außen abschotte, solle hier nicht entstehen. Sie würden nicht dafür sorgen, dass jemand beruflich vorankomme oder sich gegen Frauen stelle. "Wir wollen die Gegenbewegung sein", sagt Michael. "Also die Männer, die wieder Zugang zu ihren Gefühlen bekommen."
Gefühle wie Angst und Unsicherheit am Anfang des Tages - und Freude, wenn alles geklappt hat und die Schmorgurken endlich fertig sind. Wie bei den Kindern, die freudig und laut "Mama!“ rufen, als die ersten Mütter im Familienzentrum in Fellbach auftauchen.
Sie sind zum Essen eingeladen. Und haben den Vormittag auch genossen. Bettina, die Frau von Marcus erzählt: "Ich hatte einfach mal ein paar Stunden für mich." Und Sara findet: "Schön dass heute nicht die Mamas gekocht haben. Ich glaube, die Väter wären auch froh, wenn es mehr so Aktionen gäbe." Für alle war heute etwas dabei - Mütter, Väter, Kinder. Und zum Abschluss gibt es noch eine gemeinsame Mahlzeit. Schmorgurken, Kartoffeln und Beerenkuchen. "Sehr lecker", findet Kaia, die Tochter von Michael.