Etwa 70 bis 80 Prozent der über 60-Jährigen sind in Deutschland schwerhörig. Gerade in Deutschland ist mit der immer älter werdenden Gesellschaft ein potenziell wachsender Markt vorhanden. Rund um die Technik von Hörhilfen und bei den Behandlungen gibt es deswegen viele neue Ansätze.
"Technische Revolution": Deutlich bessere Hörgeräte
Laut HNO-Spezialistin und Klinikdirektorin in den ViDia Christlichen Kliniken Serena Preyer entwickelt sich rund um die Innenohrforschung momentan viel. "Die Industrie hat für sich entdeckt, dass es eine riesengroße Zahl von Schwerhörigen gibt", sagt sie. "Und dass man, wenn man Medikamente finden würde, auch finanziell profitieren könnte."
Im Bereich der Hörgeräte hat laut Preyer eine technische Revolution stattgefunden. Implantierbare Hörgeräte oder Cochlea-Implantate (CI) - also elektronische Hörprothesen - hätten einen Riesensprung nach vorne gemacht und seien inzwischen wirksamer und besser geworden. Zum Beispiel, indem sie Störgeräusche rausfiltern oder bestimmte Frequenzbänder - also verschiedene Tonhöhen - bevorzugt verstärken. Dennoch gibt es Bereiche, in denen Schwerhörige auch mit Implantaten Probleme haben.
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Wird Schwerhörigkeit schon bald heilbar?
Vor zwei Jahren ist es US-amerikanischen und chinesischen Forschern in einer Studie gelungen, schwerhörige Kinder mit einem Gendefekt erfolgreich zu behandeln. Eine Genmutation hat bei den Kindern dazu geführt, dass sie schwerhörig wurden. Das gesunde Gen ist bei den Studien in das Innenohr eingeschleust worden, wodurch sie hören konnten. Auch in Tübingen ist 2025 einem Patienten mit dieser Therapie geholfen worden.
"Jetzt ist man natürlich dran und schaut, andere genetische Erkrankungen auch so zu behandeln", erklärt Serena Preyer. Die Forschung versuche darüber hinaus, Medikamente zu entwickeln, mit deren Hilfe sich die Sinneszellen im Innenohr selbst reparieren. "Es ist jetzt nicht morgen fertig", sagt die Ärztin. "Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass wir innerhalb der nächsten zehn Jahre das eine oder andere Medikament in die Hände bekommen."