Gedenktag zur Zerstörung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg

Hitler, NS-Zeit und Zerstörung - Stadtführung in Pforzheim begibt sich auf historische Spurensuche

In nur 20 Minuten verloren 1945 in Pforzheim fast 18.000 Menschen ihr Leben: Am 23. Februar jährt sich die Bombardierung der Stadt. Ein Rundgang zeigt Spuren - aber auch, wie zerstörerisch der Nationalsozialismus war.

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Etwa 30 Menschen sind an diesem regnerischen Samstag gekommen, um an dem Rundgang durch Pforzheim teilzunehmen. Kunsthistorikerin Christina Klittich und Historiker Kai Adam wollen zum Gedenktag den Teilnehmenden die Geschichte Pforzheims näherbringen und auf den Spuren der NS-Diktatur bis zur Zerstörung der Stadt wandeln. Die Hauptorte der Führung waren der Platz der ehemaligen Synagoge, der Stolperstein von Lore Posner/Lore Perls und die Enzarkaden.

Stadtrundgang Pforzheim: vor der Stele am Platz der Synagoge
Der Stadtrundgang in Pforzheim beginnt an der Stelle, wo früher die Synagoge stand.

Nur noch ein Gedenkstein erinnert an die alte Pforzheimer Synagoge

Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein in der Zerrenerstraße an die alte Jüdische Synagoge, die am 10. November 1938 von Nazis geplündert, geschändet und in Brand gesteckt wurde. Bis dahin war die Pforzheimer Synagoge, erbaut im Jahr 1892 von dem Karlsruher Architekten Ludwig Levy, eine architektonische Besonderheit. Sie zeichnete sich unter anderem durch einen auffälligen Kuppelbau aus. Die Reste des Gotteshauses mussten nach seiner Zerstörung auf Kosten von jüdischen Bürgern in Pforzheim entsorgt werden.

Während der NS-Zeit verschwanden viele Spuren jüdischen Lebens in Pforzheim. Erinnerungen, die an jüdisches Leben in Pforzheim gedenken und die bei dem Stadtrundgang gezeigt werden, sind unter anderem die Stolpersteine. So findet sich ein Stolperstein mit dem Namen der Pforzheimer Jüdin Lore Posner vor dem heutigen Hebelgymnasium (früher auch Reuchlin-Gymnasium) in der Goethestraße. Lore Posner ist eine der Jüdinnen aus Pforzheim, die sich rechtzeitig absetzen konnte und nach Amerika ging. Sie war nicht nur eine der ersten Frauen, die am ehemaligen Reuchlin-Gymnasium Abitur machte, sie wurde nach ihrer Flucht auch als Mitbegründerin der sogenannten Gestalttherapie bekannt.

Die Enzarkaden in Pforzheim, ein Punkt der historischen Stadtführung. Von hier aus sprangen Menschen in der Bombennacht 1945 in die Enz, um sich vor den Flammen zu retten.
Die Enzarkaden in Pforzheim, ein Punkt der historischen Stadtführung. Von hier aus sprangen Menschen in der Bombennacht 1945 in die Enz, um sich vor den Flammen zu retten.

Dramatische Szenen an den Pforzheimer Enzufern im Februar 1945

Ein denkwürdiger Ort der historischen Stadtführung waren die Pforzheimer Enzarkaden. Hier am Fluss spielten sich im Februar 1945 dramatische und apokalyptische Szenen ab, als Bürger der Stadt versuchten, dem Feuersturm nach dem Bombenhagel im Fluss zu entkommen. Die Lesung eines Augenzeugenberichts erinnern an diese Ereignisse.

Die Nazis in Pforzheim: Der Gedenktag an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg jährt sich zum 81. Mal.
Die Druckerei des Pforzheimer Anzeigers um 1933 in der damaligen Enzstraße in Pforzheim. Stadtarchiv Pforzheim: S1-16-003-R-019-14-3-1933 Pforzheimer Anzeiger Enzstraße/Kropf Bild in Detailansicht öffnen
Die Nazis in Pforzheim: Der Gedenktag an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg jährt sich zum 81. Mal.
Ein Appell der Sturmabteilung (SA) etwa um 1940 auf dem Turnplatz in Pforzheim Stadtarchiv Pforzheim: S1-16-003-R-015, SA Appell Turnplatz/Kropf Bild in Detailansicht öffnen
Die Nazis in Pforzheim: Der Gedenktag an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg jährt sich zum 81. Mal.
Die zerstörten Fenster der Synagoge in Pforzheim im Jahr 1938. Stadtarchiv Pforzheim: S1-04-044-S-003-Synagoge-1938/Kropf Bild in Detailansicht öffnen

Pforzheim: Nationalsozialismus war stark ausgeprägt

Der Nationalsozialismus war laut Historiker Kai Adam "sehr stark" in Pforzheim ausgeprägt. Auch schon vor Ende der Weimarer Republik habe die NSDAP hier überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielt. Ein Grund: Pforzheim war laut Adam eine "explosiv gewachsene" Stadt, die durch ihre Schmuckindustrie zwar prosperierte, aber auch krisenanfällig war.

Nach der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 wurden auch in Pforzheim Politik und Gesellschaft "gleichgeschaltet" und demokratische Strukturen durch die Ideologien der NSDAP ersetzt, schreibt die Stadt Pforzheim auf ihrer Seite. Jüdische Pforzheimerinnen und Pforzheimer, Menschen mit Behinderung und politisch Andersdenkende wurden von den Nationalsozialisten verfolgt, diskriminiert und ermordet.

Die Nazis in Pforzheim: Der Gedenktag an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg jährt sich zum 81. Mal.
Adolf Hitler hat Pforzheim im Jahr 1933 besucht. Stadtarchiv Pforzheim S1-16-003-R-028 1933 Hitler in Pforzheim/Kropf

23. Februar in Pforzheim: Fast 18.000 Menschen sterben

Während des Zweiten Weltkriegs lieferten Pforzheimer Betriebe der feinmechanischen Industrie unter anderem Zünder für die Rüstungsindustrie. Das machte sie zu einem wichtigen Angriffsziel für die Alliierten. Am 23. Februar 1945 kam es zum verheerenden Luftangriff durch die britische Royal Air Force. Fast 18.000 Menschen starben, die genaue Zahl ist unbekannt. Nur etwa 20 Minuten dauerte die Bombardierung. Wie auf der Stadtführung geschildert, entwickelte sich nach dem Abwurf der Bomben ein stundenlang tobender Feuersturm, der Pforzheim in Schutt und Asche legt. Zwei Drittel der Stadt wurden zerstört, darunter die komplette Innenstadt.

Zum 80. Jahrestag der Zerstörung Pforzheims im vergangenen Jahr erinnerten sich Zeitzeugen in einem Gespräch mit dem SWR zurück an den Tag der Bombardierung.

Pforzheim nach der Bomabardierung am 23. Februar 1945
Pforzheim nach der Bombardierung am 23. Februar 1945 Picture Alliance

Gedenktag fest in Pforzheimer Geschichte verankert

Die Erinnerung an die Vergangenheit wachhalten und damit auch zur Demokratiebildung beitragen - ein Ziel der Stadtführung, die Teil des städtischen Programms rund um den 23. Februar ist. Am Montag steht dann das Gedenken an die Opfer der Bombardierung und des NS-Regimes im Mittelpunkt - unter anderem mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Hauptfriedhof und dem abendlichen "Lichtermeer" auf dem Marktplatz.

Karlsruhe

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Das Wissen SWR Kultur

Pforzheim

80. Jahrestag "Angst, nur Angst" - Zeitzeugen erinnern sich an die Zerstörung der Stadt Pforzheim

Zum 80. Mal jährt sich die Zerstörung Pforzheims. Am 23. Februar 1945 starben bei der Bombardierung fast 18.000 Menschen. Die Zeitzeugen Heinz Geier und Ellen Eberle berichten:

SWR4 am Freitag SWR4

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SWR

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