Im Haus von Rolf Lang in Gaggenau-Hörden (Kreis Rastatt) wird eines sofort klar: Hier lebt jemand, der für die Fastnacht brennt. Im Flur bemalte Holzmasken an der Wand, im Wohnzimmer Sitzungsfotos aus jungen Jahren mit dem Vater - und überall Abzeichen seiner Narrenzunft, den Fürig Barthel.
Die Sage des Fürig Barthel hier lesen.
Fürig Barthel: Doktor der Masken und Ehrenbarthel Nummer 1
Die Figuren der rot-gelben Feuerteufel kennen hier fast alle, denn die Fürig Barthel sind einer der ältesten Maskengruppen im Murgtal. In diesem Jahr feiern sie ihr 50. Jubiläum. Und Rolf Lang, der fast seit Beginn dabei ist, hat jetzt einiges zu tun. Der 71-Jährige ist quasi der Doktor der Masken und muss jetzt zur Zeit der großen Umzüge reparieren, feilen, malen.
Inzwischen trägt Rolf Lang auch den Titel des Ehrenbarthel Nummer 1. Sein Vater steckte schon im Häs des Feuerteufels, seine Tocher und Enkelin führen die Tradition fort.
Die Narrengruppe der Fürig Barthel wurde 1976 gegründet
Die Gruppe der Fürig Barthel wurde 1976 ins Leben gerufen, die Figur selbst gibt es laut Rolf Lang schon seit den 1960er Jahren. Inzwischen laufen mehr als 120 Närrinnen und Narren als Gruppe bei den Umzügen in Häs und mit Masken mit - Jung und Alt, mehrere Generationen sind mit Herzblut dabei.
Es gibt auch eine extra Tanzgruppe beim Umzug, das sind die Jungen. Die machen super Show-Tanz mit akrobatischen Hebefiguren und Pyramiden - und das alles mit Masken. Das ist sehr besonders und anspruchsvoll, die machen auch bei Meisterschaften mit.
Rolf Lang macht die Masken für die Fürig Barthel
Weil gerade bei solchen Tanz-Einlagen und beim Umzug die Masken auch mal runterfallen, ist Rolf Lang da und repariert sie. Als Doktor der Masken bessert er aus, leimt Hörner, Nasen und Kinne wieder an und malt die Gesichter nach. "Die meisten geben mir dafür dann eine Flasche Wein oder eine Flasche Sekt", erzählt er und lacht.
Letztes Jahr hab ich drei, vier Maskenbrüche gehabt am Kiefer. Dann reparier ich mit Kleber, Schleifer und Spachtel. Dann hebt's ewig.
Ganz zu Anfang seien die Masken noch aus Plastik gewesen. "Dann hab ich gesagt: Wenn ich da mitmach, dann müssen Holzmasken her. Dann hab ich mir Holzrohlinge aus Oberammergau besorgt, ausprobiert und mir alles selbst angeeignet," erzählt Rolf Lang. Seitdem ist er bei den Fürig Barthel derjenige, der die Masken macht und eben auch verarztet. Für eine neue Maske aus einem Rohling braucht er etwa zehn Stunden.
Der Feuerteufel im Murgtal: Die Sage des Fürig Barthel
Das Kostüm des Fürig Barthel besteht aus einem Häs mit rot-gelben Flicken, vielen Schellen und eben der Teufelsmaske aus Holz mit roten Haaren und Hörnern. Der Sage nach irrt der Barthel als Feuerteufel im Murgtal umher. Rolf Lang ist sich sicher: An dieser Geschichte ist was Wahres dran.
Stefan Rieger, Vorstand der Führig Barthel aus Hörden, erzählt die Sage in etwa so: Der Barthel (Bartholomäus) aus dem Flößerdorf Hörden war Obersäger in einer Säge im Murgtal – und ziemlich geldgierig. Zur Weihnachtszeit war es Tradition, dass die Metzger aus Freudenstadt ihr Vieh in Rastatt verkauften.
Auf dem Heimweg durch das Murgtal hatten sie entsprechend viele Gold- und Silberstücke bei sich, versteckt in sogenannten Geldkatzen um den Bauch geschnallt. Der Sage nach lauerte der Barthel einem Metzger auf, erschlug ihn, raubte das Geld und warf den Leichnam in die Murg. Sein Verbrechen ließ dem Barthel auch nach dem Tod keine Ruhe – seiher irrt er als Feuerteufel durch das Murgtal.
50 Jahre Fürig Barthel - und keine Sorgen wegen Nachwuchs
Nachwuchssorgen bei den Fürig Barthel gibt es nicht, weiß Stefan Rieger, Vorstand der Narrengruppe. "Wir haben sämtliche Generationen im Verein. Die Kinder haben quasi gar keine Chance, da rauszukommen, man wird reingeboren", erzählt er mit einem Lachen.