Zum 87. Geburtstag wünschte sich Birgit Widmann aus Waldbronn (Landkreis Karlsruhe) etwas, was sich wahrscheinlich eher wenige 87-Jährige wünschen: einen Fallschirmsprung. Tochter Birgitta hatte das nämlich vor nicht allzu langer Zeit selbst gemacht und mit einem Gleitschirm war Birgit bereits geflogen. "Dann war für mich klar: Das Nächste kann eigentlich nur Fallschirmspringen sein, wenn ich noch irgendwas machen will."
Birgits Ehemann Frank unterstützt die Abenteuerlust seiner Frau ohne Widerworte. Schließlich kennt er sie gut. Die beiden sind seit fast 60 Jahren verheiratet. "Sie ist einerseits risikobereit und andererseits ist es so: Wenn sie fühlt, das könnte ihr Spaß machen, dann macht sie das."
Erster Fallschirmsprung zusammen mit Enkelin Cati
Als Birgit und Frank Widmann beim Fallschirmsportspringerclub in Calw auftauchten, wartete nicht nur die Familie, sondern auch einige etwas überrascht guckende Sportspringer.
Ganz viele sagen: Du bist verrückt! Die Kinder sind, glaube ich, stolz, dass die alte Mutter das noch macht. Und die Enkel finden das natürlich auch toll.
Enkelin Cati ist aber nicht nur zur moralischen Unterstützung gekommen, Birgit hatte sie gefragt, ob sie nicht mit ihr springen wollte. Dass Cati eigentlich Flugangst hat, erzählte sie ihrer Oma erst am Flugplatz. Trotzdem, die Chance mit Oma Tandem zu springen war einfach zu gut, um sie ungenutzt zu lassen.
Vor dem Sprung übten beide erst einmal mit Tandempilot Rüdiger am Boden. Knie anwinkeln, Rücken beugen - so einfach ist das nicht mit 87 Jahren, aber Birgit meisterte alle Übungen ohne Probleme. Und selbst als der blau-gelbe Anzug saß und Rüdiger die Gurte festzurrte, blieb sie ganz entspannt. Da könne ja nichts schiefgehen, meinte Birgit. Und das Fliegen müsse ja schön sein.
Ist doch total lustig, dass jemand in dem Alter tatsächlich noch den Mumm hat zu sagen: Ich spring aus 4.000 Metern aus dem Flugzeug und finde es auch noch gut.
Birgit Widmanns Fallschirmsprung: Aus 4.000 Meter Höhe aus dem Flugzeug
Gemeinsam mit einigen Sportspringern zwängten sich Birgit und Cati in die kleine Maschine. Etwa zwölf Minuten dauerte der Aufstieg auf 4.000 Meter – 1.000 Meter höher, als Birgit ursprünglich vermutet hatte. Ein Fallschirmpilot nach dem anderen sprang unterwegs aus dem Flugzeug. "Wenn die dann so schräg stehen und rausfallen, das sieht schon kriminell aus", sagte Birgit später. Dann war sie an der Reihe. Stück für Stück rutschten Birgit und Rüdiger zur Flugzeugkante. Dann ging es abwärts. 50 Sekunden freier Fall bei mehr als 200 Stundenkilometern.
Du fällst einfach raus und dann geht es rasend schnell abwärts. Also, das ist schon gewaltig.
Nächster Fallschirmsprung mit 100 Jahren?
Als Letzte ging es für Cati und ihren Tandempiloten in die Lüfte. Mehrere Minuten flogen Enkelin und Oma durch die Luft, bevor sie sicher am Boden landeten. Auf der Landewiese wartete die Familie schon mit Umarmungen auf die Fallschirm-Neulinge. Die Begeisterung bei beiden war groß. Birgits Fazit zum Fallschirmsprung? "Das sollte jeder mal machen. Ich würde es nochmal machen. Zumal ich ja ein Jahr Mitglied bin und Ermäßigung habe." Allerspätestens zum 100. Geburtstag will Birgit aber nochmal springen, sagte sie. So lange wolle sie durchhalten.