Rund 60 Unternehmer aus ganz Baden-Württemberg haben sich in Mönsheim im Enzkreis über das Thema Drohnenabwehr informiert. Denn auch in Baden-Württemberg haben dieses Jahr Drohnenangriffe auf kritische Infrastruktur und private Unternehmen zugenommen.
Mangelndes Bewusstsein über die Gefahr
Mit moderner Technik können Drohnenangriffe abgewehrt werden. Bestehend aus verschiedenen Sensoren, KI-Systemen und Abwehrmechanismen wie grellem Licht, entsteht ein Drohnenabwehrsystem, das Flugobjekte frühzeitig erkennen, einordnen und abwehren soll. So ein beispielhaftes Modell zur Abwehr wurde auf einem Golfplatz in Mönsheim im Enzkreis vorgestellt. Ein Unternehmen, das Firmen zu Sicherheitssystemen berät, hat die Veranstaltung organisiert. Laut dem Unternehmen seien besonders mittelständische Unternehmen und kritische Infrastruktur betroffen.
Auf dem Golfplatz fliegen insgesamt drei Drohnen über den Platz. Das Abwehrsystem erkennt das Flugobjekt und überträgt das Bild auf einen Monitor. Dann kommt künstliche Intelligenz, kurz KI, ins Spiel. Diese kann einschätzen, ob es sich bei der Drohne um eine gefährliche Drohne, etwa eine mit Sprengstoff beladene, handelt, oder ob sie harmlos ist. Sollte sie gefährlich sein, schlägt das System Alarm.
Auch Vertreter der Polizei und der Bundeswehr waren eingeladen. Der Hintergrund der Veranstaltung im Enzkreis ist ernst: Deutschlandweit hat es in diesem Jahr mehrere 100 Vorfälle mit Drohnen gegeben, bestätigt Oberstleutnant Peter Schittenhelm vom Landeskommando. Gemeinsam mit dem IT-Beratungsunternehmen MHP sollen Unternehmer sensibilisiert werden für die Gefahren von Drohnenangriffen.
Die Unternehmen sind sich der Gefahr nicht bewusst.
Viele Unternehmen unterschätzen die Bedrohung, bestätigt auch Kurt Mezger vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft. So wüssten Unternehmen teilweise überhaupt nicht, dass Produkte ihrer Firma oder Zulieferer ins Visier von Drohnenangriffen geraten könnten. Die Unternehmen müssten sich aktiv informieren, ob sie gefährdet seien und dementsprechend handeln, so Mezger.
Sicherheit durch zuverlässige Technik
In Mönsheim wurden IT-Systeme und Hardware vorgestellt, die in der Lage sein sollen, Drohnenangriffe frühzeitig zu erkennen und erfolgreich abzuwehren. Entscheidend dabei sei eine Kombination verschiedener Sensoren, wie Kameras, Radiowellen, Radare oder Akustiksensoren, um Drohnen zweifelsfrei zu identifizieren, erklärt Henning Schulze von MHP.
Das heißt, wir können relativ schnell einschätzen: Ist es eine Drohne, die ich im Einzelhandel kaufen kann, mit der jemand ein paar Luftaufnahmen von der Gegend machen will? Oder ist es eine Drohne, die nicht so aussieht, wie sie aussehen sollte?
Die Kosten für einfache Systeme beginnen bei rund 25.000 Euro. Sie könnten zum Beispiel bei Sportveranstaltungen oder bei Volkfesten eingesetzt werden. Komplexere Systeme können dagegen mehrere hunderttausend Euro kosten.
Vorgestellt wurde in Mönsheim auch eine Art "Lichtkanone", die eine zivile Abwehr von Drohnen möglich macht. Sie sieht aus wie ein moderner Flakscheinwerfer und soll angreifende Drohnen oder Spionagedrohnen mit Hilfe einer starken Lichtquelle außer Gefecht setzen. Die Drohne wird dadurch nicht mehr steuerbar und muss notlanden.
Sorge aus aktuellem Anlass
Oberstleutnant Peter Schittenhelm betont gegenüber dem SWR, dass besonders die Ereignisse der vergangenen Monate alarmieren sollten. Er verweist auf den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle oder auf den Angriff auf die Umspannwerke in Reutlingen und Berlin. Kritische Infrastruktur könne alles Mögliche sein: Von Krankenhäusern über Müllverbrennungsanlagen bis hin zu Flughäfen - dazu zählt zum Beispiel auch der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.