Zug gestoppt und geholfen

Preis für Zivilcourage: Stadtbahnfahrer rettet bei Odenheim Menschen aus Auto

Ein Stadtbahnfahrer aus Kraichtal stoppt seine Bahn auf freier Strecke, um Menschen aus einem brennenden Auto zu retten. Für seine Zivilcourage hat er nun einen Preis bekommen.

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Von Autor/in Heiner Kunold

Ein Stadtbahnfahrer aus Kraichtal-Oberöwisheim (Kreis Karlsruhe) ist der Preisträger eines neuen Ehrenpreises für besonders engagierte Mitarbeiter im Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) in Baden-Württemberg. Auch mehr als ein Jahr danach beschäftigt den 30-Jährigen der schwere Unfall zwischen Ubstadt-Weiher und Odenheim.

Mutiger Stadtbahnfahrer aus Kraichtal: Erinnerungen an Unfall sind noch präsent

Am Abend des 26. April 2024 war Tobias Zimmermann als Stadtbahnfahrer mit der S31 der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) zwischen Odenheim und Ubstadt-Weiher unterwegs, als er den Rauch und den Unfallwagen auf der Landstraße bemerkte.

Ein zerstörtes Auto liegt nach einem tödlichen Autounfall auf der L552 im Kreis Karlsruhe.
Im April 2024 ereignete sich der schwere Unfall mit einem Toten und drei Schwerverletzten im Kreis Karlsruhe Fabian Geier / EinsatzReport24

Er zögerte keine Sekunde, stoppte seine Bahn auf freier Strecke, informierte die Leitstelle und rannte über die Wiese zu dem Unfallort. Das Auto lag auf dem Dach. Der hintere Teil hatte schon angefangen zu brennen und im Fahrzeug befanden sich noch drei Menschen, teilweise eingeklemmt.

Ich bin dann zurück zu meiner Bahn gerannt, habe einen Feuerlöscher geschnappt und bin zurück zum brennenden Auto und hab einfach angefangen zu löschen.

Auch heute stimmt den Stadtbahnfahrer der Unfallort noch nachdenklich. Die große Emotionalität verspüre er zwar nicht mehr, aber die Erinnerungen an diesen Abend seien nach wie vor da.

AVG-Stadtbahnfahrer Tobias Zimmermann an der Gedenkstätte für den tödlich verunglückten Autofahrer an der Unfallstelle.
Tobias Zimmermann an der Gedenkstätte für den tödlich verunglückten Autofahrer an der Unfallstelle.

Tobias Zimmermann: "Man denkt gar nicht so viel, sondern man funktioniert einfach"

Unterstützt wurde Zimmermann von weiteren hinzugekommenen Ersthelfern, die parallel anfingen, die Unfallopfer aus dem Auto zu ziehen. Als die Wunden der Verletzten zunächst versorgt waren, setzte sich Zimmermann neben die eingeklemmte Person.

Ich war einfach für sie da und habe mit ihr geredet. Ob sie es überhaupt gehört hat, weiß ich gar nicht.

Viel gedacht habe er in der ganzen Situation nicht, so der 30-Jährige rückblickend. Er habe einfach das gemacht, was er für richtig hielt, ohne groß nachzudenken.

Tobias Zimmermann beim Fahren einer Stadtbahn.
Tobias Zimmermann ist häufig auf der AVG-Stadtbahnlinie S31 als Fahrer unterwegs - so auch im April 2024.

Dass der Fahrer, der aus dem Auto geschleudert worden war, bei dem Unfall ums Leben kam, wusste Zimmermann zu diesem Zeitpunkt nicht. Das habe er erst später erfahren. Über den Kriseninterventionsdienst habe er auch direkt nach dem Unfall Unterstützung von seinem Arbeitgeber bekommen, um das Erlebte zu verarbeiten.

Landesregierung zeichnete Zimmermann für Zivilcourage mit Preis aus

Anfang Mai ist Tobias Zimmermann mit dem Award "BWeger und BWegerin" des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Damit sollen laut dem Verkehrsministerium Menschen geehrt werden, die sich für den ÖPNV besonders verdient gemacht haben. Zimmermann erhielt den Publikumspreis.

Preisverleihung Stuttgart: AVG-Stadtbahnfahrer Tobias Zimmermann (3. v. l.) zusammen mit den anderen Preisträgern.
Auszeichnung für den AVG-Triebfahrzeugführer Tobias Zimmermann (3. v. l.) für Zivilcourage Pressestelle Verkehrsministerium BW/ Markus Schwerer

Der Arbeitgeber des Stadtbahnfahrers aus Kraichtal, AVG, würdigte insbesondere die Vorbildfunktion des 30-Jährigen.

Unser gesamtes Verkehrsunternehmen ist sehr stolz auf Tobias Zimmermann. Er ist ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage. Durch sein entschlossenes und mutiges Handeln hat er Menschenleben gerettet.

AVG-Stadtbahnfahrer will Menschen zum Helfen inspirieren

Als Held wolle sich Zimmermann nicht bezeichnen, denn er habe es als seine Pflicht gesehen zu helfen. Die Anerkennung fühle sich trotzdem gut an, sagte Zimmermann nach der Preisverleihung.

Das war für mich selbstverständlich und meine Pflicht als Mensch.

Er hofft, dass er vielleicht auch andere Menschen damit animieren kann, nicht wegzuschauen, sondern auch anzupacken, wenn es notwendig ist. Ihm gehe es einfach darum, wieder ein bisschen mehr Menschlichkeit zu zeigen.

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