Gegen 6 Uhr hat es am Dienstagmorgen in Boxberg (Main-Tauber-Kreis) einen Großeinsatz der Polizei gegeben. Dabei wurden vier mutmaßliche sogenannte Reichsbürger festgenommen. Der Zugriff erfolgte zeitgleich in den beiden Boxberger Stadtteilen Bobstadt und Schweigern. In Bobstadt fand der Zugriff auf dem selben Gelände und fast zur gleichen Uhrzeit statt, auf dem bereits 2022 ein Polizeieinsatz eskaliert war. Damals hatte ein Mann auf das Spezialeinsatzkommando (SEK) geschossen und zwei Menschen verletzt.
Der Mann wurde 2023 wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die nun Festgenommenen sollen mit dem Schützen befreundet gewesen sein und mit ihm auf dem Gelände gewohnt haben.
"Reichsbürger"-Szene: Festnahmen in Boxberg und viele Waffen
Nach Angaben der Polizei liefen in Boxberg gegen Mittag noch Durchsuchungen. Am Morgen seien Haftbefehle vollstreckt worden, sagte eine Sprecherin. Einer der "Reichsbürger" habe bei dem Zugriff in Schweigern versucht zu fliehen. Er konnte laut Polizei aber nach nur wenigen Metern widerstandslos festgenommen werden. Auch die anderen seien ohne Widerstand verhaftet worden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei Frauen und zwei Männern im Alter von 24 bis 51 Jahren unter anderem Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Bei Durchsuchungen am Dienstag wurden diverse Waffen gefunden, auch eine augenscheinlich schussbereite Maschinenpistole. Waffenrechtliche Prüfungen stehen aber noch aus, so die Polizei.
Bei den Festgenommenen handelt es sich um vier der fünf Angeklagten, die sich Ende Juli vor dem Landgericht Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) verantworten müssen. Den fünften Angeklagten hatte die Polizei schon am 18. Juni bei einer Verkehrskontrolle festgenommen, sagte ein Gerichtssprecher. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
"Reichsbürger" aus Boxberg nicht zu Prozess erschienen
Eigentlich hätte der Prozess vor dem Landgericht schon im Mai starten sollen. Die Angeklagten erschienen allerdings nicht. Selbst die Verteidiger gaben an, keinen Kontakt zu ihren Mandanten zu haben. Bei einer Verurteilung droht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft. Anfang August könnte ein Urteil verkündet werden. Die vier Festgenommenen wurden noch am Dienstag in Untersuchungshaft gebracht, sodass sie Ende Juli sicher vor Gericht erscheinen. Die Polizei hat laut eigener Aussage bereits vor dem Einsatz am Dienstag versucht, die Angeklagten dazu zu bewegen, sich zu stellen.
Auch Innenminister Thomas Strobl (CDU) äußerte sich am Dienstagvormittag in Stuttgart zu dem Einsatz. Es seien über 100 Kräfte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA), des Polizeipräsidiums Heilbronn und des Spezialeinsatzkommandos (SEK) beteiligt gewesen. Das Anwesen wird laut Strobl weiterhin von Menschen bewohnt, die der Reichsbürgerszene zugeordnet sind.
Die Maßnahmen verliefen ohne besondere Vorkommnisse.
Schüsse bei Polizeieinsatz in Boxberg im Jahr 2022
Im April 2022 hatten SEK-Kräfte das Haus eines "Reichsbürgers" wegen einer Waffe durchsuchen wollen, für die er keine Erlaubnis hatte. Mit seinem vollautomatischen Gewehr feuerte er auf die Beamten, zwei von ihnen wurden verletzt. Der Mann wurde 2023 wegen versuchten Mordes verurteilt. Die nun Festgenommenen im Alter von 24 bis 51 Jahren seien laut der Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit dem Verurteilten "freundschaftlich verbunden."