Innenminister Manuel Hagel (CDU) hat das Vorgehen der Polizei bei dem tödlich endenden Einsatz in Tuttlingen verteidigt. Vergangene Woche war dort ein 27-Jähriger erschossen worden, der Mann soll mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole hantiert haben. "Die Polizei hat meine volle Rückendeckung", sagte der CDU-Politiker heute in Stuttgart.
Details zu den Ermittlungen wollte Hagel mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren. Allgemeiner sagte er: "Niemand hat etwas mit einer Waffe, egal, was es für eine ist, in einem deutschen Rathaus zu suchen. Niemand hat was mit einer Pistole auf unseren Straßen zu suchen." Wer mit einer Pistole auf eine Polizistin oder einen Polizisten ziele, müsse davon ausgehen, dass diese zum Äußersten greifen, um Schlimmeres zu verhindern, so Hagel.
Niemand hat etwas mit einer Waffe, egal, was es für eine ist, in einem deutschen Rathaus zu suchen.
Kommunen für die Sicherheit in Rathäusern verantwortlich
Weil sich der Vorfall in Tuttlingen am dortigen Rathaus ereignet hat, verwies Hagel darauf, dass die Kommunen selbst für die Sicherheit in den Rathäusern verantwortlich sind. Er werde aber den Vorfall in Tuttlingen zum Anlass nehmen, um gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden über Sicherheitskonzepte in den Rathäusern zu sprechen und auch Empfehlungen abgeben, so Hagel.
Übergriffe in Rathäusern und Landratsämtern haben zugenommen
Das begrüßt Alexis von Komorowski, Hauptgeschäftsführer des Landkreistags Baden-Württemberg: "Wir sind schon seit Längerem mit dem Land im Gespräch in Hinblick auf solche Empfehlungen, haben das auch gemeinsam schon verabschiedet." Es sei aber dennoch wichtig, gerade nach solchen Ereignissen erneut in die Gefährdungsbeurteilung einzutreten. "Gewalttaten mit tödlichem Ausgang sind extrem selten. Was wir aber schon feststellen, ist eine zunehmende Verrohung der Sitten", so Komorowski. Es sei zu beobachten, dass Bedrohungen, Beleidigungen und auch tätliche Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rathäusern und Landratsämtern zugenommen haben.
Exklusive SWR-Umfrage Ämter im Südwesten am Limit: Angriffe auf Beschäftigte nehmen zu
Lange Wartezeiten bei Behörden, dazu Ämter, die wegen Personalmangels geschlossen sind: das nervt viele. Eine SWR-Umfrage zeigt erstmals die Folgen für die Beschäftigten.
Was wir aber schon feststellen, ist eine zunehmende Verrohung der Sitten.
Tödliche Schüsse in Tuttlingen: Ermittlungen laufen
Zum Fall in Tuttlingen sind weiterhin noch viele Fragen offen. Am vergangenen Donnerstag soll ein 27-Jähriger dort mit einer Pistole nahe dem Rathaus unterwegs gewesen sein. Laut Landeskriminalamt (LKA) und Staatsanwaltschaft soll der Mann beim Eintreffen der Polizei unvermittelt auf diese geschossen haben. Beim darauffolgenden Schusswechsel wurde er verletzt und starb noch vor Ort.
LKA und Staatsanwaltschaft teilten außerdem mit, dass es sich bei der Waffe um eine sogenannte Zündplättchenpistole handelte. Warum der 27-Jährige diese bei sich hatte und warum er überhaupt am Rathaus war, ist Gegenstand der Ermittlungen.