Brauchtum in der Ostschweiz

Lebendige Tradition im Appenzellerland: Silvesterchläuse wieder unterwegs

Kunstvolle Hüte, furchteinflößende Masken, laute Schellen und feierlicher Gesang: In Urnäsch sind die Silvesterchläuse wieder von Haus zu Haus gezogen.

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Von Autor/in Jan Niklas Bauscher

Im Appenzellerland wird der Jahreswechsel doppelt gefeiert. Einmal am 31. Dezember. Und dann noch einmal am 13. Januar. Dieser Tag heißt "Alter Silvester". Dann sind die Silvesterchläuse unterwegs.

Vor allem im Dorf Urnäsch (Kanton Appenzell Ausserrhoden) - aber beispielsweise auch in Waldstatt und Schönengrund - sieht man sie überall. Schon ab dem frühen Morgen ziehen kleine Gruppen durch die Gemeinden. Sie gehen von Haus zu Haus und wünschen den Menschen ein gutes neues Jahr, im Dialekt: "es guets Neus". Laut Appenzellerland Tourismus ist dieser Brauch mehrere hundert Jahre alt.

In Urnäsch im Appenzellerland sind am Dienstag wieder die Silvesterchläuse unterwegs.
Ein Silvesterchlaus mit großer Schelle auf seinem Rundgang durch das verschneite Dorf - der "Alte Silvester" wird von Haus zu Haus gefeiert. Jan Niklas Bauscher Bild in Detailansicht öffnen
In Urnäsch im Appenzellerland sind am Dienstag wieder die Silvesterchläuse unterwegs.
Ein Schuppel mit "wüeschten" Chläusen: Mit kunstvollen Masken und Tannengrün. Jan Niklas Bauscher Bild in Detailansicht öffnen
In Urnäsch im Appenzellerland sind am Dienstag wieder die Silvesterchläuse unterwegs.
Tradition trifft Vielfalt: Auch weibliche Figuren und reich verzierte Trachten gehören zum lebendigen Brauchtum der Silvesterchläuse im Appenzellerland. Jan Niklas Bauscher Bild in Detailansicht öffnen
In Urnäsch im Appenzellerland sind am Dienstag wieder die Silvesterchläuse unterwegs.
Silvesterchläuse mit aufwendig geschnitzten Hüten begeistern Zuschauerinnen und Zuschauer. Jan Niklas Bauscher Bild in Detailansicht öffnen

"Alter Silvester" am 13. Januar: Feiern nach altem Kalender

Das "Alte Silvester" hat mit einem alten Kalender zu tun. Früher galt ein anderer Jahresbeginn. Nach diesem julianischen Kalender startete das neue Jahr erst am 13. Januar.

Später wurde ein neuer, Kalender eingeführt, der gregorianische. Seitdem ist Silvester am 31. Dezember. Doch viele Menschen im protestantischen Appenzell-Ausserrhoden hielten am alten Datum fest. Deshalb wird bis heute zweimal Silvester gefeiert.

Die Silvesterchläuse sind auch am 31. Dezember unterwegs. Der wichtigste Tag bleibt aber der 13. Januar. Das bestätige auch Silvesterchlaus Walter Frick aus Urnäsch dem SWR.

Schöne, wüeschte und schö-wüeschte Silvesterchläuse

Es gibt drei Arten von Silvesterchläusen. Die "schönen Chläuse" tragen prächtige Hüte. Darauf sind kleine Szenen aus dem bäuerlichen Leben zu sehen. Alles ist von Hand gemacht. Laut Appenzellerland Tourismus entstanden diese Figuren um 1880.

Die "wüeschten Chläuse" wirken wild und manchmal unheimlich. Ihre Masken haben Hörner oder Zähne. Die Kleidung besteht aus Heu, Stroh oder Tannenzweigen. Diese Form ist die älteste. Sie geht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Die "schö-wüeschten Chläuse" sind eine Mischung aus beiden. Sie gibt es erst seit den 1960er-Jahren.

Zäuerli, Schellen und Gesang: So läuft der Brauch ab

Die Silvesterchläuse sind in kleinen Gruppen unterwegs. Diese Gruppen heißen Schuppel. Meist sind es fünf bis neun Männer. Zwei tragen große Schellen. Die anderen kleinere.

Vor jedem Haus bleiben sie stehen. Dann erklingen die Schellen. Danach singen sie langsam und feierlich. Dieses Singen heißt Zäuerli. Es ist ein Jodel ohne Worte.

Pro Haus singen sie mehrere Melodien. Am Ende wünschen sie ein gutes neues Jahr. Jede Route ist genau geplant, so Silvesterchlaus Walter Frick gegenüber dem SWR. Die Wege blieben aber geheim.

Station machen die Schuppel auch in den Gasthäusern, in denen an diesem Tag viele Menschen sind. Dort klingt für viele der "Alte Silvester" auch aus.

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Jan Niklas Bauscher
SWR-Redakteur Jan Niklas Bauscher Autor Bild
Onlinefassung
Friederike Fiehler
SWR-Redakteurin Friederike Fiehler Autorin Bild

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