Anfang Oktober liegt der Pegel des Bodensee in Konstanz mehr als einen Meter unter dem langjährigen Durchschnitt für diese Jahreszeit. Helfen könne dem Bodensee jetzt vor allem ein stark verregneter Herbst und Winter, so eine Sprecherin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) gegenüber dem SWR. Damit sich der Bodenseepegel nachhaltig erholt, müssten die Niederschläge aber deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau liegen. Entscheidend sei auch, wie viel Schnee über den Winter in den Alpen fällt und wie viel Schmelzwasser im kommenden Jahr in den See fließt. Wann konkret wieder deutlich mehr Wasser im Bodensee sein wird, lasse sich nicht vorhersagen.
Helfen kann unseren Gewässern nur ein ordentlich verregneter Herbst und Winter. Auf anhaltendes Schmuddelwetter hoffen wir nun alle.
Normalerweise erreicht der Bodensee seinen jährlichen Tiefststand im Februar oder März. Jetzt sind viele Bereiche bereits trockengefallen, die ansonsten später oder nie trockenliegen. Noch sei nicht klar, ob das Niedrigwasser die Ufer- und Flachwasserzonen langfristig verändern. Das werde nun beobachtet, heißt es von der LUBW.
Auswirkungen des Niedrigwassers auf Häfen am Bodensee
Der historisch niedrige Wasserstand des Bodensees hat auch Konsequenzen für die Hafenbetreiber. Ausbleibende Gastboote lassen die Einnahmen der Gemeinden und Vereine in diesem Jahr schrumpfen. Für den Hafenmeister von Gaienhofen-Horn (Kreis Konstanz), Jürgen Schulz, ist das eine "kleine Katastrophe". "Zunächst einmal ist da die Enttäuschung der Bootseigner, die ihren Dauerliegeplatz hier haben, aber es hat auch die Gastlieger getroffen", sagt er.
Die Einnahmen für die Gemeinde Gaienhofen aus den Gastliegegebühren sind dieses Jahr äußert gering, vielleicht zehn Prozent eines normalen Jahres.
Auch anderen Hafenmeistern am Bodensee bereitet die Trockenheit Sorgen. Ebenso den Wassersportvereinen und Bootsbesitzern.
Kein Wasser in den Häfen - Segelboote müssen Wochen früher raus
Viele Seglerinnen und Segler am Bodensee mussten dieses Jahr ihre Boote deutlich früher aus dem Hafen holen. Grund ist der niedrige Bodenseepegel, der durch die anhaltende Trockenheit auch im September weiter gesunken ist.
Laut Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg ist in den kommenden Wochen mit einem weiter fallenden Wasserstand zu rechnen. Denn im Herbst sinke der Bodenseepegel üblicherweise, weil weniger Wasser aus den alpinen Zuflüssen in den See fließe, so Gabriel Fink vom Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg. Der Bodenseepegel ist im Winter normalerweise am niedrigsten.
Hafenmeister am Bodensee blicken mit Sorge auf Trockenheit
Das wirkt sich auch auf die Häfen aus. Der Hafen in Nonnenhorn (Kreis Lindau) muss alle fünf bis sieben Jahre ausgebaggert werden, weil sich dort angeschwemmter Sand ablagert. Extremes Niedrigwasser lasse sich damit aber nicht ausgleichen, sagt Hafenmeister Wolfgang Semmlinger.
Die Sorge ist: Wie wird das die nächsten Jahre weitergehen? Muss man mit dem leben? Was kann man dagegen tun - oder nicht tun?
Wegen des Niedrigwassers wurde in Nonnenhorn eine Einhandregatta abgesagt. Für die teilnehmenden Boote mit größerem Tiefgang fehlten geeignete Liegeplätze.
Auch deutlich weniger Gastboote seien gekommen. Die fünf Gastliegeplätze seien im Juli und August normalerweise nahezu durchgehend belegt, dieses Jahr aber nicht. Semmlinger vermutet, viele hätten den Hafen wegen des niedrigen Wasserstandes gemieden.
Tiefgang des Segelboots ist entscheidend am Bodensee
Auch am Westhafen in Hagnau (Bodenseekreis) mussten Boote mit viel Tiefgang schon frühzeitig ausgewassert werden. Für den Segler und Hafenmeister in Hagnau, Klaus Hiestand, war es trotzdem eine "sensationelle Segelsaison". Er habe ein Boot mit einem variablen Tiefgang. Das bedeutet, dass der Kiel unter dem Boot flexibel verändert werden kann. Der Vorteil sei laut Hiestand, dass er mit so einem Boot optimal segeln, gleichzeitig aber auch in fast jeden Hafen einfahren könne.
Als Hafenmeister beobachtet er, dass immer mehr Seglerinnen und Segler am Bodensee auf Boote mit wenig Tiefgang oder variablen Tiefgängen zurückgreifen. Viele würden sich Sorgen machen, wie es die kommenden Jahre mit dem Bodenseepegel weitergeht. Für Hiestand aber seien solche Sommer kein Problem, denn der Westhafen in Hagnau sei für die meisten Boote tief genug. Anders sieht es am alten Hafen in Hagnau aus. Dort liegen einige Boote auf dem Trockenen.
Außergewöhnliche Trockenheit im September
Dieser September sei in Bad Schussenried der trockenste seit Messbeginn 1968 gewesen, sagt Roland Roth von der Wetterwarte Süd. Über das Jahr hinweg fehlten bisher rund 50 Prozent des Niederschlags. Mit Ausnahme des Februars seien alle Monate zu trocken gewesen.
Die intensive Sonnenstrahlung, die geringe Luftfeuchtigkeit und der permanent wehende Wind würden zu dieser außergewöhnlichen Trockenheit führen, so Roth. Der Klimawandel habe da ganz klar einen Einfluss darauf.