Notaufstieg aus 80 Metern Tiefe

Nach Tauchunfall vor Überlingen: Wie gefährlich ist ein Notaufstieg?

Zwei Taucher sind nach einem Notaufstieg aus rund 80 Metern Tiefe gestorben. Eine Tauchlehrerin erklärt, was so gefährlich ist an einem Notaufstieg.

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Stand

Von Autor/in Marlene Fuchs

Nach wie vor ist unklar, wie es zu dem tödlichen Tauchunfall im Bodensee vor Überlingen (Bodenseekreis) kommen konnte. Im Netz wird um die 46-jährige Taucherin und ihren 64-jährigen Begleiter aus dem Raum Karlsruhe getrauert. Die Wasserschutzpolizei hat eine erste Untersuchung der Tauchgeräte mittlerweile abgeschlossen.

Die verunglückte Frau bezeichnete sich selbst im Internet als leidenschaftliche Taucherin mit mehr als 30 Jahren Erfahrung. Ein Tauchmagazin trauert in einem Nachruf um sie und den zweiten verunglückten Taucher. Deren Tod sei tragisch. Beide hätten für das Tauchen gelebt, heißt es dort.

Auch auf dem Social-Media-Kanal von SWR Aktuell sorgt ein Post zum Tauchunfall für viel Resonanz:

Die Polizei hat eine erste Untersuchung der Tauchgeräte mittlerweile abgeschlossen. Es sei an den Werten deutlich zu erkennen, dass ein Notaufstieg in 80 Metern Tiefe eingeleitet wurde und keine Dekompression geschehen sei, also keine kontrollierte Verringerung des Umgebungsdrucks beim Auftauchen. Was unter Wasser vorgefallen ist, sei nach wie vor unklar und werde weiter ermittelt.

Warum ein Notaufstieg so gefährlich ist

"Ein Notaufstieg ist die letzte verbleibende Möglichkeit in einer akuten Situation, die unter Wasser nicht mehr beherrscht werden kann", so Maren Wagenbreth vom Tauchteam Bodensee. Sie ist Tauchlehrerin und selbst als technische Taucherin ausgebildet. Ein Tauchgang auf 80 Metern sei eindeutig ein hoch anspruchsvoller technischer Tauchgang. Dafür benötige ein Taucher eine spezielle, über mehrere Ausbildungsstufen aufgebaute technische Tauchausbildung. Hinzu komme umfangreiche Erfahrung, eine sehr genaue Tauchgangs- und Gasplanung sowie regelmäßig trainierte Notfallverfahren. In dieser Tiefe werde normalerweise kein gewöhnliches Atemgas wie Luft verwendet. Üblich seien heliumhaltige Gasgemische, sogenannte Trimix-Gemische. Sie reduzieren unter anderem die narkotische Wirkung bestimmter Gase in großer Tiefe.

Ein Notaufstieg ist die letzte verbleibende Möglichkeit in einer akuten Situation, die unter Wasser nicht mehr beherrscht werden kann.

Ein direkter oder unkontrollierter Aufstieg aus einer solchen Tiefe könne zu schwersten Dekompressionsschäden, einer Gasembolie, Bewusstlosigkeit oder auch zum Tod führen, erklärt die Tauchlehrerin. "Ein Notaufstieg aus solchen Tiefen bedeutet leider fast automatisch, dass der Taucher dies nicht überlebt." Technische Taucher würden deshalb nicht darauf vorbereitet, bei einem Problem möglichst schnell zur Oberfläche aufzusteigen. Ein wesentlicher Teil ihrer umfangreichen Ausbildung bestehe vielmehr darin, Schwierigkeiten unter Wasser frühzeitig zu erkennen, die Situation zu stabilisieren und das Problem mithilfe der vorhandenen Ausrüstung und des Taucherteams zu lösen.

Tauchlehrerin: "Notsituation mit geringen Handlungsmöglichkeiten"

Technische Taucher führten wichtige Systeme deshalb mehrfach und voneinander unabhängig als redundante Systeme mit sich. Auch die Gasmenge werde so geplant, dass ein Taucher im Notfall nicht nur sich selbst, sondern gegebenenfalls auch seinen Tauchpartner während eines kontrollierten Aufstiegs versorgen kann. Das Ziel sei grundsätzlich, den Tauchgang kontrolliert abzubrechen und die erforderliche Dekompression trotzdem so weit wie möglich einzuhalten. "Ein unmittelbarer Aufstieg aus großer Tiefe ist keine reguläre Rettungsstrategie, sondern eine extreme Notsituation mit sehr geringen Handlungsmöglichkeiten, wie sie zum Beispiel bei einem medizinischen Notfall auftreten kann", so Wagenbreth.

Zu dem Unfall vor Überlingen sagt sie: "Das muss tatsächlich eine absolute Notfallsituation gewesen sein, zumal man ja mittlerweile auch weiß, dass das absolute Tauch-Profis waren." Sie seien sehr gut ausgebildet gewesen und hätten genau gewusst, was sie tun. Das heiße: "Da unten muss zu der Zeit irgendwas vorgekommen sein, was unter Wasser nicht gelöst werden konnte", sagt Tauchlehrerin Maren Wagenbreth.

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Marlene Fuchs
SWR-Redakteurin Marlene Fuchs Autorin Bild

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