Die zwölf Rauhnächte sollen eine besonders magische Zeit sein. Es gelten aber auch besondere Regeln. Etwa: keine Wäsche waschen oder keine Haare schneiden. In Oberschwaben werden die alten Bräuche neu entdeckt. Auf Schloss Waldburg gibt es während der Rauhnächte Gelegenheit zum Gruseln.
Ein "schaurig-schönes" Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher ab Samstag bis zum 5. Januar auf der Waldburg, wie die Veranstalter mitteilen. Mit Fackelumzügen und Hexenführungen. Trolle, Drachen und Krampusse treiben ihr Unwesen. Denn in den Rauhnächten verschwimmen der Sage nach die Grenzen zwischen der Erde und der Geisterwelt.
Rauhnächten ergeben sich aus zwei unterschiedlichen Zeitrechnungen
Die Rauhnächte beginnen am 25. Dezember und enden an Dreikönig am 6. Januar. Eine Zeit, die auch als "zwischen den Jahren" bezeichnet wird. Die Bezeichnung ergibt sich aus zwei unterschiedlichen Zeitrechnungen unserer Vorfahren, erklärt die Wildkräuterführerin Irene Bänsch aus Bad Waldsee. Nämlich nach dem Mondjahr, das 354 Tage umfasst, und dem Sonnenjahr, das 365 Tage dauert. "Da fehlen elf Tage und zwölf Nächte, und das sind die Rauhnächte."
Einer der wichtigsten Bräuche in den Rauhnächten ist das Räuchern, sagt Irene Bänsch. "Früher sind die Frauen mit den Räucherpfannen in den Häusern und Ställen herumgegangen, um schlechte Energien zu vertreiben." Denn in diesen Nächten soll das Tor zur "Anderswelt" offen stehen. Die Percht, eine weibliche Sagengestalt, soll mit ihrem Gefolge unterwegs sein. Aus diesem Glauben ergeben sich auch manche Bräuche.
In den Rauhnächten keine Wäsche waschen
Etwa, dass keine Wäsche gewaschen und aufgehängt werden soll. "Denn die Percht könnte sich darin verfangen und Unglück bringen", erklärt Irene Bänsch. Zwischen den Jahren sollen auch keine Nägel oder Haare geschnitten werden - das könnte Kopfweh geben, heißt es. "Und alles was sich dreht, soll stillstehen", so Bänsch. "Das war auch früher auf den Almen so. Da haben die Leute Wolle gesponnen, aber in dieser Zeit durften sie nicht spinnen."
Die Rauhnächte sind aber auch eine Zeit zum Orakeln. Denn jede der zwölf Nächte stehe für einen Monat des kommenden Jahres. "Man beobachtet das Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, ob alles friedlich war, oder ob es Streiterein gab. Denn das kann man auf das nächste Jahr übertragen", sagt die Wildkräuterexpertin.
Bräuche der Rauhnächte leben in Oberschwaben neu auf
Zum Thema Rauhnächte gibt Inrene Bänsch auch Kurse. Das Interesse daran sei groß, vor allem unter Frauen. "Die Bräuche hat man wieder entdeckt", sagt Bänsch. "Das ist etwas, wo sich die Leute dran festhalten." Irene Bänsch selbst hält sich streng an die Regeln der Rauhnächte. "Ich schaue, dass ich bis Weihnachten alles gewaschen habe, damit ich in der Zeit nichts waschen muss."