Im Prozess um unerlaubte Botox-Behandlungen hat am Dienstag die angeklagte Ärztin vor dem Landgericht in Konstanz ausgesagt. Die 37-Jährige soll laut Anklage von 2021 bis 2025 unerlaubt Schönheitseingriffe, vor allem im Gesicht, durchgeführt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr gefährliche Körperverletzung und Betrug vor.
Erlaubnis soll gefehlt haben
Die 37 Jahre alte Angeklagte ist ausgebildete Fachärztin für Kieferorthopädie. Als solche sei sie lediglich befugt, Injektionen im Mundbereich vorzunehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, insgesamt 275 Unterspritzungen vorgenommen zu haben - ohne die dafür nötige Befugnis.
Sie soll Stirn, Zornesfalte, Nase, Wangen, die Region um die Augen, Kinn und Achseln behandelt haben. Dabei sollen sowohl Botulinumtoxin - besser bekannt als Botox - als auch Hyaluronsäure zum Einsatz gekommen sein. Mehr als 113.000 Euro soll sie damit verdient haben. Das hätte die Ärztin allerdings nicht tun dürfen, weil sie zwar eine zahnärztliche Approbation besaß, nicht jedoch als Humanmedizinerin oder Heilpraktikerin zugelassen war.
Was die Ärztin zu den Vorwürfen sagt
Die Angeklagte räumte zum Prozessbeginn ein, Eingriffe an einer größeren Zahl an Patienten vorgenommen zu haben. Sie stritt aber ab, die Betroffenen bewusst unerlaubt behandelt und getäuscht zu haben. Sie habe Kurse bei Dermatologen und großen Unternehmen besucht und "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt.
Außerdem betonte die 37-Jährige, dass sie sich nie als Humanmedizinerin oder Dermatologin ausgegeben habe. Viele Patienten seien mit einem gewissen Vertrauen zu ihr gekommen. Mit ihrem beruflichen Hintergrund sei sie immer transparent umgegangen.
Internetauftritt sorgt für Zweifel
Auf der Internetseite war die Angeklagte allerdings mit einem Doktortitel und als "Ärztin für Ästhetische Medizin" vorgestellt worden, wie ihr das Gericht vorhielt. Die Frau erklärte, eine Webdesignerin habe die Seite erstellt und dabei weitgehend freie Hand gehabt. Sie selbst habe die Internetseite nicht vollständig kontrolliert. Nach einem Schreiben der Ärztekammer seien die Angaben geändert worden.
Im Prozess sollen über 40 Zeugen aussagen, ein Urteil könnte Ende September fallen. Der Angeklagten drohen mehrere Jahre Haft.