Das Landgericht Ravensburg hat eine 28-jährige Frau aus Ertingen (Kreis Biberach) in einem Berufungsprozess zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie soll ihre beiden Kleinkinder schwer misshandelt und vernachlässigt haben. Die Geschwister leben inzwischen in Pflegefamilien. Die junge Mutter war schon 2025 vom Amtsgericht Biberach verurteilt worden.
Schläge, Verbrennungen und extreme Vernachlässigung
Die Frau war angeklagt, ihren 2019 geborenen Sohn und ihre 2021 geborene Tochter mehrfach geschlagen zu haben – unter anderem mit einem Handy und einem Verdampfer. Zudem soll sie brennende Zigaretten auf den Körpern der Kinder ausgedrückt haben. Die Kleinkinder lebten mit ihrer Mutter zeitweise in einer dunklen Wohnung, in einem Auto und in Hotelzimmern.
Gesundheitliche Schäden und Unterernährung
Als das Jugendamt die Geschwister 2022 in Obhut nahm, hatten sie Wunden, Narben und Madenwürmer. Außerdem hatte fehlendes Sonnenlicht nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Sehvermögen der Kinder beeinträchtigt. Das damals eineinhalb Jahre alte Mädchen war unterernährt und hatte fast ausschließlich Muttermilch bekommen. Erst bei der Pflegemutter lernte sie kauen und feste Nahrung zu essen.
Die Mutter bestritt die Vorwürfe und gab an, sich um ihre Kinder gekümmert zu haben. Die Vorsitzende Richterin erklärte jedoch, dass man ihr nicht glaube. Die Richterin sprach von einem "desaströsen Umfeld", in dem die Kinder der Mutter schutzlos ausgeliefert waren und oft nur einmal am Tag im Dunkeln zu essen bekamen.
Schmerzensgeld für die Kinder
Die Kammer sprach dem Sohn 15.000 Euro und der Tochter 10.000 Euro Schmerzensgeld zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Laut Staatsanwaltschaft kämpfen beide Kinder bis heute mit den Folgen der Misshandlungen.