Zwischen Singen und Radolfzell am Bodensee (Kreis Konstanz) hat am Montagmorgen um kurz vor 5 Uhr die Erde leicht gebebt. Spürbar war dieses kleine Erdbeben nicht. Solche Erschütterungen registriert der Landeserdbebendienst in der Region allerdings alle paar Wochen. Das liege an der Nähe zu den Alpen, so ein Experte vom Landeserdbebendienst. Dass auch kleine Erdbeben registriert werden, sei wichtig für die Forschung.
Die europäische und afrikanische Platte treffen tief unter den Alpen aufeinander. Deswegen gibt es vor allem in Italien häufiger stärkere Erdbeben. Die Bodenseeregion liege "im Windschatten dieser Spannungen", sagt Stefan Stange vom Landeserdbebendienst mit Sitz in Freiburg. Sorgen machen müsse man sich deswegen aber nicht. Das Beben am Montag hatte zum Beispiel einen Wert von 0,7 auf der Richterskala und das Zentrum lag 17 Kilometer tief unter der Erde.
Kleine Erdbeben sind für den Menschen nicht spürbar
So ein schwaches Beben könnten nur spezielle Messgeräte registrieren, erklärt Stange. Erst ab einem Wert von etwa 2 auf der Richterskala sei eine Erschütterung für Menschen spürbar. Das letzte größere Beben in der Bodenseeregion wurde im April dieses Jahres in der Ostschweiz registriert. Das hatte eine Stärke von 3,8. Passiert ist damals nichts.
Nicht weit vom Bodensee Erdbeben in der Ostschweiz: 600.000 Menschen spüren die Erschütterung
In der Ostschweiz und Liechtenstein hat am Sonntagmorgen die Erde gebebt. Auch am Bodensee war das Erdbeben spürbar. Hunderttausende haben die Erschütterung bemerkt.
Erdbebenmessung wichtig für die Forschung
Dass auch so kleine Erdbeben wie zuletzt bei Radolfzell registriert werden, sei wichtig, sagt Seismologe Stefan Stange. "Die Forschung profitiert von jedem gemeldeten Beben. Erkenntnisse darüber, wo vermehrt kleinere und größere Erdbeben in Baden-Württemberg vorkommen, fließen zum Beispiel in Neubauprojekte und deren Bauvorschriften mit ein", erklärt er. "Wir haben vor 30 Jahren angefangen mit dem Landeserdbebendienst. Die Erdbebenforschung hat sich in der Zeit stark weiterentwickelt. Davor hätte man so ein Beben nur rein zufällig registriert."
Die Forscherinnen und Forscher seien auch auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen. Auf dem speziell dafür eingerichteten Meldeportal des Erdbebendienstes könne man so mit der Zeit erkennen, wo Erdbeben-"Hotspots" im Südwesten liegen und dort beispielsweise Bauvorschriften anpassen.