Insekten in der Wohnung – das will niemand. Aber genau das ist Karin Wannemacher aus Engen-Anselfingen (Kreis Konstanz) passiert: Sie hatte von einem Tag auf den anderen Ameisen in ihrem Wohnzimmer. Sie brauchte Hilfe. Doch diese Hilfe verursacht bis heute Ärger. Ihre Befürchtung: Sie fiel auf eine unseriöse Kammerjäger-Firma herein und wurde abgezockt. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln jetzt in dem Fall. Zuerst hatte der Südkurier darüber berichtet.
Die Ameisen strömten an einem Abend im Juni innerhalb weniger Minuten durch einen Schlitz in der Wand in Karin Wannemachers Wohnzimmer. Vermutlich kamen sie durch eine poröse Stelle der Außenwand und legten dort Eier. Hunderte Ameisen auf einmal strömten in die Wohnung. Ein Schock für die Wohnungsbesitzerin.
Da sind sie in Scharen rausgekommen. Ich konnte es nicht glauben.
Ameisen kommen wieder zurück
Zuerst versuchte sie mit Küchenpapier und einem Ameisenspray die Situation selbst zu meistern. Und kurz habe es auch so ausgesehen, als seien die Tiere weg, erzählt die 74-Jährige. Doch dann kamen die Ameisen am nächsten Morgen erneut aus der Wand gekrabbelt.
Ich dachte, mich trifft der Schlag. Das gleiche wie am Abend. Ja und dann dachte ich 'schnell, schnell, schnell - Kammerjäger'.
Vermeintliche Kammerjäger aus Engen verlangen Bargeld
Sie rief die erste Nummer einer vermeintlichen Kammerjäger-Firma an, die sie im Internet fand. Die Männer behaupteten am Telefon, sie seien direkt aus Engen. Sie kamen wie versprochen noch am selben Tag. Auf dem Auto, mit dem die beiden Männer kamen, sei kein Firmenlogo zu sehen gewesen, erinnert sich Karin Wannemacher. Sie sprühten Insektenmittel in den Wandschlitz und verlangten dafür knapp 2.000 Euro. So viel - Karin Wannemacher war überrumpelt. Und plötzlich ging alles schnell: Die beiden Männer verlangten die Summe zuerst bar und fragten schließlich nach einer Kreditkarte.
Wie konnte mir das passieren? Warum habe ich nicht geschaltet? Aber ja, da war schon alles passiert. Ich musste das ja bezahlen.
2.000 Euro für die Maus Kammerjäger: Abzocke durch unseriöse Firmen
Wir decken ein Netzwerk von unseriösen Kammerjäger-Firmen auf - die nebenbei auch als Elektriker oder Klempner auftreten.
Anzeige bei Polizei und Staatsanwaltschaft
Die Ameisen waren tatsächlich weg, die hohe Summe aber auch. Die Kammerjäger waren nicht mehr erreichbar. Nach dem ersten Schock reagierte Karin Wannemacher dann schnell. War es Betrug? Mit mehreren Hundert Euro habe sie gerechnet, aber nicht mit so viel Geld. Das Insektenmittel habe sie im Internet für knapp 200 Euro gefunden, auf der Rechnung war es mit 1.400 Euro ausgewiesen. Auch der Sitz der Firma sei nicht in Engen, sondern in einem Mehrfamilienhaus in Nordrhein-Westfalen zu finden. Sie zeigte die Männer nach Anraten ihres Versicherungsberaters bei der Polizei an. Die Anzeige liegt mittlerweile auch bei der Staatsanwaltschaft. Solche Fälle kämen immer wieder vor, sagt Daniel Brill vom Polizeipräsidium Konstanz.
Viele Leute, denen sowas passiert, die wollen nicht in die Öffentlichkeit. Sie denken, dass es bestimmt nur ihnen passiere und das ist ihnen peinlich.
Oft würden solch hohe Summe auch doppelt abgerechnet, gerade, wenn Kreditkarten verlangt werden, so Brill. Um andere vor so einer Abzocke zu warnen, sei es wichtig darüber zu reden. Und genau das sei auch ihr wichtig, sagt Karin Wannemacher. Sie hofft, dass sie einen Teil des Geldes vielleicht zurück bekommt und dass andere nicht auf dieselbe oder andere Firmen reinfallen.