Das Schulmuseum Friedrichshafen (Bodenseekreis) ist auf der Suche nach besonderen Erinnerungsstücken. Hermann Bodenmüller betritt das Gelände des Schulmuseums Friedrichshafen (Bodenseekreis). Der 90-Jährige läuft vorbei am Eingangsbereich des dunkel- und hellgrünen Hauses, hin zu einigen Bänken und einem Tisch im Garten. Bei sich trägt er vergilbte NS-Zeitungen aus dem Jahr 1941 - und Bilder vom allerersten Seehasenfest in den Ruinen von Friedrichshafen. Es sind Erinnerungsstücke aus einer lang vergangenen Zeit. Am Tisch wartet schon eine Angestellte des Museums auf ihn und seine Geschichte.
Das erste Seehasenfest 1949: Hoffnung inmitten von Trümmern
Nach der Begrüßung legt Hermann Bodenmüller zwei Bilder vom ersten Seehasenfest auf den Tisch. Darauf zu sehen: Der erste Umzug durch die Stadt mit Fahnenträgern und dem allerersten Seehas. Das Kostüm haben er und ein Schulfreund damals selbst besorgt, erinnert sich der 90-Jährige. Auf Bitte seines Lehrers sind die beiden Jungen nach Ravensburg gefahren, um es von dort auszuleihen. "Ich wollte auch Seehas sein, aber ein anderer Junge war drei Zentimeter kleiner als ich und ihm hat das Kostüm besser gepasst", erzählt Hermann Bodenmüller weiter.
Das Fest sei trotzdem etwas ganz Besonderes gewesen. Es habe zumindest kurz vom harten Alltag abgelenkt.
Es war einfach eine fröhliche Geschichte. Andererseits kommst du anschließend Heim und da geht das Elend dann weiter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt Friedrichshafen in Trümmern - zerbombt durch die Alliierten. Beim ersten schweren Luftangriff im Sommer 1943 ist Hermann Bodenmüller gerade einmal sieben Jahre alt. Mit seiner Mutter und den fünf Geschwistern harrte er im Keller der Familienwerkstatt aus. Durch die Einschläge wurden sie vollständig verschüttet. Erst am nächsten Tag konnten sie vom Vater und seinen Kollegen gerettet werden.
Die Familie flieht erst nach Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg), dann nach Rohrbach nördlich von München. Der Vater wird kurz vor Kriegsende noch eingezogen - er stirbt als Kriegsgefangener in der damaligen Sowjetunion. Erst später kommt Hermann Bodenmüller wieder zurück nach Friedrichshafen. Die Erinnerungen an seine Kindheit schmerzen auch noch nach all der Zeit: "Es war furchtbar. Dieser Schatten, der hat die ganze Familie über all die Jahre schwer belastet."
Durch harte Arbeit konnten sie sich in den folgenden Jahrzehnten dann ein neues Leben aufbauen. Unter anderem gründete die Familie das Möbelhaus Bodenmüller. Eine Leistung, auf die der 90-Jährige auch heute noch stolz ist.
Selbstgemachte Bilderbücher: Glückseligkeit trotz Mangel
Von der Zerstörung und dem Elend der damaligen Zeit hat Gudrun Didszun wenig mitbekommen. Die 82-Jährige ist mit einigen ihrer Lieblings-Kinderbüchern aus Weingarten (Kreis Ravensburg) angefahren. An damals hat sie viele gute Erinnerungen: "Der Mangel war sicher da. Aber unseren Eltern ist es gelungen, diese Schrecken von uns fernzuhalten".
Besonders gerührt zeigt sie ein Bilderbuch, dass ihre Mutter damals selbstgemacht hat. Die benutzte alles, was sie finden konnte, von Bilderbögen über Margarineverpackungen bis hin zu Scherenschnitten. Das fertige Bilderbuch wurde für Gudrun Didszun zu einer prägenden Kindheitserinnerung.
Sie und ihre Geschwister hätten das Bilderbuch über viele Jahre immer wieder von vorne bis hinten durchgeblättert. Die Bilder hätte sie schon immer sehr schön gefunden. Sie hätten sich tief in ihr Gedächtnis eingeprägt.
Es war so wenig, aber es hat die Fantasie angeregt. Wir waren glücklich und zufrieden, wenn wir das gesehen haben.
Auch bei den Treffen mit ihren damaligen Freundinnen erinnert sich Gudrun Didszun vor allem an die kleinen Freuden. So saßen sie etwa oft auf einer Bank und beobachteten die vorbeifahrenden Autos. "Das Schönste war, wenn ein Schiff, also ein amerikanischer Wagen, vorbeigefahren ist". Ein Teil dieser Erinnerungen an ihre, wie sie sagt, "sehr glückliche Kindheit" gibt sie jetzt mit den Bilderbüchern an das Schulmuseum Friedrichshafen.
Schulmuseum Friedrichshafen: Ausstellung zur Nachkriegszeit für Herbst 2027 geplant
Denn das Museum arbeitet derzeit an einer neuen Ausstellung über Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit. Hierzu werden Spielzeug, Kleidungsstücke, Bilder und andere Alltagsgegenstände aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Menschen, die zwischen 1945 und den 1960ern aufgewachsen sind, können ihre Erinnerungsstücke am 22. September beim Schulmuseum vorbeibringen. Die Ausstellung ist dann für den Herbst im kommenden Jahr geplant.