Bei einem Fachtag in Baltringen im Kreis Biberach hat die Sachverständigen-Organisation DEKRA über die mögliche Gefahr von Akkubränden bei Unfällen mit Elektroautos berichtet und auch in einem Versuch getestet. Hunderte von Unfall-Spezialisten von der Feuerwehr über die Polizei bis hin zu Anwälten und Richtern konnten beobachten: Der simulierte Unfall war heftig, das Elektroauto war stark beschädigt. Aber in Brand geriet es nicht.
- Wie reagiert der Akku: Elektroauto knallt gegen stehendes Fahrzeug
- DEKRA und andere Institutionen: Elektroautos brennen sogar seltener als Verbrenner
- In Tanks oder Löschsäcke - wie sollte man nach Unfällen mit Elektroautos umgehen?
- Wässern der Elektrofahrzeuge meist überflüssig
Wie reagiert der Akku: Elektroauto knallt gegen stehendes Fahrzeug
Am Start war ein handelsübliches Elektroauto, ein VW ID. Zum Selbstfahrer hochgerüstet beschleunigte es auf mehr als 70 Stundenkilometer und prallte gegen das Heck eines Vans. Die Karosserien verformten sich, die Airbags lösten aus. Aber die Akkus im Unterboden des Elektroautos fingen nicht an zu brennen.
Und das ist keine Ausnahme: Schon in vergangenen Crash-Tests hatte die DEKRA versucht, die Akkus so stark zu beschädigen, dass sie zu brennen beginnen. Ohne Erfolg - beim Frontalaufprall auf einen Stahlträger blieb vom Auto nur ein Schrotthaufen übrig. Den Akku ließ das allerdings kalt, auch bei einem Seitenaufprall, bei dem sich das Fahrzeug regelrecht um den Stahlträger wickelte.
Die öffentliche Wahrnehmung ist oft anders: Demnach lösen Akkus bei Unfällen regelmäßig geradezu ein Inferno aus, weil sie explosionsartig brennen sollen und nicht zu löschen sind. Entsprechende Videos kursieren, es handelt sich um echte Aufnahmen, nicht etwa um Fälschungen.
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DEKRA und andere Institutionen: Elektroautos brennen sogar seltener als Verbrenner
Die Bilder seien dennoch mit Vorsicht zu genießen, sagt Markus Egelhaaf von der DEKRA Unfallforschung in Baltringen: "Irgendwo auf der Welt fängt ein E-Auto an zu brennen. Das wird auf Video aufgezeichnet und geht viral im Social-Media-Bereich. In der gleichen Zeit brennen zig konventionell betriebene Fahrzeuge - ohne Berichterstattung. Die Statistiken, die wir haben, auch von anderen Institutionen, zeigen eigentlich alle, dass die Elektrofahrzeuge sogar seltener brennen als die konventionell angetriebenen."
In Tanks oder Löschsäcke - wie sollte man nach Unfällen mit Elektroautos umgehen?
Diese Erkenntnis könnte Folgen für den Umgang bei Unfällen mit Elektroautos haben. Denn viel zu häufig, so die DEKRA, werden diese Autos vorsorglich in Löschsäcke oder Tanks verfrachtet, wo sie mit Wasser geflutet werden, um Brände zu verhindern.
Bei einer anschließenden Untersuchung müssten Gutachter erst einmal abwarten, bis das Wasser wieder abgelaufen sei. Und dann einen Akku zu untersuchen könne eine eigene Gefahrenquelle sein. Besser sei es, zunächst einmal abzuwarten und das Auto ganz normal in die Spurensuche und Analytik miteinzubeziehen.
Wässern der Elektrofahrzeuge meist überflüssig
Der Unterschied zum herkömmlichen Verbrenner-Fahrzeug: Nach einem Unfall muss überprüft werden, ob Teile der Karosserie unter Spannung stehen. Aber das sei es eigentlich - denn andererseits spielen Gefahrenquellen wie zum Beispiel auslaufender Kraftstoff beim Elektroauto keine Rolle.
Für Gutachter ist das Wässern kompletter Fahrzeuge nicht nur eine meist überflüssige Maßnahme. Die Kehrseite ist nämlich, dass ein Elektro-Auto dabei fast zwangsläufig überflüssigerweise zum Totalschaden wird. Und nicht nur das: Spuren werden vernichtet, die ein Gutachter braucht.