Vor 25 Jahren erlebten die USA ein Trauma. Am 11. September 2001 entführten Al-Qaida Terroristen vier Passagierflugzeuge und steuerten unter anderem zwei Maschinen in die Twin Towers in New York. Tausende Menschen kamen ums Leben. Darunter 343 Feuerwehrleute. Die Feuerwehr von Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) verbindet eine bewegende Freundschaft mit der New Yorker Feuerwehr.
Bewegende Begegnungen der Feuerwehren
Manfred Wolfrum sitzt im Feuerwehrhaus von Wangen an einem Tisch. Er schaut sich alte Fotos an. Es sind Bilder von Treffen zwischen den Feuerwehrleuten in Wangen und in New York. Manne, wie ihn seine Freunde und Bekannten rufen, bekommt dabei feuchte Augen. Er denkt gerne zurück an die Treffen mit den New Yorker Kameraden. "Das waren sehr bewegende Momente. Ich habe öfter mit den Tränen kämpfen müssen", sagt er.
An den 11. September 2001 erinnert sich Manne Wolfrum noch genau. Er hatte gerade mit dem Auto Müll weggebracht. Er kam nach Hause. Vor dem Schaufenster seines damaligen Radio- und Fernsehfachgeschäftes standen mehrere Menschen. "Was ist denn da los?", habe er sich gedacht. Als er ausgestiegen war, erkannte er, dass die Frauen und Männer an den Fernsehapparaten im Schaufenster die Live-Bilder aus New York verfolgten.
Wie die Feuerwehr von New York nach Wangen kam
Wenig später erfuhr Wolfrum, dass die Berliner Feuerwehr den Feuerwehren und ihren Familien in New York helfen und sie nach Deutschland einladen wollten. Der Feuerwehrmann aus dem Allgäu setzte sich mit den Berlinern in Verbindung. Und schnell war klar: Die Feuerwehrleute aus New York sollten nicht nur nach Berlin, sondern auch nach Wangen kommen.
Herzlichkeit prägte die Feuerwehrtreffen von Anfang an
Das passierte denn auch im Sommer 2002. Etwa 30 Kinder, Frauen und Männer kamen von Berlin mit dem Flieger nach Friedrichshafen (Bodenseekreis). Von dort ging es nach Wangen. Manne Wolfrum erzählt heute noch aufgeregt, wie angespannt er und seine Kameraden waren. Aber die Anspannung wich schnell, die Begegnungen waren von Anfang an freundschaftlich und herzlich. "Mehr als herzlich, die Amerikaner sind da auch sehr offen", meint Wolfrum.
Über die besondere Verbindung zwischen den Feuerwehren Wangen und New York hatte der SWR auch im Jahr 2021 berichtet:
Ausflüge mit den Gästen aus New York
In den darauffolgenden Tagen machten die Wangener Gastgeber und ihre Gäste aus New York Ausflüge in die Region, etwa ins Ravensburger Spieleland und auf die Waldburg (Kreis Ravensburg). Es wurde auf dem Bodensee eigens eine kleine Sternfahrt organisiert - mit Feuerwehren aus Bregenz, Rorschach, Friedrichshafen und Lindau. Auf dem Kinderfest in Wangen erlebten die New Yorker ein für die Region typisches Heimatfest. Dort hätten die Gäste auch erfahren, was ein Hefeweizen ist, lacht Manne Wolfrum.
Furcht vor Anschlägen auf die Gäste aus New York
Nicht unerwähnt lässt Wolfrum, dass die Tage auch von Sorgen begleitet waren. Nämlich von der Angst, dass die amerikanischen Gäste Ziel eines weiteren Anschlags werden könnten. Die Polizei sei immer in der Nähe gewesen, weiß Wolfrum. "Im Enddefekt war gar nichts - zum Glück", so der 69-Jährige.
In der Erinnerung an dieses erste Treffen mit den vom Terror gezeichneten Menschen aus der Großstadt New York meint Manne Wolfrum: "Ich behaupte, dass ihnen Wangen und auch Lindau sehr gut gefallen haben. Hier läufst Du halt 200 Meter, dann kannst Du eine Kuh streicheln", schmunzelt der Wangener.
Der Helm eines getöteten New Yorker Feuerwehrmannes für die Feuerwehr Wangen
Auf dem Tisch im Feuerwehrhaus liegt auch ein Feuerwehrhelm. Es ist der Helm eines bei den Anschlägen getöteten Feuerwehrmannes. Auf dem Helm ist die Zahl 343 angebracht. Sie steht für die 343 Feuerwehrleute, die bei den Terroranschlägen in New York ums Leben kamen.
Die Frau des getöteten Feuerwehrmannes schenkte den Helm bei ihrem Besuch der Feuerwehr Wangen. Es war wohl einer der Momente, in denen Gäste und Gastgeber auch geweint haben. Diese Momente habe es gegeben, erzählt Manne Wolfrum nachdenklich. Wenn etwa in Gesprächen über die Anschläge, die Toten, die Verletzten und die Zerstörungen gesprochen wurde. Ein Feuerwehrmann habe ihm erzählt, er habe an diesem 11.9.2001 den Dienst mit einem Kameraden getauscht. Dieser sei bei den Anschlägen ums Leben gekommen. Im nächsten Moment strahlt Wolfrum: "Eine Frau hat bei einem Ausflug an den Hochgrat gesagt, sie habe hier ihren Mann nach den Anschlägen das erste Mal wieder lachen sehen."
In den Jahren nach dem ersten Besuch kamen die Feuerwehrleute aus New York und Wangen immer wieder zusammen - hier wie dort. Manne Wolfrum berichtet von großartigen Begegnungen, auch wenn diese in den vergangenen Jahren weniger geworden sind.
Es ist wieder Besuch aus New York angesagt
Vor wenigen Wochen aber kam eine E-Mail aus New York. James R. möchte gerne wieder nach Wangen kommen. Er war 2002 als Kind mit seiner Mutter hier. Und er schreibt: "Auch wenn die ganze Deutschlandtour großartig war, mein Erlebnis in Wangen habe ich am meisten geschätzt. Ich habe mir geschworen, wenn ich eine Familie habe, will ich sie dorthin bringen. Mit dem 25. Jahrtag des 11.9. weiß ich: Jetzt ist es Zeit."
Die Planungen haben begonnen. "Übernachten können sie bei mir", sagt Manne Wolfrum. Sein Sohn Lukas kümmere sich um die Organisation. "Dieser Besuch ehrt uns", meint Wolfrum. Und es freut ihn ganz besonders, dass mit seinem Sohn und weiteren jungen Feuerwehrleuten die nächste Generation die Freundschaft mit der Feuerwehr in New York pflegen will.