Der Sensorenhersteller SICK mit Unternehmenssitz in Waldkirch (Kreis Emmendingen) plant, zahlreiche Stellen abzubauen. Darüber hatte die "Badische Zeitung" berichtet. Wie SICK dem SWR am Freitag bestätigte, soll unter anderem der Standort Karlsruhe komplett geschlossen werden. 30 Mitarbeitende sind betroffen. Auch der Standort Hamburg soll teilweise schließen.
Stellenabbau in Südbaden "aller Voraussicht nach notwendig"
Auch ein Abbau "an den südbadischen Standorten wird aller Voraussicht nach notwendig sein", teilte SICK mit. Zum Umfang des beabsichtigten Stellenabbaus könne man jedoch noch keine Angaben machen, so ein Sprecher des Unternehmens, der gleichzeitig erklärte: "Die Heimat von SICK in Südbaden mit Waldkirch als Stammsitz bleibt ein zentraler Bestandteil des Unternehmens."
In der Region ist SICK ein wichtiger Arbeitgeber: An Standorten in Waldkirch, Buchholz, Reute, Denzlingen (alle Kreis Emmendingen) sowie Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Freiburg beschäftigt die Firma fast die Hälfte ihrer weltweit rund 10.000 Mitarbeitenden. Die Sorge in der Belegschaft ist groß.
Betriebsratsvorsitzender bestätigt allgemeinen Jobabbau in der SICK AG
Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Montag in Freiburg hatte sich SICK-Chef Mats Gökstorp klar zum Standort Südbaden bekannt. Von Einschnitten bei der Belegschaft sprach er da noch nicht. Diese scheinen nun aus Sicht des Unternehmens unumgänglich. Begründet werden die Pläne laut dem Bericht der "Badischen Zeitung" mit der anhaltenden Flaute im Automationsmarkt.
IG Metall-Versammlung in Waldkirch "Vermisse die Menschlichkeit" - drohender Stellenabbau bei SICK verunsichert Beschäftigte
Rund 5.000 Menschen arbeiten beim Waldkircher Sensorbauer SICK in Südbaden. Viele machen sich jetzt Sorgen um ihren Job. Die IG Metall macht gegen den drohenden Stellenabbau mobil.
Der SICK-Betriebsratsvorsitzende Jan Potthast bestätigte dem SWR, dass weitere Maßnahmen geplant seien - etwa die Verlagerung von Produktionslinien ins Ausland und ein allgemeiner Stellenabbau in der SICK AG. Zahlen könne er jedoch noch nicht nennen. Potthast forderte den Vorstand auf, schnell Klarheit zu schaffen, um den Stellenabbau zu begrenzen und faire Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden auszuhandeln. Das Unternehmen kündigte einen "engen Austausch mit dem Betriebsrat" an.
IG Metall: Stellenabbau nicht gerechtfertigt
Der Freiburger IG-Metall-Bevollmächtigte Norbert Göbelsmann kann den geplanten Stellenabbau nicht nachvollziehen: "Jetzt läuft es mal nicht so gut, die Umsätze sind hoch, und jetzt sollen viele Arbeitsplätze verloren gehen. Wir halten das nicht für gerecht", sagte Göbelsmann dem SWR. Ihm zufolge befinde sich SICK im Gewinnbereich. "Wir reden hier nicht von einem Unternehmen, das in Gefahr oder Not ist oder droht, Pleite zu gehen."
Die Gewinnsituation ist kein Grund für Stellenabbau.
Göbelsmann glaubt, dass das Unternehmen mit Blick auf das starke Wachstum zu viel Personal eingestellt hat. Dennoch sei eine Rendite von vier Prozent kein Grund, im großen Stil Mitarbeitende zu entlassen, so der IG-Metall-Chef.
Da viele der noch Beschäftigten nun bei der IG Metall Hilfe suchten, sei Anfang Februar als nächster Schritt eine Mitgliederversammlung geplant, so Göbelsmann. Dabei wolle man einen gemeinsamen Standpunkt erarbeiten. "Wir glauben, dass es zu kurz gedacht ist, einfach Beschäftigung abzubauen und die Zahl der Beschäftigten dem Umsatz anzupassen."
Einsparungen bei Bauprojekten und Produktion
Nach Angaben einer SICK-Mitarbeiterin seien Bauprojekte - etwa für einen Firmenparkplatz in Reute - auf Eis gelegt worden. Das bestätigt auch der Freiburger IG-Metall-Chef. Geplant sei außerdem, Produktionen nach Ungarn zu verlagern. Dort sei die Produktion billiger, die Arbeitsbedingungen aber seien schlechter. Diese Pläne wollte SICK auf Nachfrage zunächst nicht bestätigen. "Ob und welche Produktionslinien in Deutschland gefertigt werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab", hieß es dazu lediglich.
Deutsche Produktion "zu langsam, zu teuer, zu kompliziert"
Die Geschäftsführerin des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (wvib), Hanna Böhme, verweist unterdessen darauf, dass auch regional stark verwurzelte Unternehmen wie SICK sich im globalen Wettbewerb behaupten müssten: "Deutschland ist im Vergleich zu vielen Ländern zu teuer, zu langsam und zu kompliziert." Zudem stecke Deutschland in einer Rezession, deren Ende noch nicht absehbar sei. Die Nachrichten aus Waldkirch sollten der Politik als Weckruf dienen, den Standort wieder wettbewerbsfähiger zu machen, forderte Böhme.