Studie aus Frankreich

In der Luft und im Körper: Menschen in französischen Weinbaugebieten sind stärker mit Pestiziden belastet

Anwohner in der Nähe von Weinbergen sind deutlich höheren Pestizidbelastungen ausgesetzt als Menschen, die weiter entfernt wohnen. Das zeigt eine Studie aus Frankreich.

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Von Autor/in Léa Wolber, France 3

Wer in der Nähe von Weinreben lebt, ist häufiger Pestiziden ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der französischen Gesundheitsbehörde, die in sechs großen Weinbauregionen, darunter im Elsass, durchgeführt wurde.

Bis zu 60 Prozent mehr Pestizide bei Anwohnern

Wangen im Elsass wirkt wie ein idyllisches Postkartenmotiv - ein Dorf, umgeben von Weinreben. Doch die Bewohner sind deutlich höheren Pestizidbelastungen ausgesetzt als Menschen, die weiter von den Reben entfernt wohnen. Laut einer aktuellen Studie liegt die Belastung 40 bis 60 Prozent höher. Die Pflanzenschutzmittel finden sich in der Luft, in Gärten, im Körper und sogar in den Haaren der Anwohner. "Ich bin schon beunruhigt, wenn ich mit den Kindern und den Hunden draußen bin und sehe, dass in den Reben gespritzt wird", berichtet eine Frau. Ein anderer Anwohner relativiert: "Die Produkte haben sich weiterentwickelt. Nein, ich habe keine Angst."

Winzer verteidigen Pflanzenschutz: "Ohne Spritzen sind die Reben krank"

Fast 3.000 Erwachsene und Kinder, die im Umkreis von Weinanbauflächen leben, haben an der Studie teilgenommen. Sie beruht auf Proben, die aus Körpern und der Umwelt entnommen wurden.

Viele Weinbauern im Elsass sehen keine Alternative zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wenn sich die Produktion lohnen soll. "Diese Trauben sind nicht gespritzt. Und man sieht, dass alle Trauben ab hier krank sind. Ohne den Einsatz von Pestiziden sind unsere Reben unter Umständen das ganze Jahr von solchen Krankheiten befallen", erklärt Christian Kohser, Vizepräsident der Vereinigung der elsässischen Winzer mit Blick auf die Reben.

Gesundheitsbehörde: Weniger Pflanzenschutz zum Schutz der Anwohner

Die französische Gesundheitsbehörde empfiehlt nun, Pflanzenschutzmittel auf ein Minimum zu reduzieren, um die Anwohner in Rebgebieten zu schützen. Viele Umweltverbände fordern das Verbot von Pestiziden und mehr ökologischen Weinbau.

PIWIs sind ein Teil der Lösung

Auch in Deutschland, wie etwa im Anbaugebiet Baden ist der Einsatz von Pestiziden im Weinbau in der Diskussion. Denn einerseits nehmen Pilzkrankheiten in den Reben durch den Klimawandel zu, andererseits wollen die Winzerinnen und Winzer möglichst auf Pestizide verzichten, schon alleine, um sich selbst vor Gesundheitsschäden zu schützen. Einen aktuellen Streit gibt es um den Einsatz von Backpulver gegen die Pilzkrankheit "Echter Mehltau". Jetzt setzt sich die Bundesregierung in Brüssel dafür ein, dass Winzerbetriebe wieder günstiges Backpulver als Pflanzenschutzmittel verwenden dürfen. Das hatte eine EU-Regelung zuletzt verhindert.

Zukunftsträchtig sind die sogenannten PIWI-Rebsorten, sie sind besonders robust und pilzwiderstandsfähig und bleiben ohne Pestizide gesund. Auch am Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg wird zu diesen modernen Rebsorten geforscht. Beim Anbau von Öko-Weinen mit dem EU Bio-Siegel dürfen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger nicht verwendet werden. Biowinzerinnen und -winzer setzen auf organische Alternativen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "Dreiland Aktuell" am 20.9.2025, 18 Uhr, in SWR Aktuell Baden-Württemberg.    

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Autor/in
Léa Wolber, France 3
Onlinefassung
Anita Westrup
Anita Westrup ist Reporterin und Redakteurin im SWR Studio in Freiburg.

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