Am Landgericht Waldshut-Tiengen hat am Montag der Prozess gegen einen 22 Jahre alten Mann aus Dortmund begonnen. Er soll gemeinsam mit mehreren Mittätern im April 2025 ein Casino in Lottstetten (Kreis Waldshut) überfallen und einen Sicherheitsmitarbeiter angeschossen haben. Über seinen Anwalt hat der Angeklagte verlesen lassen, dass er bei dem Überfall als Fahrer angeheuert wurde. Bei dem Überfall selbst soll er nicht beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen wiederum wirft dem Angeklagten versuchten Mord und schweren Raub vor.
Drei Vermummte und zahlreiche Schüsse auf Casino-Gelände
Videoaufnahmen, die im Prozess gezeigt wurden, zeigen drei vermummte Männer und eine weitere unmaskierte Person auf dem Gelände des Casinos. Zahlreiche Schüsse sind auf Tonaufnahmen zu hören. Der Sicherheitsmitarbeiter des Casinos wurde von drei Kugeln getroffen, die Verletzungen waren jedoch nicht lebensbedrohlich. Fotos aus der Ermittlungsakte zeigen zudem eine Glastür mit zahlreichen Einschusslöchern. Hinter ihr hatten sich der Sicherheitsmitarbeiter und zwei weitere Mitarbeiter während des Überfalls verbarrikadiert.
Die Täter entkamen Schießerei bei Überfall auf Casinomitarbeiter in Lottstetten
Mitarbeiter einer Casino-Kette verlassen zusammen mit einem bewaffneten Sicherheitsmann das Casino. Plötzlich tauchen Unbekannte auf. Und Schüsse fallen. Was steckt dahinter?
Angeklagter: "Ich war nur der Fahrer."
"Ich räume ein, dass ich als einer von fünf beteiligt war", ließ der 22-jährige Angeklagte über seinen Verteidiger erklären. Er sei als Fahrer engagiert worden und habe das Fluchtfahrzeug sowie eine Airbnb-Unterkunft in der Schweiz angemietet. Für seine Beteiligung hätte er 10.000 Euro erhalten sollen. Während des Überfalls habe er sich nach eigenen Angaben die gesamte Zeit im Auto aufgehalten. Von scharfen Waffen seiner mutmaßlichen Komplizen habe er nichts gewusst.
Ich bedauere die Folgen des Überfalls sehr.
Wie viele Personen tatsächlich an der Tat beteiligt waren und wer die weiteren Täter sind, ist bislang nicht abschließend geklärt. Laut Anklage wollten die Beteiligten die Wocheneinnahmen des Casinos erbeuten. Dafür sollen sie mit einer halbautomatischen Schusswaffe, einer Pistole und einer Schreckschusswaffe ausgerüstet gewesen sein. Zudem wurden am Tatort Kabelbinder sichergestellt.
Die große Beute blieb aus
Nach dem Schusswechsel sollen die Täter die Geldzählmaschinen aus dem Fahrzeug des Sicherheitsdienstes entwendet haben und geflüchtet sein. Nach Überzeugung der Ermittler hofften sie auf eine Beute von mehreren Hunderttausend Euro. Tatsächlich befanden sich in den Maschinen jedoch nur rund 8.000 Euro.
Ein Urteil wird Ende August erwartet. Das Landgericht hat bislang acht Verhandlungstage angesetzt.