Die Zahl der angezeigten Straftaten gegen Jüdinnen und Juden in Baden-Württemberg ist im Vergleich zum Vorjahr im ersten Halbjahr 2025 deutlich zurückgegangen. Während die Polizei von Januar bis Juni dieses Jahres 100 antisemitische Straftaten registriert hat, waren es im Vorjahreszeitraum noch 260. Das hat das baden-württembergische Innenministerium auf SWR-Anfrage mitgeteilt.
Knapp die Hälfte der Straftaten in diesem Jahr war demnach rechtsmotiviert, rund ein Viertel aus einer ausländischen Ideologie heraus. Die meisten Straftaten seien Sachbeschädigungsdelikte oder Volksverhetzung. Antisemitisch motivierte Gewaltkriminalität wie Körperverletzung stellt den Angaben zufolge die absolute Ausnahme dar.
Antisemitismusbeauftragter Blume sieht Gewöhnungseffekt
Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Michael Blume, glaubt nicht, dass tatsächlich viel weniger Straftaten begangen werden. Niederschwellige Angebote, um Vorfälle zu melden, zeigten ein anderes Bild. Vielmehr sieht er eine gewisse Müdigkeit, antisemitische Straftaten auch bei der Polizei anzuzeigen.
Außerdem sei mittlerweile besser bekannt, welche Parolen verboten seien und welche nicht. Auf Protesten höre man deswegen inzwischen seltener Parolen, bei denen gegebenenfalls eine strafrechtliche Verfolgung drohe. Stattdessen gebe es andere Sprüche, so Blume.
Antisemitismus: Viele Straftaten in Folge des Nahostkonflikts
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg war die Zahl der antisemitischen Straftaten in den Folgemonaten stark gestiegen. Insgesamt wurden 590 solcher Straftaten im Jahr 2024 registriert, 2023 waren es sogar 668.
In Baden-Württemberg gab es zuletzt noch antisemitische Farbschmierereien auf mehreren Gebäuden in Tuttlingen. In Langenau (Alb-Donau-Kreis) kommt es seit Frühjahr 2024 regelmäßig zu teils antisemitischen Protesten rund um die evangelische Martinskirche.
BW-Innenminister Strobl fordert Unterstützung aus der Bevölkerung
Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) fordert, dass niemand antisemitischen Hass und Gewalt einfach geschehen lässt: "Die Verrohung unserer Gesellschaft beginnt immer damit, mit dem Wegschauen und Weghören." Vieles fände in Worten statt, aber aus Worten würden schnell Taten, so der CDU-Politiker.