Baden bei Hitze: Wie groß ist Gefahr durch Keime im Wasser?

Eine Woche mit Rekordtemperaturen liegt hinter uns. Klar, dass da jeder Abkühlung sucht, wo immer es geht. Wer allerdings überfüllte Freibäder meiden will und in Seen oder Flüsse geht, kann sich unter Umständen gefährliche Keime einfangen. Sabine Schütze aus der Umweltredaktion erklärt im SWR-Aktuell-Gespräch, dass nicht nur Keime bedenklich sind.

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Von Autor/in Andreas Fischer

SWR Aktuell: Wie steht's denn um die Keimbelastung in unseren Gewässern in diesem Sommer?

Sabine Schütze:Für Keime sind die aktuellen Bedingungen tatsächlich ziemlich gut, denn wir haben in diesem Jahr außergewöhnlich früh niedrige Pegelstände in Flüssen und Seen. Dazu kommen die hohen Temperaturen, die unsere Gewässer mehr aufheizen als üblich. Am Montag beispielsweise hatte die Donau bei Immendingen schon 28 Grad. Solche Temperaturen sind zunächst mal eine Belastung für Gewässerorganismen und Fische. Aber natürlich vermehren sich auch Keime und Cyanobakterien unter diesen Bedingungen gut und können zum Gesundheitsrisiko werden. Im Postweiher im Westerwald und im Bärenlochweier im Pfälzerwald haben sich die Cyanobakterien bereits so stark vermehrt, dass dort gewarnt wird, auch wenn das Baden noch nicht verboten ist. Denn diese Bakterien scheiden Giftstoffe ab, die allergische Reaktionen, Hautreizungen und Magen-Darm-Probleme verursachen können. In Baden-Württemberg sind wegen Durchfallerregern zwei Seen seit Jahren gesperrt. Im Sundhauser See bei Bad Dürrheim und in einem Weiher südlich von Bad Wurzach sind immer wieder erhöhte Keimbelastungen nachgewiesen worden.

SWR Aktuell: Wie unterscheiden sich denn stehende von fließenden Gewässern im Umgang mit der Hitze?

Schütze: Stehende und langsam fließende Gewässer mit Staustufen wie die Mosel erwärmen sich bei Hitze schneller und sind deshalb für die sogenannte Blaualgenblüte anfällig. Kommt dann noch ein hoher Nährstoffeintrag dazu, beispielsweise durch Phosphordüngung auf nahegelegenen Äckern, dann vermehren sich die eben erwähnten Cyanobakterien massenhaft. Das ist dann diese eben erwähnte Blaualgenblüte. Etwa die Hälfte der Badegewässer in Rheinland-Pfalz sind bekannt dafür, immer mal wieder Probleme mit einer solchen Blaualgenblüte zu haben. Stärker fließende Gewässer betrifft das nicht, weil sich hier entsprechende Nährstoffeinträge schneller verdünnen und abfließen. Allerdings besteht derzeit trotzdem die Gefahr, dass sich hier Keime wie Durchfallerreger stark vermehren können. Schließlich fließen unter Umständen aufgrund des Niedrigwassers Flüsse wie der Neckar oder auch Bäche nicht ausreichend schnell ab. Doch das wiederum ist schwer zu überwachen. Deshalb und aus Sicherheitsgründen gibt es an Flüssen und Bächen keine offiziellen Badestellen und nur die werden nun mal regelmäßig auf ihre Wasserqualität hin überprüft.

SWR Aktuell: Wie kann ich denn selbst die Keimbelastung checken?

Schütze: Koliforme Keime, also Durchfallbakterien, sehen wir nicht. Da checken wir gar nichts. Anders ist das bei der Blaualgenblüte. Die schimmert allerdings nicht blau, sondern grün. Die erkennen wir an diesen grünen Schlieren auf der Wasseroberfläche. Außerdem trübt sie das Wasser ein. Das Planschen oder Schwimmen sollten wir besser lassen, wenn wir bis zu den Knien im Wasser stehen und unsere Füße nicht mehr sehen können. Aktuell allerdings sind in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fast alle Badeseen zum Baden geeignet. Und da, wo das nicht so ist, wird vor Ort gewarnt. Wer es genau wissen will, der kann auch im Internet in den Badegewässerkarten nachsehen. Die werden nämlich regelmäßig aktualisiert.