1986 – Meilensteine

Madonna – "True Blue"

"True Blue" erschien 1986 als drittes Studioalbum von Madonna. Damit wurde sie endgültig vom Pop-Sternchen zum internationalen Superstar und zur Queen of Pop.

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Stand

Mit "True Blue" übernimmt Madonna die Kontrolle

Das Besondere an "True Blue" ist, dass Madonna erstmals als Co-Autorin und Co-Produzentin an einem ihrer Alben beteiligt war und damit mehr Einfluss auf ihre Musik nahm als zuvor.

Das Ergebnis ist eine Platte, die sich nicht nur mit Liebe, Romantik und Ehe beschäftigt, sondern auch mit ernsteren Themen wie den Traumata ihrer Kindheit und der Kritik an patriarchalen und konservativen Strukturen. Mit "True Blue" entwickelte sich Madonna so zu einer ernstzunehmenden Künstlerin und erreichte gleichzeitig ein breiteres und reiferes Publikum.

Madonna wird auf dem Album von der Pop-Prinzessin zur Pop-Königin.

Madonna rebelliert gegen Autoritäten

Madonna wurde am 16. August 1958 in Bay City im US-Bundesstaat Michigan geboren und wuchs in einem streng katholischen und konservativen Elternhaus auf. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Ihr Vater vertrat konservative und patriarchale Ansichten und war nicht begeistert von Madonnas späterem Lebensstil und ihrer Karriere.

Diese Erfahrungen und Konflikte finden sich auch auf "True Blue" wieder. Der Album-Opener und Welthit "Papa Don’t Preach" handelt vom Widerstand gegen männliche Autoritäten, die sich sowohl im Vater als auch in der katholischen Kirche zeigen. Im Song erzählt Madonna aus der Perspektive einer schwangeren Jugendlichen, die sich mit der Frage auseinandersetzt, ob sie ihr Kind bekommen soll.

Madonna - Papa Don't Preach (Official Video) [HD]

"Live To Tell" zeigt Madonnas ernste Seite

Auch "Live To Tell" schlägt ernstere Töne an. Der Song handelt von Betrug, Misstrauen und Trauma sowie von einem Geheimnis, das die Erzählerin nicht länger für sich behalten kann. Immer wieder wurde "Live To Tell" autobiografisch gelesen und mit Madonnas eigenen Kindheitserfahrungen in Verbindung gebracht.

Auch musikalisch hebt sich die Ballade durch ihre komplexe Komposition und die zurückhaltende, düstere Atmosphäre hervor. Von Kritikern wurde sie als eine von Madonnas stärksten Balladen gelobt.

Jahre später sorgte "Live To Tell" auch abseits des Albums für Aufsehen. Während ihrer "Confessions Tour" sang Madonna 2006 den Song mit einer Dornenkrone auf dem Kopf und an einem verspiegelten Kreuz hängend. Im Hintergrund erschienen Zahlen zu Kindern in Afrika, die von AIDS betroffen waren.

Die Inszenierung löste heftige Kritik von Kirchenvertretern aus und beschäftigte in Deutschland sogar die Staatsanwaltschaft. Madonna verteidigte den Auftritt und erklärte, sie habe damit auf das Schicksal von Kindern in Afrika aufmerksam machen wollen, die an AIDS leiden.

Madonna bei ihrer "Confessions Tour" im Madison Square Garden, New York im Jahr 2006. Ihr Auftritt mit Dornenkrone und Kreuzinszenierung sorgte für heftige Kritik vonseiten der Kirche. | Madonna – "True Blue"
Madonna bei ihrer "Confessions Tour" im Madison Square Garden, New York im Jahr 2006. Ihr Auftritt mit Dornenkrone und Kreuzinszenierung sorgte für heftige Kritik vonseiten der Kirche. picture-alliance / SCHROEWIG/Graylock | SCHROEWIG/Graylock

Provokation als Teil von Madonnas Karriere

Die Kontroverse um "Live to Tell" ist nur ein Beispiel für die Provokationen, die Madonnas Karriere bis heute begleiten. Immer wieder überschreitet sie bewusst gesellschaftliche und religiöse Grenzen und muss sich dafür rechtfertigen.

Auffällig ist dabei, dass ihre Provokationen häufig anders bewertet werden als vergleichbare Grenzüberschreitungen männlicher Künstler. Als Frau musste Madonna immer wieder stärker um ihre künstlerische Freiheit und darum kämpfen, selbst zu bestimmen, wie sie ihren Körper, ihre Sexualität und ihre Kunst inszeniert.

Für mich war Madonna immer eine sehr selbstbestimmte Frau, die einfach auch mal sagt: 'Hallo, so kann's auch gehen'.

"True Blue" ist eine Liebeserklärung

Romantik und Liebe kommen auf "True Blue" aber auch nicht zu kurz. Der gleichnamige Titelsong ist Madonnas damaligem Ehemann, dem Schauspieler Sean Penn, gewidmet. Der unbeschwerte, fröhliche Popsong greift Elemente der Girlgroup-Musik der 1950er- und 1960er-Jahre auf und erinnert an Gruppen wie die Ronettes oder an den Sound von "Grease".

Madonna und Sean Penn im Film "Shanghai Surprise" (1986) | Madonna – "True Blue"
Madonna widmete "True Blue" ihrem damaligen Ehemann Sean Penn. Die beiden waren von 1985 bis 1989 verheiratet. Das Foto zeigt sie 1986 im Film "Shanghai Surprise", in dem sie gemeinsam die Hauptrollen spielten. Picture Alliance

Mit "True Blue" ließ Madonna den Bubblegum-Pop ihrer Anfangsjahre hinter sich und zeigte mehr Selbstbewusstsein als Sängerin, Songwriterin und Produzentin. Das Album machte deutlich, dass Madonna längst mehr war als nur ein Popstar.

Sie inszenierte sich als selbstbestimmte Künstlerin, die selbst festlegt, wie sie klingen, aussehen und wahrgenommen werden will. "True Blue" zeigt damit das Gesamtkunstwerk Madonna, wie wir es bis heute kennen.

Über diese Songs vom Album "True Blue" sprechen wir im Podcast

  • (14:12) – "Papa Don’t Preach"
  • (27:08) – "Open Your Heart"
  • (37:50) – "Live To Tell"
  • (56:25) – "True Blue"
  • (01:02:20) – "La Isla Bonita"

Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast

  • (18:43) – "Die vier Jahreszeiten – Der Winter" von Antonio Vivaldi
  • (19:00) – "Concerto Grosso Op.6 Nr. 1 G-Dur" von Georg Friedrich Händel
  • (19:27) – "God Only Knows" von den Beach Boys
  • (19:46) – "Eleanor Rigby" von den Beatles
  • (19:54) – "Cloudbusting" von Kate Bush
  • (28:41) – "Girls Just Want to Have Fun" von Cyndi Lauper
  • (29:35) – "I Feel Love" von Donna Summer
  • (59:10) – "Beauty School Dropout" von Frankie Avalon aus Grease
  • (01:00:50) – "Be My Baby" von den Ronettes
  • (01:01:45) – "Chapel Of Love" von den Dixie Cups
  • (01:06:05) – "Who's That Girl" von Madonna
  • (01:06:32) – "Alejandro" von Lady Gaga

Shownotes

Hits und Storys Madonna – "Like A Prayer"

Katholisch und doch kontrovers – mit ihrem Hit "Like A Prayer" stieß Madonna auf viel Kritik, vor allem von der Kirche. Das Lied handelt von ihrer besonderen Beziehung zu Gott.

Der Nachmittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
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Moderator/in
Frank König
Frank König
Redakteur/in
Katharina Heinius
Sebastian Ebhardt
Onlinefassung
Anna Brautmeier