Seit gut zwei Wochen steht Heidenheim-Leihgabe Kevin Müller bei Zweitliga-Spitzenreiter Schalke 04 unter Vertrag. Der 34-jährige Torwart liebt nicht nur den Fußball, er ist auch leidenschaftlicher American-Football-Fan. Seit Sommer 2025 repräsentiert Müller - gemeinsam mit Freund und Nationalspieler Tim Kleindienst - offiziell den NFL-Klub Seattle Seahawks in Deutschland.
Die Seattle Seahawks stehen am Sonntag, 9. Februar, im Super Bowl LX, einem der weltweit größten Sportevents (ab 0:30 Uhr deutscher Zeit). Im Kampf um den Titel der National Football League (NFL) treffen sie auf Rekordsieger New England Patriots (bisher sechs Titel). Für Müller hat dieses Spiel eine große emotionale Bedeutung. Deshalb reist er am Sonntag nach dem Vormittagstraining in Gelsenkirchen direkt zur Watch-Party der Seahawks-Fans nach Berlin.
Im SWR-Interview spricht "Mü", wie ihn seine Freunde nennen, über seine Liebe zum American Football, über Fußball auf Schalke als Religion und über eine mögliche Krönung seiner Fußballer-Karriere.
SWR Sport: In der Nacht von Sonntag auf Montag steigt der Super Bowl mit Ihrem Herzensverein im American Football, den Seattle Seahawks. Wie sehr kribbelt es schon?
Kevin Müller: Es ist schon die ganze Woche über sehr aufregend. Ich freue mich, dass es jetzt bald soweit ist. Viel länger könnte ich auch nicht warten. Auch wenn das zugleich bedeutet, dass die Saison dann vorbei ist.
Wie kam es dazu, dass Sie diese Leidenschaft für den American Football entwickelt haben?
Anfang der 2010er-Jahre bin ich da reingerutscht und ziemlich direkt zu den Seahawks gekommen. 2013 gewannen sie dann erstmals den Super Bowl. Ich kam mit anderen Leuten in Kontakt, die genauso viel Leidenschaft für das Ganze haben. Ich bin mega stolz drauf, deutscher Botschafter sein zu dürfen. Wir hatten während der Saison einige Events in Deutschland.
Wie sehen Sie die Chancen für die Seahawks, nach 2013 zum zweiten Mal den NFL-Titel zu gewinnen? 2015 gab es das Duell gegen die New England Patriots schon einmal. Damals gewannen die Patriots den Super Bowl in einer dramatischen Schlussphase mit 28:24.
Die Chance für die Seahawks war nie so groß wie in diesem Jahr. Das Team performt sehr gut. Die Seahawks haben eine sehr gute Offense und eine überragende Defense, wenn nicht sogar die beste Defense der Liga. Aber auch die Patriots stehen zurecht im Finale. Auch sie sind in der Offense sehr gut besetzt. Es wird ein enges, intensives Spiel werden. Aus Seahawks-Sicht wäre es natürlich die Torte auf der Kirsche, wenn sie den Super Bowl ausgerechnet in San Francisco, im Stadion der 49ers, einem ihrer Erzrivalen, gewinnen würden. Es gibt kaum bessere Orte - außer im heimischen Stadion in Seattle natürlich.
Kevin Müller über Schalke 04: "Es ist mega cool dort"
In den vergangenen Jahren haben Sie die Super Bowls vorwiegend in Ihrem Haus in Heidenheim mit Freunden und ihrer Familie geschaut. Ihre Frau und ihr gemeinsamer Sohn leben nach wie vor dort. Wo werden Sie am Sonntag sein?
Ich werde in diesem Jahr ganz fannah in Berlin schauen. Dort gibt es die offizielle Watch-Party der Seahawks. Es wird cool, diesen Event mit allen Fans zu feiern. Wir alle hoffen auf einen erfolgreichen Abend.
Zuvor stand am Samstag noch das Zweitliga-Heimspiel der Schalker gegen Dresden (2:2) an. Sie sind jetzt seit gut zwei Wochen auf Schalke. Wie wohl fühlen Sie sich im Ruhrpott nach fast elf Jahren Heidenheim?
Ich fühle mich sehr wohl. Die Jungs, der ganze Verein, alle Menschen, die mit und rund um den Verein zu tun haben, haben mich gut aufgenommen. Und dann kam kurz nach mir auch noch Edin Dzeko. Das hat in dem Verein noch mal zusätzlich eine wahnsinnige Energie ausgelöst. Schalke ist ein ganz großer Verein mit großen Ambitionen. Es ist mega cool dort. Die Leute haben eine klare Erwartungshaltung. Es geht darum, immer alles für den Verein zu geben. Und das in einem familiären Umfeld.
Die Dimensionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Hier Heidenheim mit gut 13.000 Mitgliedern, dort der Kultklub Schalke 04 mit 200.000 Mitgliedern, fanatischen Fans, einer großen Tradition und einer hitzigen Arena-Atmosphäre. Welche Energien spüren Sie dort?
Diese Emotionen kommen definitiv so rüber. Es ist hier deutlich mehr als "nur" Fußball am Wochenende. Fußball ist hier für viele Menschen eine Religion. Viele Menschen geben das, was sie haben, in den Verein. Das hat bei meiner Wechsel-Entscheidung auch für Schalke gesprochen. Ich musste nicht lange überlegen, als der Anruf kam. Für einen solchen Verein spielen zu dürfen, das ist etwas ganz Besonderes. Es wurde auch klar kommuniziert, welche Aufgabe ich hier erfüllen soll. Ich finde das mega reizvoll.
Fußball ist hier für viele Menschen eine Religion.
Wie sieht Ihre Aufgabe denn konkret aus?
Meine Aufgabe ist es, Loris (Karius, die Nummer Eins im Schalker Tor, Anm. d. Red.) im Training und im Spiel zu unterstützen. Alles, was ich tun kann, damit es ihm besser geht, damit er gut performt, mache ich. Natürlich möchte ich auch immer spielen und so bereite ich mich auch vor. Aber die Mannschaft ist aktuell Tabellenführer, besser geht es nicht. Ich möchte einfach die letzten Prozentpunkte, die ich zu unserem Erfolg beitragen kann, geben.
Sie sind bis zum Saisonende nach Schalke ausgeliehen. Ihr Vertrag in Heidenheim läuft noch bis Juli 2027. Wie gefällt Ihnen der Gedanke, Ihre Karriere in der Major League Soccer bei den Seattle Sounders ausklingen zu lassen? Die Fußballer bestreiten schließlich ihre Heimspiele im selben Stadion, in dem auch die Seahawks ihre Spiele austragen...
Das wäre natürlich ein Traum, keine Frage. Aber manchmal liegen Traum und Realität etwas auseinander. Im Ernst: Ich bin jetzt noch vier Monate hier auf Schalke. Hier liegt mein Fokus. Was dann im Sommer oder darüber hinaus passiert, das werden wir sehen.