Meinung

Rotation im Tor des VfB Stuttgart: Genau das Richtige für Dennis Seimen

Dennis Seimen ist nach seiner Muskelverletzung wieder zurück und drängt ins Tor des VfB Stuttgart. Beim 20-jährigen Top-Talent tut Trainer Sebastian Hoeneß gut daran, ihn zu schützen, meint SWR Sportredakteur Johann Schicklinski.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Endlich stand Dennis Seimen im Tor des VfB Stuttgart. Im Testspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (5:0) in Großaspach mischte der in Heilbronn geborene Youngster 70 Minuten mit, präsentierte sich als moderner, mitspielender Torhüter und hielt seinen Kasten sauber. Es fehlten allerdings auch, so ehrlich muss man sein, die ganz großen Prüfungen durch den offensiv doch arg limitierten Zweitligisten.

Dennoch: Seimen war nach seinem ersten Einsatz nach knapp zweieinhalb Monaten Pause aufgrund einer Muskelverletzung im Oberschenkel glücklich. Trainer Sebastian Hoeneß war ebenfalls zufrieden, dämpfte aber die Erwartungen an das Eigengewächs, das nach seiner letztjährigen Leihe zum SC Paderborn inklusive Bundesliga-Aufstieg als klare Nummer eins und Nachfolger des letztjährigen Stammtorhüters Alexander Nübel in die neue Saison gehen sollte.

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VfB-Trainer Sebastian Hoeneß will auf beide Keeper setzen

Hoeneß kündigte nach dem Testspiel an, man werde sich "in keinster Weise unter Druck setzen" lassen in der Torhüterfrage. "Dennis wird in Kürze spielen", sagte der Coach, der auch dem eigentlichen Ersatztorhüter Fabian Bredlow weitere Einsätze zusicherte. Seimen werde "viele Spiele machen, aber auch nicht alle", äußerte Hoeneß.

Diese Ankündigung sorgte bei einigen VfB-Fans für helle Aufregung. Die Angst, dass dem nächsten im eigenen Klub ausgebildeten Talent ein älterer Spieler dauerhaft vor die Nase gesetzt wird, scheint stark ausgeprägt zu sein. Ich verstehe die Anhänger. Denn trotz einer Top-Nachwucharbeit, der besten zweiten Mannschaft aller 36 deutschen Profiklubs und zahlreichen Titeln im Junioren-Bereich konnte sich bei den Schwaben in den letzten zehn Jahren kaum ein Eigengewächs dauerhaft bei den eigenen Profis etablieren. Dass die Fans danach gieren, "local Player" in der Bundesligamannschaft zu sehen, kann ich nachvollziehen.

Fabian Bredlow hat seine Chance genutzt

Doch im Fall von Dennis Seimen halte ich eine Rotation im Tor des VfB Stuttgart aktuell für angebracht. Zum einen, weil Bredlow seine unverhoffte Chance nach der Verletzung des Konkurrenten genutzt hat und in den bisherigen sechs Pflichtspielen überdurchschnittlich gespielt und überzeugt hat.

Brutales Programm für den VfB Stuttgart

Zum anderen aber, viel wichtiger, um Seimen zu schützen. Zur Erinnerung: Der 20-Jährige ist noch ohne Pflichtspiel für die Profis des VfB Stuttgart. Er fehlte zweieinhalb Monate. Von Samstag an stehen für den Champions-League-Teilnehmer neun Pflichtspiele in 28 Tagen an, darunter die Kracher-Partien gegen Atletico Madrid oder bei Galatasaray Istanbul in der Königsklasse und in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen.

Negativbeispiel Kaua Santos

Ich fände es fahrlässig, bei diesem brutalen Programm von Seimen jetzt "von Null auf Hundert" einzufordern oder zu erwarten. Der Druck in Stuttgart ist nach dem verpatzten Bundesligastart ohnehin hoch - und damit auch die Gefahr, dass ein junger Keeper unter ihm zusammenbricht. Eintracht Frankfurt hat es in der abgelaufenen Saison im negativen Sinne vorgemacht, als der damals 22-jährige Kaua Santos nach seinem Kreuzbandriss viel zu früh in die Englischen Wochen geschmissen wurde. Der Brasilianer spielte fehlerhaft, hat mittlerweile seinen Stammplatz verloren und gilt zumindest bei den Hessen als verbrannt.

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Dieses Schicksal würde meiner Meinung nach auch Seimen drohen, weil er den Drei-Tage-Rhythmus weder kennt noch nach seiner Verletzung direkt gehen kann. Deshalb fände ich eine Rotationslösung gut. Seimen bekommt etwa die Bundesligaspiele, Bredlow die Einsätze in Champions League und DFB-Pokal. Dieses "Job-Sharing" könnten der VfB Stuttgart und Trainer Sebastian Hoeneß zumindest bis zur Winterpause praktizieren. Wenn Seimen bis dahin seine Vorschusslorbeeren bestätigt und die hohen Erwartungen, auch seitens der Fans, erfüllt, können die Verantwortlichen die Situation dann neu bewerten.

Wiedersehen mit dem SC Paderborn?

Seimen sollte man bis dahin die Möglichkeit geben, sich in etwas moderaterem Tempo an die Rolle des Stammkeepers in einem Spitzenklub zu gewöhnen. Beginnen könnte er damit beim SC Paderborn, seinem letztjährigen Leihverein. Wenn der 20-Jährige ausgerechnet dort sein Bundesliga-Debüt feiert, wäre das ein erster Schritt für das Top-Talent. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Johann Schicklinski