"Offen, glücklich, ehrgeizig": So beschreibt sich Mio Backhaus selbst. Wer den Torhüter im Trainingslager des SC Freiburg im österreichischen Schruns beobachtet, kommt nicht zwangsläufig auf den Gedanken, dass der Keeper erst seit Kurzem im Breisgau unter Vertrag steht. Der 22-Jährige fühlt sich beim Sport-Club gut aufgehoben, daran hat sich seit dem Trainingsauftakt vor gut zwei Wochen nichts geändert. Schon damals hatte der Keeper von der Atmosphäre und den Anhängern des Sport-Clubs geschwärmt.
In Schruns schuftet der Keeper nun, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Man bekommt den Eindruck, Backhaus könne vom SC Freiburg gar nicht genug bekommen. "Es ist Vorbereitung. Da kann man schon mal die eine oder andere Extraschicht draufpacken", sagte er im Interview mit SWR Sport.
Die Stadt und die Menschen in Freiburg hat der Torhüter bereits ein wenig kennengelernt, was ihn in seiner Entscheidung für den Sport-Club bestätigt. Auch seinen Onkel, der "tief im Schwarzwald" wohnt, hat er bereits besucht - alles Puzzleteilchen für einen gelungenen Start. Und selbst die schweißtreibenden Einheiten in Schruns genießt der Torhüter "in vollen Zügen". Das Trainingslager mache ihm "riesigen Spaß", sagte Backhaus.
Abends dann, nach getaner Arbeit, werde mit den neuen Kumpels dann noch Perudo gezockt - ein Würfelspiel, das bereits im vergangenen Jahr im Team der Freiburger hoch im Kurs stand.
Backhaus als Teil des Japan-Quartetts
Backhaus war vor der Saison von Werder Bremen verpflichtet worden und folgt auf Noah Atubolu als neuer Stammkeeper bei den Freiburgern. Atubolu steht zwar noch im Breisgau unter Vertrag, hat aber bereits seit einiger Zeit seinen Wechselwunsch bei den Klub-Bossen hinterlegt. Der 24-Jährige fehlt aktuell im Trainingslager - er trainiert 260 Autokilometer nordwestlich von Schruns individuell auf dem heimischen Übungsgelände des SC Freiburg. Atubolu würde sich gerne über einen Spitzenklub der Premier League für die deutsche Nationalmannschaft empfehlen. Doch auch Ende Juli ist er noch Spieler des Sport-Clubs, einen neuen Verein hat er trotz einer famosen Vorsaison samt zwei DFB-Nominierungen nicht gefunden.
Unabhängig davon, wo es Atubolu am Ende hinverschlägt: Die Zukunft beim Sport-Club gehört Backhaus, Sohn eines Deutschen und einer Japanerin, der in Freiburg auf drei Landsleute trifft. Yuito Suzuki hatte bereits in der vergangenen Saison bei den Breisgauern überzeugt. Im Sommer kamen mit Mittelfeldspieler Rihito Yamamoto (VV St. Truiden) und Angreifer Keisuke Goto (RSC Anderlecht) zwei weiter Japaner dazu. Backhaus, der fließend japanisch spricht, fungiert in seinen ersten Wochen in Freiburg dabei auch mal als Übersetzer. Wobei Backhaus statt Übersetzer lieber Freund sagt. "Wenn die Hilfe brauchen, dann bin ich da", sagte der Torhüter. "Ich versuche schon zu helfen."
Nationalspieler aus dem Südwesten Nicht nur VfB-Kandidaten: Das sind die Klopp-Jungs der Zukunft
Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer und soll das DFB-Team wieder in die Weltspitze führen. Der frühere Mainzer hat angekündigt, auch neue Spieler zu nominieren. SWR Sport hat die Kandidaten aus dem Südwesten unter die Lupe genommen:
Backhaus' Heimspiel-Premiere gegen Ex-Club
Backhaus will in der neuen Saison dabei helfen, dass die Freiburger erneut eine starke Saison spielen und gleichzeitig seine persönliche Entwicklung vorantreiben. Sollte der gebürtige Mönchengladbacher weiter solche Fortschritte wie in der vergangenen Saison machen, könnte er unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp ein Kandidat für das DFB-Team werden.
Backhaus will sich in Freiburg nicht auf der Ernennung zur Nummer 1 ausruhen, sondern "weiter marschieren", um die Vorschusslorbeeren auch zu rechtfertigen. "Möglichst viele Spiele zu Null", wünscht sich der 22-Jährige. Die erste Chance auf ein "Clean Sheet" in der Bundesliga bietet sich Backhaus am 30. August im ersten Heimspiel - ausgerechnet gegen Ex-Club Werder Bremen.
So weit will der Torhüter aber noch nicht denken. Schließlich stehen noch die Play-off-Spiele für die Teilnahme an der Conference League auf dem Programm (20. und 27. August). Bis dahin hat Backhaus in zahlreichen Einheiten und in den Testspielen die Möglichkeit, sich für den Saisonstart in Form zu bringen - und das natürlich "offen, glücklich und ehrgeizig".