Es waren Worte, die den ansonsten so beschaulichen Kraichgau erschütterten. Ein mittleres Erdbeben verursachten. "Wenn ich alle Dinge sage, die in meinem Kopf sind, werde ich wahrscheinlich die größte Strafe in der Geschichte der Bundesliga bekommen", lederte Andrej Kramaric nach einem 0:5 der TSG Hoffenheim beim FC Bayern München am 15.01.2025.
Andrej Kramaric: "Ein Spiegelbild der Saison"
Sang- und klanglos waren der kroatische Stürmer und seine Mannschaft beim deutschen Rekordmeister untergegangen. Eine Klatsche, die der Angreifer auch in der Höhe antizipiert hatte. "Es war völlig klar dass das passiert. Das war ein Spiegelbild der Saison", legte er nach. "Nichts funktioniert, seitdem sich im Verein etwas geändert hat. Wir haben so viel Geld investiert - für nichts. Es besteht die Gefahr, dass wir absteigen. Mit einer guten Mannschaft, mit guten Spielern."
Kramaric spielte damals darauf an, dass sich die TSG Hoffenheim im Juli 2024 von Geschäftsführer Alexander Rosen getrennt hatte, im November 2024 dann von Trainer Pellegrino Matarazzo. Für Rosen kam im Oktober 2024 Andreas Schicker von Sturm Graz. Der Österreicher installierte dann nach der Freistellung Matarazzos Christian Ilzer als dessen Nachfolger. Bis die "neuen Rädchen" ineinandergriffen dauerte es allerdings - und so belegten die Kraichgauer nach dem 0:5 beim FCB nach der Hinrunde 2024/2025 den drittletzten Platz in der Bundesliga - mit kümmerlichen 14 Punkten.
TSG Hoffenheim bislang bestes Bundesligateam 2026
Etwas mehr als ein Jahr später ist die Welt bei der TSG Hoffenheim eine komplett andere. 2026 holten die Kraichgauer, die sich letztes Jahr schließlich noch retteten, fünf Siege in fünf Bundesligaspielen, bei 14:3 Toren. Das Ilzer-Team liegt auf Rang drei, der Kurs lautet Champions League.
Und die Zahlen sind beeindruckend: Mit 42 Punkten nach 20 Spielen wurde ein neuer Vereins-Rekord aufgestellt. Seit dem siebten Spieltag holte die TSG zwei Punkte mehr als der FC Bayern. Mit sieben Heimsiegen in Serie wurde der Rekord aus 2017 eingestellt, damals hieß der Coach Julian Nagelsmann.
Andrej Kramaric überholt Giovane Elber
Einer der Protagonisten des Höhenflugs ist Kramaric. Analog zur gesamten Mannschaft befindet sich der Angreifer, der in wenigen Monaten 35 Jahre alt wird, in absoluter Topform. Der "Altmeister" ist mit fünf Toren der beste Bundesliga-Torjäger im Jahr 2026. Mit jetzt 134 Treffern zog er an Giovane Elber vorbei und ist jetzt drittbester ausländischer Torschütze der Bundesliga-Geschichte hinter Robert Lewandowski (312) und Claudio Pizarro (197). Auch zuletzt gegen Union Berlin hatte Kramaric doppelt getroffen.
"Wir haben eine tolle Gruppe"
"Die drei Punkte haben mich mehr gefreut als die Tore. Wir haben Charakter gezeigt, es war nicht einfach", sagte der Kroate anschließend im Gespräch mit SWR Sport. Für den Lauf in dieser Spielzeit hat Kramaric eine einfache Erklärung. "Wir haben eine tolle Gruppe. Alle sind motiviert, alle machen jeden Tag einen unglaublich guten Job, alle sind bodenständig."
Worte, die im Vergleich zu seinen Worten vor etwas mehr als einem Jahr diametral anders klingen. Es habe sich auch alles zum Positiven gewendet, so der Stürmer weiter. "In dieser Saison ist es möglich, etwas Großes zu erreichen. Ich genieße jeden Moment aktuell."
Ob Kramaric das auch in der kommenden Spielzeit in Hoffenheim tut, ist noch offen. Sein Vertrag endet im Sommer, eine Verlängerung steht noch aus. Aber natürlich wissen die Verantwortlichen genau, was sie an ihrem unermüdlichen und topfitten Routinier haben, der bereits zehn Jahre im Verein ist. Der Angreifer selbst sieht den Verhandlungen gelassen und optimistisch entgegen. "Das wichtigste für mich ist es, gesund zu bleiben. Und dann schauen wir, was die Zukunft bringt", sagte er.
Es ist davon auszugehen, dass die Liaison zwischen Andrej Kramaric und der TSG Hoffenheim auch in ein elftes Jahr geht. Aufhören, wenn es am schönsten ist? Das gilt in diesem Fall eher nicht.
Am kommenden Wochenende kommt es nun zum erneuten Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern (08.02., 17:30 Uhr), knapp 55 Wochen nach dem 0:5-Debakel vom Januar 2025. Die Voraussetzungen sind gänzlich andere, Hoffenheim kommt mit einer breiten Brust. Allen voran Kramaric. "Wir sind hochmotiviert gegen den FC Bayern - ich hoffe aber, dass wir nicht übermotiviert sind", blickt er voraus. "Wenn wir eine Topleistung zeigen, können wir dort punkten."
Gelingt dies, dann könnte das Kraichgau wieder wackeln. Dann gäbe es wohl kein Beben, aber sicher eine Eruption der Freude.