Bei kaum einem anderen Musiker ist noch heute der Diskurs so aufgeladen wie bei Herbert von Karajan. Die einen verehren ihn als absolutes Genie und verfallen in der Begründung dieses Ansatzes nicht selten in elitäre und arrogante Argumentationsmuster.
Andere wollen offenbar alles daran legen, Karajan als den extrem mächtigen Akteur des globalen Musikbetriebs, der er war, zu demontieren. Und oft setzten Musikwissenschaftler und Publizisten ihre Kapazitäten dafür ein, Karajans schwerwiegende nationalsozialistische Vergangenheit und Überzeugung zu bagatellisieren oder zu entschuldigen.
Wolfgang Rathert hat jetzt ein weiteres Buch zu dem Dirigenten veröffentlicht: „Herbert von Karajan: Macht – Ohnmacht – Vermächtnis“. Der Professor für historische Musikwissenschaft an der LMU München geht dabei aber einen entscheidenden Schritt zurück und vermittelt den Eindruck, ohne ideologische Vorfärbung auf Werk und Leben des Dirigenten zu blicken.
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Buch-Tipp Erstmalige Aufarbeitung der Kontroverse zu Karajan und dem Nationalsozialismus
Herbert von Karajan zählt zu den prägendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Interpretationen von Beethoven über Verdi bis Mahler setzte er Maßstäbe in der klassischen Musik. So unumstritten er aber in der Kunst war, so umstritten ist Karajan historisch. Vor allem sein Verhalten während der NS-Zeit wird bis heute kontrovers diskutiert, ohne, dass eine umfassende historische Aufarbeitung und Einordnung stattgefunden hat. Der Historiker Michael Wolffsohn zeichnet nun auf Grundlage zahlreicher, teils erstmals ausgewerteter Quellen und vielfältiger Perspektiven ein umfassendes Bild von Karajans Leben und Handeln während der NS-Zeit und in den Jahren danach. Das Ergebnis ist eine Figur zwischen „Genie und Gewissen“ im Spannungsfeld von Musik, Politik und Geschichte.
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