Buntes Programm in voller Stadtkirche
Schon zwei Stunden vor Konzertbeginn stehen die Menschen vor der Karlsruher Stadtkirche Schlange für das Konzert. Freie Platzwahl bedeutet die Chance auf die begehrten Plätze mit Blick auf den Spieltisch.
Denn am Sonntag, den 26. Juli 2026 war die Organistin Anna Lapwood zum zweiten Mal beim Karlsruher Orgelsommer Gast. Auf TikTok und Instagram folgen ihr insgesamt über 3,3 Millionen Fans.
Auf dem Programm stehen Filmmusik, Minimal Music, eine Toccata von Eugène Gigout und das Highlight ihrer Orgeltour: ein eigenes Arrangement von Howard Shores Soundtrack zur Die "Herr der Ringe"-Trilogie. Eine Herausforderung beim Arrangieren und Spielen, erzählt die Organistin selbst beim Talkformat „Das Blaue Sofa“.
Lieblingsstücke der Organistin
Jedes Konzert von Anna Lapwood startet mit der Transkription von Hans Zimmers „Chevaliers de Sangreal“ aus dem Film „The Da Vinci Code“ für Orgel. Im Anschluss erklang Rachel Portmans „Flight“, zusammen mit Olivia Bellis „Liminia Luminis“.
Fans der Minimal Music kamen mit Ludovico Einaudis „Experience“ auf ihre Kosten. Eugène Gigouts „Toccata“ markierte den klassischen Part des Orgelkonzerts, Lapwood erzählt hierzu in ihrer Moderation, dass dieses Stück sie besonders nah an die Orgel brachte. Nach dem ersten Hören stand für sie fest, sie müsse es spielen.
„Der eine Ring“ an der Orgel
Das Arrangement zu „Herr der Ringe“ hat Anna Lapwood in drei Sätzen angelegt. Damit folgt sie zwar der Ordnung der Filmtrilogie, löst sich allerdings innerhalb der Sätze von der detaillierten Struktur des Soundtracks. Auch an der Orgel sind die prägnanten Leitmotive der Figuren erkennbar, seien es die Flötenklänge der Hobbits, der 5/4-Takt der Orks oder der Gesang der Elben.
Letzteren singt Lapwood selbst von der Orgelbank, sie warnt die Zuhörer*innen vor „Wenn Sie Gesang hören: das bin ich und kein Gast.“
Humor im Publikum und am Spieltisch
Karlsruhe war der letzte Stopp für Anna Lapwood auf ihrer diesjährigen Orgeltour. Ihre Deutschkenntnisse konnte sie bei den Moderationen zum Besten geben und warnt gleichzeitig vor: Sie könnte zwar ein bisschen Deutsch sprechen, aber beim Verstehen sehe es schlecht aus.
Humor beweist sie nicht nur bei den Moderationen, sondern auch am Instrument. Während bei Portman und Belli nur am Ende geklatscht werden solle, dürfe bei Einaudi und Gigout jederzeit geklatscht werden. Das Publikum nahm diese Einladung herzlich an und klatschte schon vor dem ersten Ton.
Anna Lapwood konnte damit beweisen: bei Orgelkonzerten darf nicht nur viel Filmmusik erklingen, sondern auch viel und herzlich gelacht werden.
Das Musikporträt Die Organistin Anna Lapwood
Von Hannah Schmidt