Jonathan Ferrucci ist Konzertpianist und Yoga-Meister

Yoga und Johann Sebastian Bach: Eine musikalische Symbiose

Der junge Pianist Jonathan Ferrucci beherrscht ein breites Repertoire von Barock bis heute. Die Musik von Johann Sebastian Bach spielt jedoch eine besondere Rolle für ihn – wie auch das Yoga.

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Von Autor/in Thomas Migge

Meditative Toccaten

Der italienisch-australische Pianista Ferrucci, 32 Jahre, gehört zu den spannendsten Pianisten der klassischen Musikszene. Geboren in Florenz studierte er dort am Konservatorium, bei Giovanni Carmassi, und dann an der Guildhall School of Music and Drama in London.

Er hat sich vor allem mit der Musik von Johann Sebastian Bach einen Namen gemacht. Ferruccis Interpretationen Bachscher Werke sind klar, konzentriert und zugleich tief empfunden. Werke wie die Toccaten und die Goldberg-Variationen spielt er nicht nur technisch brillant, sondern mit einer einer fast schon meditativen Ruhe.

Toccata in C Minor, BWV 911: I. Moderato

Genau hier kommt ein ungewöhnlicher Aspekt ins Spiel: Yoga.

Musik und Yoga sind für mich die beiden Seiten einer Medaille. Da war zuerst die Musik. Ich begann ja als Kind Klavier zu spielen. Yoga kam erst später dazu, vor rund acht Jahren, und hat mein Leben verändert, wie die Musik mein Leben verändert hat.

Tägliches Training

Für Jonathan Ferrucci ist Yoga weit mehr als körperliches Training. Es ist eine Praxis der Achtsamkeit, die seine gesamte künstlerische Arbeit prägt. Atmung, Haltung und innere Konzentration – all das fließt direkt in sein Klavierspiel ein. Die Musik von Bach wird dadurch nicht nur interpretiert, sondern regelrecht durchlebt.

Ferrucci ist nicht nur Pianist, sondern auch ausgebildeter Meister in Ashtanga-Yoga. Wenn immer möglich, trainiert er jeden Tag. Die Symbiose von Yoga und Bach ist kein Zufall. Bachs Musik ist geprägt von Struktur, Ordnung und spiritueller Tiefe. Eigenschaften, die sich auch im Yoga wiederfinden.

Porträt von Jonathan Ferrucci
Jonathan Ferrucci ist nicht nur Pianist, sondern auch Yogalehrer. Er richtet sein Angebot gezielt an Musikerinnen und Musiker. Pressestelle Matthew Johnson

Yoga vor dem Konzert

Ferruccis Toccata-Interpretationen auf seiner ersten CD „The Toccatas“ wirken in diesem Sinn fast wie Klangmeditationen – intensiv, entschleunigend und zugleich hochkonzentriert. Er beweist damit, dass selbst jahrhundertealte Musik immer wieder neu erfahrbar wird, wenn man bereit ist, sie mit Körper und Geist gleichermaßen zu erfassen. Vorausgesetzt, das ist möglich.

Ich lebe in London. Da nimmt man die U-Bahn – tausend Werbeplakate, Mobiltelefone läuten, Instagram schauen, der Verkehr, Lärm – und dann betritt man eine Konzerthalle, und von einer Sekunde auf die andere soll man sich auf die Musik konzentrieren können. Nach dieser Welt der Brutalität für unsere Sinne!

Deshalb, so der Pianist, wäre ein wenig Yoga vor Konzerten sicherlich die beste Möglichkeit, sich auf Musik vorzubereiten. Im November erscheint Jonathan Ferruccis zweite CD, ein Doppelalbum, mit den Englischen Suiten Bachs. Man darf sich darauf freuen.

SWR1 Sonntagmorgen Atmen beim Yoga

Wir atmen alltäglich, meist ganz nebenbei. Die Atmung bewusst werden lassen, das ist die Idee beim Yoga und Pilates. Durch die Nase ein- und laut durch die Nase wieder ausatmen. Das gehört dazu. Im Lieb.Lings Movement & wellbeling Studio in Mainz haben wir nachgefragt, wieso.

Sonntagmorgen SWR1

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Autor/in
Thomas Migge