Sommerreihe Inselmusik Folge 3

Der Nil – riesige, klingende Inseln

Der Nil ist mit fast 7000 km der längste Fluss der Erde und an vielen Stellen breit wie ein Meer. Allein Ägypten gibt es um die 150 Inseln im gewaltigen Strom, der als grüne Lebensader durch die Wüste fließt. Jane Höck lädt zum musikalischen Insel-Hopping auf dem Nil ein. Vom Nasser-Stausee und den ehemaligen Nil-Schnellen in Assuan nach Kairo. Dabei entrollt sich ein stückweit die Musikgeschichte Nubiens.

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Von Autor/in Jane Höck

Klangvolle Sprache der Nubier

Von Assuan aus geht es mit dem Motorboot an kleinen und kleinsten Inseln vorbei flussaufwärts bis zur Insel Sehel. Vor dem Bau des Assuan-Staudamms ist die Insel stets von wilden Wassern umtost. Ein Hexenkessel, in dem die Alten Ägypter die Nilquellen vermuteten und auf der Insel selbst den Sitz von Anekis, Göttin der Nilschwemme und Herrin des Goldlandes Nubien.

Seso, ein junger nubischer Sänger und Musiker, lebt auf Sehel. Wie fast alle Nubier trägt er die dunkle Haut Schwarzafrikas und die Gesichtszüge Nordafrikas. Die Nubier haben ihre eigene klangvolle Sprache. Nubisch in der Schule gibt es nicht. Deshalb singt Seso mit den Dorfkindern nubische Lieder.

Wir waren ein mächtiges Königreich und hatten eine einzigartige Musikkultur.

Er spielt die orientalische Laute Oud, die Jungs trommeln und singen. Über den Nil und die große Vergangenheit, über Heimatlosigkeit und Schmerz. Schuld ist der Assuan-Hochdamm. Durch ihn entsteht Mitte des 20. Jahrhunderts der größte je von Menschenhand geschaffene See. Das uralte Kulturland Nubien geht in den auf-gestauten Nilfluten unter. Ein Trauma bis heute.

Bunte Häuser auf Heissa Island

Das Volk der Nubier wird im Laufe der Zeit vergessen. Einzig das antike Erbe wird gerettet. Das Heiligtum zu Ehren der Göttin Isis auf Philae etwa ist auf die höher gelegene Nachbarinsel verlegt worden und heute ein Touristenmagnet.

Die Tempelanlage liegt südlich von Sehel zwischen der alten, 1902 errichteten Staumauer und dem neuen Hochdamm. Der Nil ist hier bereits ein See. Felsen durchstoßen die Oberfläche: Surreale Fabelwesen, Türme, Tempel, und mittendrin Heissa Island. Eine karge, felsige Insel mit nubischen Häusern in den Farben Orange, Gelb, Ocker, Terrakotta und Braun.

Blick vom Nil auf die Heissa-Insel
Rund 2000 Nubier leben auf Heissa Island am Nil. Viele der Häuser sind bunt angemalt. IMAGO / Dreamstime

Eine grüne Oase auf der Insel

Wir nehmen Abschied von Nubien, segeln flussabwärts, fast 1000 Kilometer von Assuan nach Kairo. Auch in der Hauptstadt gibt es Inseln. Im dichten Stadtverkehr ist das aber oft schwer zu erkennen. Auf der Nil-Insel Al-Gezira z.B. – Sitz des Kairo-Towers, von Botschaften und Hotels – stellt sich das Inselgefühl nur im Opernpark ein.

„Wenn Du den Opernpark betrittst, befindest Du Dich plötzlich außerhalb von Kairo.“ Schwärmt die Querflöten-Solistin Ines Abdel Dayem, die ab 2012 für kurze Zeit Chefin der Oper Cairo ist. Sie hat recht, denn der Opernpark ist eine Oase. Mit viel Grün, toller Kunst im Museum of modern Art und wunderbarer Musik im Opernhaus.

Opern-Haus Kairo auf der Insel Gezira
Das Opernhaus in Kairo befindet sich auf der Gezira-Insel und ist dort so etwas wie eine grüne Oase inmitten des Betons. IMAGO / Dreamstime

Sommerreihe Insel-Musik Insel-Hopping auf den Äußeren Hebriden: Von Barra bis zu den Tweed-Inseln

Insel-Hopping auf den Äußeren Hebriden: Auf der Atlantik-Inselgruppe vor der Westküste Schottlands wird bis heute Gälisch gesprochen. Und hier gibt es eine lebendige Musikkultur.

Treffpunkt Klassik SWR Kultur

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Autor/in
Jane Höck