Nach Debatte um Gewaltaufruf

Danger Dans Album „Keine Angst“: Wie politisch sind die anderen Songs?

Mitte Juli sollte Danger Dan mit dem Song „Keine Angst“ in der ZDF-Satire-Show „Die Anstalt“ auftreten, wurde dann aber kurz vor Aufzeichnung ausgeladen. Der Liedtext könne als Aufruf zur Gewalt und Selbstjustiz verstanden werden, so das ZDF. Nun ist sein neues Album veröffentlicht worden.

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Von Autor/in Philine Sauvageot

Die Tour ist restlos ausverkauft

Die Tickets für die Alternativ-Veranstaltung von Danger Dan und Pianist Igor Levit, der ihn bei dem Auftritt hätte begleiten sollen, waren schnell ausverkauft. Auch die demnächst anlaufende Tour ist restlos ausgebucht. Die Debatte hat Danger Dan nicht geschadet, im Gegenteil.

Nun also der offizielle Release des Albums zu „Keine Angst“: Dieser Song kann Mut machen. Er kann einem angesichts der Wahlerfolge der AfD das Gefühl der Ohnmacht nehmen, und einen ins Handeln bringen gegen die verfassungsfeindlichen Bestrebungen der Partei, ihre rechtsextremen Mitglieder und rassistischen Talking Points.

Genauso gut darf man bedenklich finden, dass der Musiker Danger Dan gewalttätig gewordene linke Aktivisten namentlich grüßt und vom Doxing, also dem öffentlichen Outing von Neonazis, singt.

„Keine Angst“ ist der krawalligste Song von allen

Dass sein Song als Aufruf zur Militanz gemeint sei, bestreitet Danger Dan. Die Diskussion erinnert an seinen früheren Hit „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ – und dieses Credo ist geblieben. Auf dem gleichnamigen Album ist „Keine Angst“ fast der Schlusspunkt, als vorletzter von insgesamt zwölf Songs. Als sei Danger Dans antifaschistische Haltung die logische Konsequenz aus allem, was er zuvor besingt.

Und das ist auf eine ganz andere, weniger krawallige Art politisch. Danger Dan behandelt die vielen Facetten des Menschseins, meistens ruhig und nachdenklich. „Dass es hier so schön ist“ erzählt von seiner drohenden Erblindung. Überhaupt zeigt sich Daniel Pongratz, wie er bürgerlich heißt, verletzlich. Im Sinne einer „neuen Männlichkeit“ singt er davon, in Therapie zu sein, bei Liebesfilmen zu weinen und sich vor dem Tod zu fürchten.

Schicksale, Männlichkeit und das Leben werden zum Thema

Er vertont auch sein jüngstes Outing. „Warum es nicht geklappt hat“ ist ein Liebeslied für einen Mann. So explizit hat man das im deutschen Pop viel zu selten gehört. In „Für immer“ reflektiert Danger Dan, dass sein Schmerz über den Verlust eines Freundes mit der Zeit abgenommen hat. NMZS, ein Mitglied seiner Band, der Antilopen Gang, hatte sich im Jahr 2013 das Leben genommen.

Danger Dan zeigt starke politische Haltung

Immer wieder kommt es zu einem ironischen Bruch zwischen Text und Musik. Das Gedankenspiel „Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen“ klingt nach einem harmlosen Kinderlied, gespickt mit bitterbösen Einsichten.

Mit seinem Album „Keine Angst“ entfernt sich Danger Dan als Solokünstler weiter vom Punk und Rap seines Bandprojekts. Er ist zum politischen Liedermacher geworden.

Musikalisch reduziert auf das perkussiv gespielte Klavier, das allein dem Text dient. Nur hier und da begleitet von Streichern und einem Chor, können wir uns sonst ganz auf die Stimme von Danger Dan konzentrieren. Die Gedankenwelt, die er preisgibt, ist mal provokativ, meistens intim und gefühlvoll, und damit Kunst im besten Sinne.

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