Leseempfehlung

Etiketten sind etwas für Apotheker: Jeet Thayil über „Chelsea Girls“

Jeet Thayil empfiehlt „Chelsea Girls“ von Eileen Myles. „Das Buch ist bewegend“, sagt Thayil, der das internationale literaturfestival berlin kuratiert und Myles eingeladen hat.

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„Chelsea Girls hat mich nicht mehr losgelassen.“

„Ich habe Eileen Myles Buch „Chelsea Girls“ vor vielen, vielen Jahren gelesen, und es hat mich seither nicht mehr losgelassen“, schwärmt der indische Autor Jeet Thayil.

Eileen Myles
Eileen Myles (c) opale.photo

Darin erzählt die amerikanische Autor*in Myles von den 1980er Jahren in New York: von den eigenen lesbischen Beziehungen, den ersten künstlerischen Arbeiten und von der durchaus rauen amerikanischen Kunstszene. Das Buch erschien 1994 und wurde 2020 erstmals ins Deutsche übersetzt.

Belletristik, Sachbuch oder Memoir?

„Das Buch ist bewegend, es zeugt von emotionaler Intelligenz und es ist wunderschön geschrieben,“ äußert Jeet Thayil.

„Außerdem ist es ein experimentelles Werk, denn schon vor so langer Zeit wusste Eileen Myles, dass diese Etiketten, die wir der Literatur aufdrücken – Belletristik, Sachbuch, Memoir –, nichts bedeuten. Etiketten sind etwas für Apotheker und ihre Regale. Aber Etiketten sind nichts für Künstler.“

Eileen Myles performt mit der ILB House Band

Jeet Thayil ist Kurator beim internationalen literaturfestival berlin 2026. Da er auch Musiker ist, wird das diesjährige Festival außergewöhnlich musikalisch.

Jeet Thayil
Jeet Thayil (c) Hindustan Times

Sogar eine ILB House Band wurde gegründet. Bandleader ist der Schlagzeuger Diego Piñera. Mit dieser Band wird auch Eileen Myles während des Festivals performen.

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Das Gespräch führte
Katharina Borchardt
Literatur-Redakteurin und Moderatorin Katharina Borchardt