Zwei dicke Bücher über das Indien der jüngeren Vergangenheit – das sind die neuen Romane von Booker-Preisträgerin Kiran Desai und von Debütantin Devika Rege.
Beide Romane erzählen von der „inneren Heimatlosigkeit“ vieler Inder. Kiran Desais Roman heißt „Die Einsamkeit von Sonia und Sunny“. Devika Reges Debüt trägt den Titel „Die rastlosen Jahre“.
700 Seiten Spice und Sinnlichkeit
Bei Kiran Desai lernen sich Sonia und Sunny in einem Zug in den USA kennen. Erst später erfahren sie, dass sie einander bereits durch ihre Familien versprochen wurden. Desais 700-Seiten-Werk ist eine „groß angelegte Liebesgeschichte“, findet die Kritikerin Claudia Kramatschek.
Trotzdem ist sie von diesem Roman nicht überzeugt, auch wenn er eine politische Skizze des Indiens der Jahrtausendwende liefert. „Der Roman ist stilistisch eine merkwürdige Kreuzung aus 19. Jahrhundert und dem, was man die englischsprachige indische Spice- und Masala-Literatur nennt“, urteilt Kramatschek.
Kiran Desais sinnlich-detailliertes Erzählen sei „mit einer Überfülle hypertropher Details aufgeladen“. Auch wenn Hyperrealismus Desais Ziel war, so entstehe doch vor allem ein „Gefühl von Manierismus“.
400 Seiten Dialog und Diskurs
Viel überzeugender findet die Kritikerin Devika Reges Roman „Die rastlosen Jahre“. Der 400-Seiten-Roman schließt zeitlich an Desais Werk an und erzählt vor allem vom Jahr 2014, in dem die hindunationalistische BJP an die Macht kam.
Anhand von drei jungen Leuten und ihrem Umfeld beleuchtet Rege die politischen Veränderungen dieser Zeit, die auch als indische Identitätskrise zu lesen sind.
Auffällig ist, wie viel in diesem Roman diskutiert wird. Dialoge werden zum Stilmittel, das „immer deutlicher macht, dass es bald kein Miteinander mehr gibt, sondern eigentlich nur noch ein Gegeneinander, eine Vereinzelung der Vielen.“
Claudia Kramatschek rühmt Rege für ihre „frische und sehr akkurate Stimme und das sehr akkurate Ausloten der soziopolitischen Veränderungen in der indischen Gesellschaft“. Ihr Fazit zu Rege: „Hut ab!“
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