Bekanntester Literaturpreis der Welt

Anne Carson erhält den Nobelpreis für Literatur 2026

Der Literatur-Nobelpreis 2026 geht nach Kanada: Mit Anne Carson zeichnet die Schwedischen Akademie in Stockholm eine der bedeutendsten Dichterinnen Nordamerikas aus.

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Stand

Von Autor/in Dominic Konrad

Die Kanadierin Anne Carson ist die Literatur-Nobelpreisträgerin 2026
Die Kanadierin Anne Carson wurde zur Literatur-Nobelpreisträgerin 2026 gekürt. IMAGO / TT

Nobelpreis an Anne Carson für „ihr kühnes und einfallsreiches Werk“

Die Schwedische Akademie ehrt Anne Carson „für ihr kühnes und einfallsreiches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur“ geschaffen habe, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees.

Die renommierte Dichterin, Essayistin und Übersetzerin gilt als eine der bedeutendsten und eigenwilligsten Stimmen der zeitgenössischen Weltliteratur.

Anne Carson spricht „durch andere Dichter hindurch“

Die kanadische Autorin Anne Carson begreife sich nicht als gebieterische Stimme der Literatur. Im Gegenteil, sagt Literaturkritiker Gregor Dotzauer im Gespräch mit SWR Kultur. Sie habe gar kein besonderes Interesse an der eigenen Person, sondern spreche „immer durch andere Dichter hindurch“.

Das könne Homer sein, Gertrude Stein oder Marcel Proust. Carson sei eine Autorin, die „zwischen den Sprachschichten hin- und hereilt“, auf einer literarischen Reise durch die Jahrtausende. Die Mythologie habe die studierte Altphilologin „mit der Muttermilch aufgesogen“.

Dichterin, Übersetzerin, Philologin

Anne Carson, geboren 1950 in Toronto, unterrichtete ab 1979 klassische Literatur, vergleichende Literatur und kreatives Schreiben an verschiedenen Universitäten in Nordamerika, darunter McGill, New York und Princeton.

In ihrem 1986 veröffentlichten Essay „Der bittersüße Eros“ legte sie die theoretische Grundlage für ihr dichterisches Schaffen.

Carsons bekanntestes Werk ist der moderne Crossover-Klassiker „Rot. Zwei Romane in Versen“. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 den Prosa-Lyrikband „Wrong Norma“. Die Sammlung umfasst 25 poetische Prosastücke, Essays und kleinere Texte.

Bekannt für radikale Experimentierfreude

Die 76-jährige Autorin ist bekannt für ihre radikale Experimentierfreude; in ihren Werken verbindet sie antike griechische Literatur, Mythen und wissenschaftliche Analysen mit modernen Lebenswelten, zeitgenössischer Prosa, Lyrik und persönlichen Essays.

Neben ihrem schriftstellerischen Werk ist Carson auch eine gefeierte Übersetzerin antiker Literatur: So übersetzte sie die Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides und die Gedichte Sapphos.

Ausgestellte Nobelpreis-Medaille im Museum für Geschichte, Bukarest (Rumänien)
Seit 1901 wird der Literatur-Nobelpreis in der Regel jährlich verliehen. NurPhoto

Prominentester Literaturpreis der Welt

Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 jährlich von der Schwedischen Akademie in Stockholm vergeben und ist mit einem Preisgeld von zwölf Millionen schwedischen Kronen (etwa eine Million Euro) dotiert. Noch vor dem Booker Prize und dem Pulitzer-Preis für Fiktion gilt er als der bekannteste Preis des internationalen Literaturbetriebs.

Bislang wurden acht deutsche Autorinnen und Autoren mit dem Preis ausgezeichnet: Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1911), Thomas Mann (1929), Heinrich Böll (1972), Günter Grass (1999) und Herta Müller (2009).

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Dominic Konrad
Dominic Konrad, Autor und Redakteur bei SWR Kultur und SWR Musik
Das Gespräch führte
Fabian Elsässer
Gespräch mit
Gregor Dotzauer, Literaturkritiker
Audiobeitrag
Sophia Volkhardt