Für den Architekturfotografen Wolfram Janzer ist die Schau im Kunstverein Radolfzell ein Heimspiel. Dort ist er vor 80 Jahren geboren worden und aufgewachsen, bis es ihn für ein Architekturstudium nach Stuttgart zog.
Janzer arbeitete zunächst als Architekt, widmete sich aber bald ganz der Fotografie. Dabei bewegt er sich immer Nahe der Abstraktion, verabschiedet sich aber nie ganz vom Gegenstand. In Radolfzell treten seine Werke nun den in Dialog mit Glasinstallation und Malereien der Esslinger Künstlers Bernhard Huber.
Im Kunstverein Radolfzell kann man in der neuen Ausstellung "Licht Raum Resonanz" sein gesamtes fotografisches Werk entdecken. Eine "Geburtstags-Schau" sozusagen, denn vor wenigen Monaten wurde Janzer 80 Jahre alt.
Schwarz-Weiß-Fotografien von Konzentrationslagern
Ender der 1980er Jahre reiste Wolfram Janzer zu den Konzentrationslagern Theresienstadt, Mauthausen und Auschwitz. Zwei Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen, wie Janzer dort das Grauen des Holocausts festhielt.
Auf den ersten Blick sind es abstrakte Flächen. Dann erkennt man Strukturen einer Wand: "Was wir hier sehen, ist der Ruß der verbrannten Opfer im Krematorium", so Wolfram Janzer.
Diese Fotografien wurden damals im Stuttgarter "Landespavillon" gezeigt. Ein ehemaliger Ausstellungsort des Landes Baden-Württemberg, an dem bewusst auch Geschichtsaufarbeitung stattfand.
Einfluss durch die „Höri-Künstler“
Die Ausstellung ist Rückblick auf das bisherige Schaffen des Stuttgarter Fotografen. Und das, an dem Ort, wo Wolfram Janzer aufgewachsen ist. Nur wenige hundert Meter weiter steht sein Elternhaus - ein Elternhaus, das Janzer von klein an künstlerisch förderte. Er spielte Klavier und Orgel.
Und: er malte. Großen Einfluss darauf hatten die sogenannten „Höri-Künstler“: Otto Dix, Erick Heckel, Max Ackermann, die während der NS-Zeit auf der nah gelegenen Halbinsel lebten. Deren Werke schaute sich Janzer regelmäßig in den legendären „Singener Kunstausstellungen“ an, eine wichtige Plattform für die von den Nazis verfemten Künstler.
Studium und Schaffen in Stuttgart
1966 zog der "Jungkünstler" Janzer nach Stuttgart, studierte Architektur und eröffnete ein kleines Büro. Zeitgleich begann er zu fotografieren. Gebäude, Straßenfluchten, Motive im Stadtraum. Dabei vernetzte er sich mit anderen jungen Fotografen, wird Teil der "Alte Gesellschaft deutscher Lichtbildern", heute die "Deutsche fotografische Akademie".
Das war für mich fotografisch gesehen ein vollkommen neues Studium, eine Auseinandersetzung mit allen möglichen Formen der Fotografie.
Janzer hörte auf zu bauen. Sein Brotberuf wird die dokumentarische Architekturfotografie. Seine künstlerische Fotografie verfolgt er auch weiter. Sie ist fast abstrakt, zeigt oft Ausschnitte aus Motiven der Architektur. Wände, Treppen, Fenster.
Bernhard Huber im Dialog
Architekturbezogen sind auch die Arbeiten von Bernhard Huber, die in der Villa Bosch in Dialog mit Janzers Fotografien treten. Huber studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Malerei und Glasgestaltung.
In seinen Installationen schichtet er in Kästen Gläser übereinander, die er zuvor aufwendig bearbeitet hat: bemalt mit keramischen Schmelzfarben, bei 600 Grad im Ofen eingebrannt.
Viele der Glasobjekte sind Modelle von großen Installationen, die Huber für öffentliche Gebäude geschaffen hat. Ihn reizt die Arbeit mit filigranem Material wie Glas.
Auch Janzer verändert seine Bildsprache hin und wieder, Verschlüsselt mit einem Augenzwickern Dinge des Alltags. In einer Foto-Serie mit schwarzen runden Flächen vermutet man etwa die Darstellung des Mondes. Von wegen: "Das ist eine Serie über Käse." Runder französischer Weichkäse und runder italienischer Hartkäse.
Für Wolfram Janzer ist die Ausstellung im Kunstverein Radolfzell ein bisschen wie ein Nachhausekommen, sagt er. Und für die Ausstellungsbesucherinnen- und Besucher der Blick auf ein bemerkenswertes und sehenswertes Werk.
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