Kunst im Kanzleramt

Was das Merkel-Porträt über die Alt-Kanzlerin verrät

Angela Merkel zeigt sich auf ihrem neuen Kanzlerporträt ungewohnt dynamisch. Gemalt hat es der 28-jährige Jérémie Queyras, den Kunstkritiker Nikolaus Bernau für einen Künstler mit großer Zukunft hält. Vor seinem Platz im Kanzleramt ist das Werk im Bode-Museum zu sehen.

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„Ausgesprochen gut gelungen“, so bewertet Kunst- und Kulturkritiker Nikolaus Bernau das neue Porträt von Alt-Kanzlerin Angela Merkel. „Das ist unglaublich, wie dieser blaue Blazer in den Saal hineinstrahlt.“ Gemalt wurde das Bild vom 28-jährigen Deutsch-Franzosen Jérémie Queyras, der in Freiburg aufwuchs.

Bevor das Porträt allerdings ins Kanzleramt zieht, ist es im Bode-Museum ausgestellt. Dort hängt es derzeit im Saal französischer Kunst des 18. Jahrhunderts, von der man einen Blick in den Saal mit deutscher Kunst des 18. Jahrhunderts hat.

Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin, steht vor ihrem Porträt
Angela Merkel, ehemalige Bundeskanzlerin, vor ihrem Porträt für die Ahnengalerie im Bundeskanzleramt, das noch bis zum 4.10.2026 im Berliner Bode-Museum zu sehen ist. picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Der Beginn einer Künstlerkarriere für Jérémie Queyras?

Angela Merkel hänge nun zwischen bedeutenden Frauen und Männern, zwischen dieser deutsch-französischen Geschichte, sagt Bernau, „es ist eine politische Aussage, ein Staatsporträt und das ist Jérémie Queyras auch bewusst.“ Gleichzeitig glaubt Nikolaus Bernau an den Beginn einer großen Künstlerkarriere für Queyras.

Das Merkel-Bild hebe sich inmitten der Kanzlerporträts deutlich ab, so Bernau weiter. Während die anderen Alt-Kanzler sitzen, vermittle das Porträt von Queyras Dynamik: „Sie steht und ist viel beweglicher als die anderen und sie hat ja ganz bewusst einen jungen Maler ausgesucht, um sich eben so in Szene setzen zu lassen“, meint der Kunstkritiker.

Ein Mann steht vor einer Skulptur und spricht. Es handelt sich um den Künstler Jérémie Queyras, der ein Porträt der Alt-Kanzlerin Angela Merkel gemalt hat.
Der 28-jährige Künstler Jérémie Queyras, der in Freiburg aufgewachsen ist, hat das Porträt der Alt-Kanzlerin gemalt. Kay Nietfeld

Merkel selbst erklärte zur Wahl des Künstlers, sie habe es gereizt zu schauen, wie jemand, der am Anfang seines Künstlerlebens stehe, auf eine Person blicke, die „mehr als 70 Lebensjahre und 30 Jahre Politik auf dem Buckel hat.“

Im Gegensatz zu den anderen Alt-Kanzler-Gemälden sei das Merkel-Porträt nicht aus dem Etat des Kanzleramts bezahlt worden, sondern von ihr selbst, sagt Bernau. Damit behalte sie bis zuletzt die Kontrolle über das Bild von ihr.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Martin Gramlich
Martin Gramlich, SWR Kultur Moderator
Interview mit
Nikolaus Bernau